Linksradikale planen Protest gegen KZ-Gedenkstätte Buchenwald
In Weimar (Thüringen) haben linksradikale Gruppen zu einer Demonstration gegen die KZ-Gedenkstätte Buchenwald aufgerufen. Der Protest ist für das Wochenende der Befreiung des Konzentrationslagers rund um den 11. April geplant. Der skandalöse Vorwurf der Aktivisten: Die Leitung des Zentrums, das an die Ermordung von mehr als 56.000 Menschen durch die Nazis erinnert, sei nicht israelfeindlich genug. Zudem würden propalästinensische Aktivisten angeblich kriminalisiert, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtet.
Streit um Palästinensertücher auf dem Gedenkstättengelände
Hintergrund des Konflikts ist ein Disput um das Tragen von Palästinensertüchern (Kufiyas) auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Im April vergangenen Jahres verweigerten Mitarbeiter einer Frau den Zutritt, weil sie mit einem solchen Tuch gegen Israel protestieren wollte. Ein Gericht gab der Gedenkstätte recht. Die Klägerin war offenbar Mitglied einer kommunistischen Organisation, die das antisemitische Massaker der Hamas im Oktober 2023 gefeiert hatte. In einer Stellungnahme der Gruppe hieß es: „Wir können diesen Aufstand nur bewundern“, er sei „in Gänze legitim, genau wie all seine Mittel“.
Geplante Aktionen unter dem Slogan „Kufiyas in Buchenwald“
Unter dem Motto „Kufiyas in Buchenwald“ sollen öffentlicher Protest und Vorträge stattfinden. Zu den beteiligten Organisationen gehören die Studentenorganisation der Linkspartei, die antizionistische Organisation „Jüdische Stimme“ und die Deutsche Kommunistische Partei (DKP). In einer Stellungnahme der Gruppen heißt es, die Gedenkstätte Buchenwald sei zu einem Ort des „Geschichtsrevisionismus und der Genozid-Leugnung“ geworden. Sie verbreite „israelische Propaganda“.
Antisemitismusbeauftragter spricht von Täter-Opfer-Umkehr
Ein Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung äußerte gegenüber der „NZZ“: „Wir sind besorgt, dass versucht wird, das Gedenken unangemessen zu instrumentalisieren.“ Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, verurteilte die geplanten Aktionen auf das Schärfste und sprach von einem „neuen Tiefpunkt der leider so geläufigen Täter-Opfer-Umkehr“. Er betonte: „Dies ist ein frontaler Angriff auf die Würde des Erinnerns an die Opfer der Shoah.“
Historischer Hintergrund des Konzentrationslagers Buchenwald
Zwischen 1937 und 1945 wurden im KZ Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar zahlreiche Menschen ermordet, darunter Juden, Homosexuelle und Kriminelle. Am 11. April 1945 befreiten sich die Insassen des Konzentrationslagers selbst, nachdem die meisten SS-Männer vor den vorrückenden amerikanischen Truppen geflohen waren. Die Gedenkstätte dient heute als wichtiger Ort der Erinnerung und Mahnung.
Die geplanten Proteste haben bereits jetzt eine breite öffentliche Debatte über den Umgang mit Gedenkkultur und Antisemitismus in Deutschland ausgelöst. Experten warnen vor einer Instrumentalisierung historischer Orte für aktuelle politische Konflikte.



