Das Renaissanceschloss Spyker auf der Ostseeinsel Rügen steht erneut vor einer Zwangsversteigerung. Das imposante Gebäude mit einer Nutzfläche von mehr als 1.700 Quadratmetern, umgeben von Natur- und Vogelschutzgebieten, soll am 18. Juni in Stralsund versteigert werden. Interessenten müssen jedoch nicht nur den Kaufpreis stemmen, sondern auch die Herausforderungen der Bewirtschaftung meistern.
Millionenpreis für das historische Anwesen
Der Verkehrswert des Schlosses wird vom Amtsgericht Stralsund mit mehr als 2,8 Millionen Euro angegeben. Im Internet kursieren sogar Angebote mit einem Kaufpreis von 6,9 Millionen Euro. Betreiber des Zwangsversteigerungsverfahrens ist eine Anwaltskanzlei als Gläubigervertreter. Aus Datenschutzgründen wird der aktuelle Eigentümer im Gutachten nicht genannt.
Das Schloss wurde zuletzt als Hotel mit 35 Zimmern genutzt, die sich auf mehrere Geschosse verteilen. Allerdings steht es seit Ende 2024 leer. Die Außenflächen umfassen Zehntausende Quadratmeter, darunter Wege, Wald, Wasser, Landwirtschaftsflächen und Parkgelände. Die Lage inmitten von Schutzgebieten macht das Anwesen besonders attraktiv für Ruhe- und Naturfreunde.
Geschichte des ältesten Profanbaus auf Rügen
Das Gut Spyker wurde erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt, eine Burg Spyker um 1318. Die schwedische Königin Christina überließ das Gut 1649 ihrem Feldmarschall Carl Gustav Wrangel als Dank für seine Verdienste im Dreißigjährigen Krieg. Wrangel ließ die Anlage zum heutigen Renaissanceschloss umbauen. Nach seinem Tod wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer, darunter verschiedene Grafen und Adelsfamilien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss enteignet und stand zeitweise leer. Von den 1960er Jahren bis 1989 diente es als Gewerkschaftserholungsheim und beherbergte zeitweise ein Kinderheim. Nach der Wende war das Schloss Gegenstand von Rückübertragungsansprüchen des Nachfahren von Fürst Malte von Putbus, Franz zu Putbus. Die Familie von Putbus hatte das Schloss zeitweise besessen. Fürst Malte von Putbus starb 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen, nachdem er in der Widerstandsbewegung aktiv war.
Hotelbetrieb und wirtschaftliche Schwierigkeiten
In den 1990er Jahren kaufte ein Hotelier das Schloss von der Treuhand, renovierte es und eröffnete ein Hotel. Geplant war zeitweise ein zusätzlicher Zimmertrakt, doch die Investition blieb aus. 2004 folgte die Zwangsverwaltung, 2006 die erste Zwangsversteigerung. Der neue Besitzer führte den Hotelbetrieb bis etwa 2024 fort. Seitdem steht das Hotel leer.
Laut Gutachten bietet die Zimmerzahl keine ausreichende wirtschaftliche Basis für einen gehobenen Hotelbetrieb. Ein nachhaltiger Betrieb sei nur durch eine Erhöhung der Zimmerzahl möglich. Erst Anfang Mai eröffnete ein Schlosscafé, das unabhängig vom Hotel betrieben wird.
Zustand und Ausstattung des Schlosses
Das Schloss wird regelmäßig instand gehalten, weist aber vereinzelt Putzschäden an der markanten roten Fassade auf. Ein Energiepass liegt nicht vor und ist aufgrund des Denkmalschutzes nicht erforderlich. Das Inventar umfasst eine vollständige Gastroküche sowie ein Restaurant im historischen Gewölbekeller mit etwa 70 Plätzen innen und 80 Plätzen auf der Außenterrasse. Die Hotelzimmer sind im antiken Stil eingerichtet und stammen aus der Modernisierung Mitte der 1990er Jahre.
Neben dem Schlosshotel gibt es ein Wirtschaftsgebäude mit mehr als 100 Quadratmetern Nutzfläche. Das gesamte Anwesen ist von einer weitläufigen Parkanlage umgeben.
Versteigerungstermin und Bedingungen
Die Zwangsversteigerung findet am 18. Juni in Stralsund statt. Bieter müssen eine Sicherheit in Höhe von zehn Prozent des Verkehrswertes leisten, die vorab überwiesen werden muss. Barzahlung ist ausgeschlossen. Das Amtsgericht weist darauf hin, dass nur solvente Bieter zugelassen werden.



