Thüringen: 24 Kältetote in zwei Wintern - Kritik an Schutzmaßnahmen für Obdachlose
24 Kältetote in Thüringen: Kritik an Obdachlosenschutz

Thüringen verzeichnet 24 Kältetote in den Wintern 2023 und 2024

Der aktuelle Winter 2025/26 zeigt sich mit Frost und Schnee von seiner harten Seite. Für Menschen ohne festen Wohnsitz, die auf der Straße leben müssen, stellen diese Bedingungen eine lebensbedrohliche Gefahr dar. In Thüringen wurden in den vergangenen zwei Wintern insgesamt 24 Todesfälle gezählt, die direkt auf übermäßige natürliche Kälte zurückzuführen sind.

Statistische Daten offenbaren tragische Bilanz

Aus einer parlamentarischen Anfrage der Linke-Landtagsabgeordneten Katja Maurer geht hervor, dass im Freistaat Thüringen im Jahr 2023 genau 14 Menschen erfroren sind. Ein Jahr später, 2024, waren es zehn Kältetote. Diese Zahlen basieren auf Daten des Statistischen Landesamtes, das übermäßige Kälte als direkte Todesursache erfasst. Für das Jahr 2025 liegen noch keine vollständigen Zahlen vor, da die Erfassung der Sterbefälle und die Auswertung der Todesursachen üblicherweise einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen.

Die Kältetoten wurden nicht nur in den kreisfreien Städten Erfurt, Jena, Suhl und Weimar registriert, sondern auch in den meisten Landkreisen des Bundeslandes. Lediglich in Gera, dem Saale-Holzland-Kreis und einem weiteren Landkreis gab es in beiden Jahren keine dokumentierten Fälle. Aus der Antwort des Sozialministeriums geht nicht hervor, in welchem Umfang es sich bei den Verstorbenen um obdachlose Menschen handelte.

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Linke übt scharfe Kritik an der Landesregierung

Das Thüringer Sozialministerium betont in seiner Stellungnahme die Notwendigkeit niedrigschwelliger Angebote, um Todesfälle durch Unterkühlung zu verhindern. Dazu zählen insbesondere Notunterkünfte, Aufenthaltsräume zum Aufwärmen am Tag, die Versorgung mit warmen Getränken und Mahlzeiten sowie der Zugang zu medizinischer Hilfe. Diese Maßnahmen werden als wichtige kommunale Aufgabe definiert.

Die Linke sieht jedoch auch die Landesregierung in der Verantwortung. Abgeordnete Katja Maurer wirft der Regierung Ideen- und Handlungslosigkeit vor, wenn es um konkrete Schutzmaßnahmen für obdachlose Menschen vor dem Erfrieren geht. Die Kritik fällt in eine Zeit, in der die Landesregierung das ambitionierte Ziel ausgegeben hat, die Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Thüringen bis zum Jahr 2030 vollständig zu überwinden.

Landesstrategie gegen Obdachlosigkeit in Planung

Zur Umsetzung dieses Ziels soll eine entsprechende Landesstrategie entwickelt und umgesetzt werden. Derzeit findet in den Kommunen eine umfassende Bestandsaufnahme statt, die als Grundlage für geeignete Maßnahmen dienen soll. Anfang des Jahres 2025 waren nach Angaben des Statistischen Landesamtes etwa 3.000 Menschen in Thüringer Sammelunterkünften oder speziellen Einrichtungen für Wohnungslose untergebracht.

Die aktuellen Winterbedingungen unterstreichen die Dringlichkeit, sowohl kurzfristige Schutzmaßnahmen als auch langfristige Strategien gegen Obdachlosigkeit voranzutreiben. Während die einen auf kommunale Initiativen setzen, fordern andere eine stärkere landespolitische Führung, um tragische Kältetote in Zukunft zu verhindern.

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