Das verschwundene Gutshaus Platenhof: Wie ein historisches Gebäude dem DDR-Sportplatz weichen musste
Verschwundenes Gutshaus Platenhof: DDR-Abriss für Sportplatz

Das verschwundene Gutshaus Platenhof: Eine historische Spurensuche

An der Stelle, wo heute Fußballtore stehen und Kinder spielen, erhob sich einst ein imposantes Gutshaus. Das historische Gebäude in Platenhof bei Perleberg wurde während der DDR-Zeit vollständig abgerissen und ist heute nur noch auf alten Fotografien zu bewundern. Eine detaillierte Recherche offenbart die bewegte Geschichte dieses verlorenen architektonischen Erbes.

Das Ende eines architektonischen Zeugnisses

Es muss ein beeindruckender Anblick gewesen sein, doch heute erzählt nur noch ein mehr als hundert Jahre altes Glasnegativ von seiner einstigen Pracht. Das Gutshaus von Platenhof wurde in den 1970er Jahren systematisch dem Erdboden gleichgemacht – ein Schicksal, das es mit zahlreichen anderen Herrenhäusern teilte, die der sozialistischen Führung als Symbole einer überwundenen Vergangenheit galten.

Das Gutshaus überstand zunächst die radikalen Abrisswellen der späten 1940er Jahre, die unter Stalins berühmt-berüchtigtem „Befehl 209“ stattfanden. Dieser Erlass von 1947 ordnete die Gewinnung von Baumaterial für Neubauern aus den Gutshöfen an und führte zur Zerstörung unzähliger historischer Gebäude. Andere Herrenhäuser überlebten diese Phase, weil sie nach dem Krieg dringend als Flüchtlingsunterkünfte, Kinderheime oder Schulgebäude benötigt wurden.

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Historische Wurzeln und architektonische Entstehung

Errichtet wurde das Gutshaus um die Mitte des 19. Jahrhunderts, ergänzt durch einen kleinen Ziergarten. Bauherren waren Mitglieder der Adelsfamilie von Platen, die bereits seit dem späten 18. Jahrhundert in der Region präsent war. Torsten Foelsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadt- und Regionalmuseums Perleberg und anerkannter Adelsexperte, erklärt die Ursprünge: „Um 1773 hatte Raimar Friedrich von Platen Platenhof als Vorwerkswirtschaft zum Gut Kuhwinkel etwa zwei Kilometer nördlich von Dergenthin angelegt.“

Interessanterweise existierte bereits Ende des 18. Jahrhunderts ein Vorgängerbau des späteren Gutshauses. Laut Foelschs Forschungen nutzte Friedrich von Platen (1758-1813), Sohn des Gründers, dieses Gebäude als Alterswohnsitz, während seine Eltern noch im alten Herrenhaus in Kuhwinkel lebten. Auch dieses Herrenhaus von Kuhwinkel ist heute nicht mehr erhalten.

Wirtschaftliche Entwicklung und Besitzerwechsel

Die wirtschaftliche Geschichte des Gutes ist ebenso bewegt wie seine architektonische. Foelschs Nachforschungen zeigen, dass das Gut Platenhof in den 1880er und 1890er Jahren an einen Amtmann namens Dilschmann verpachtet war, bevor es im September 1899 an Max Herper aus Nitzow bei Havelberg verkauft wurde. Zu diesem Zeitpunkt umfasste das Anwesen stolze 106 Hektar Land.

Das endgültige Aus für die private Bewirtschaftung kam mit der sogenannten „Bodenreform“ von 1945. Alle Grundbesitze über 100 Hektar wurden enteignet, die Eigentümer aus ihrer Heimat vertrieben. Damit begann der langsame Niedergang des architektonischen Ensembles.

Die letzten Jahre und der endgültige Abriss

Heute ist Platenhof ein winziges Dorf mit wenigen Häusern, das zum Perleberger Ortsteil Sükow gehört und gerade einmal 21 Einwohner zählt. Wer sich auf Spurensuche begibt, muss in Sükow auf den Platenhofer Damm abbiegen, der über etwa zwei Kilometer direkt nach Platenhof führt. Diethardt Schulz, Ortsvorsteher von Sükow, erinnert sich: „Früher, bis in die 1970er Jahre, gab es links und rechts neben dem Weg noch etliche Bauernhöfe. Die wurden alle abgerissen.“

Schulz hat das alte Gutshaus noch mit eigenen Augen gesehen, damals war er etwa zwanzig Jahre alt. „Darin seien Wohnungen gewesen“, berichtet er, „doch wie das Innere des Gebäudes ausgesehen habe, könne ich heute nicht mehr genau sagen.“ Irgendwann in den 1970er Jahren sei das Haus dann vollständig abgebrochen worden.

Vom Herrensitz zum Sportplatz

Dort, wo sich einst der stattliche Gutshof befand, stehen heute Fußballtore, dahinter wachsen Bäume und Sträucher. Ob es sich bei diesen Pflanzen vielleicht um Überbleibsel des alten Ziergartens handelt, bleibt Spekulation. „Inzwischen sei die Fläche öffentlich und diene als Sportplatz von Platenhof“, erklärt Ortsvorsteher Schulz.

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Der Platenhofer Damm, der heute zum kleinen Dorf führt, hat selbst historische Bedeutung: Zu Zeiten der Postkutschen bildete die Straße einen Abschnitt des wichtigen Postweges zwischen Berlin und Hamburg – eine Verbindung, die die regionale Bedeutung des Ortes unterstreicht.

Das Verschwinden des Gutshauses Platenhof steht exemplarisch für den Umgang mit historischer Bausubstanz in der DDR. Während einige Gebäude durch neue Nutzungen überlebten, fielen andere der Ideologie und dem Pragmatismus zum Opfer. Heute erinnert nur noch der Sportplatz an den Ort, an dem einst ein beeindruckendes Zeugnis regionaler Adelsarchitektur stand.