AfD und das Kyffhäuser-Denkmal: Der völkische Traum von einem reinen Reich
AfD und Kyffhäuser: Völkischer Traum vom reinen Reich

Die AfD und die Nation: Der rechte Traum vom völkisch reinen Reich

Ein Gastbeitrag von Ruth Hoffmann analysiert, wie die AfD das Kyffhäuser-Denkmal für ihre nationalistische Ideologie instrumentalisiert. Das Monument steht für die Partei als Symbol einer deutschen Nation, die angeblich seit Kaiser Barbarossas Zeiten unverändert existiere. Doch diese Darstellung ist historisch unsinnig und gefährlich.

Das Kyffhäuserdenkmal: Ein Monument imperialer Selbstdarstellung

Das Kyffhäuserdenkmal in Thüringen erhebt sich majestätisch über dem Kyffhäusergebirge. Kaiser Wilhelm I. sitzt hoch zu Ross, sein Blick ist siegesgewiss in die Weiten des Thüringer Waldes gerichtet. Zu seinen Füßen positionieren sich ein germanischer Krieger mit gezücktem Schwert und eine Frauenfigur mit Schreibfeder, bereit, die Heldentaten des Monarchen für die Nachwelt festzuhalten. Der Schild trägt die Inschrift »Sedan/Paris 1870« und verweist damit auf die Siege über Frankreich.

Im felsigen Hof unterhalb des Reiters thront ein weiterer Kaiser: Friedrich I., genannt Barbarossa. Der Staufer-Herrscher aus dem 12. Jahrhundert wird gerade dargestellt, wie er sich vom Thron erhebt. Grimmig blickt er auf die Menschen zu seinen Füßen herab, mit der linken Hand greift er sich in den Bart, mit der rechten umfasst er ein Schwert. Sein geöffneter Mund suggeriert, dass jeden Moment ein Befehl, ein Fluch oder ein Schlachtgebrüll daraus hervordringen könnte.

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Das größte Wilhelm-Denkmal als politische Bühne

Erbaut auf den Ruinen der alten Reichsburg Kyffhausen erstreckt sich das Monument über eine Länge von 131 Metern und 96 Metern Breite. Es präsentierte das Kaiserreich als stolze, wehrhafte Nation der Deutschen – eine aufstrebende Großmacht, die niemand mehr aufhalten könne. Diese historische Kulisse wählte der ultrarechte Flügel der AfD mit Bedacht für ihr erstes »Kyffhäuser-Treffen« im Sommer 2015.

Der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke betonte damals, man wolle daran erinnern, »wer wir sind und wo wir herkommen«. Der frisch formierten Gruppierung um Höcke und seinen brandenburgischen Parteifreund Andreas Kalbitz war die offizielle Parteilinie nicht radikal genug. In der »Erfurter Resolution«, dem Gründungsdokument des »Flügels«, hieß es, die AfD dürfe sich nicht dem »etablierten Politikbetrieb« anpassen, »dem Technokratentum, der Feigheit und dem Verrat an den Interessen unseres Landes«.

Politische Instrumentalisierung historischer Symbole

Das Fest am Kyffhäuser mit politischen Reden, Blasmusik, Bier und Schweinebraten sollte die rechtsnationale Ausrichtung der Strömung betonen und in der Partei populär machen. Die AfD konstruiert hier eine Kontinuität deutscher Geschichte, die so nie existiert hat. Die Vorstellung einer seit dem Mittelalter unveränderten deutschen Nation ist ein Mythos, der historischen Tatsachen widerspricht.

Die Legende vom schlafenden Barbarossa, der erwacht, um »das Reich« zu alter Größe zu führen, wird von der AfD für ihre politischen Zwecke umgedeutet. Doch dieses völkische Geschichtsbild ignoriert die komplexe Entwicklung Deutschlands und Europas. Es reduziert nationale Identität auf biologistische Kategorien und schließt damit große Teile der heutigen Bevölkerung aus.

Was wir dieser Geschichtsklitterung entgegensetzen müssen

Dem nationalistischen Missbrauch historischer Symbole müssen wir eine aufgeklärte Geschichtsbetrachtung entgegensetzen. Deutschland war immer ein Land der Vielfalt und des Wandels. Die Vorstellung einer homogenen, »völkisch reinen« Nation ist nicht nur historisch falsch, sondern auch gefährlich für unsere demokratische Gesellschaft.

Das Kyffhäuserdenkmal sollte als Mahnmal für die Gefahren nationalistischer Überhöhung verstanden werden, nicht als Vorbild für politische Ideale. Eine kritische Auseinandersetzung mit unserer Geschichte ist notwendig, um den simplifizierenden Narrativen der Rechtspopulisten etwas Substantielles entgegenzusetzen. Nur so können wir verhindern, dass historische Symbole für gegenwärtige politische Zwecke instrumentalisiert werden.

Dieser Text basiert auf einem gekürzten Auszug aus Ruth Hoffmanns neuem Buch »Raubzug von rechts«.

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