Thüringens Wohnungsnot: Bauwirtschaft fordert Standardsenkung gegen Mietexplosion
Thüringen: Bauwirtschaft will Standards senken gegen hohe Mieten

Wohnungsnot in Thüringen: Bauwirtschaft fordert radikale Maßnahmen gegen steigende Mieten

Könnten Nettokaltmieten von bis zu 18 Euro pro Quadratmeter im Neubau bald auch in Thüringen zur traurigen Realität werden? Vertreter der Bau- und Wohnungswirtschaft im Freistaat schlagen jetzt konkrete Maßnahmen vor, um diese Entwicklung zu verhindern und bezahlbaren Wohnraum zu sichern.

Drastischer Rückgang beim Wohnungsbau

Die Zahlen sind alarmierend: Im vergangenen Jahr sanken die Wohnungsbauaufträge in Thüringen um knapp 18 Prozent, der Umsatz im Wohnungsbau ging um fast 12 Prozent zurück. Burkhard Siebert, Geschäftsführer des Bauindustrieverbandes, nennt als Hauptgründe die hohen Baukosten und Zinsen. "Wohnraum ist in vielen Thüringer Städten, zunehmend aber auch in ländlichen Regionen knapp und teuer", ergänzt Matthias Kreft, Geschäftsführer des Verbandes der Thüringer Wirtschaft.

Baukosten als Hauptproblem

Die durchschnittlichen Baukosten liegen in Thüringen mittlerweile bei etwa 4.600 Euro pro Quadratmeter. Aus dieser Kalkulation ergeben sich theoretische Nettokaltmieten von 16 bis 18 Euro pro Quadratmeter – ein Preisniveau, das für die meisten Thüringer Haushalte unerschwinglich ist. Vincent Kopp vom Verband baugewerblicher Unternehmer erklärt: "Deshalb plädieren wir für einen gesetzlichen Grundstandard, eine Art Basisklasse im Wohnungsbau."

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Konkrete Vorschläge zur Standardsenkung

Die Verbände nennen konkrete Beispiele für überhöhte Standards:

  • Vorgaben von mehr als einem Dutzend Steckdosen in Küchen
  • Extrem starke Betondecken
  • Überdimensionierte Wanddämmungen

Als Vorbild könnte eine Hamburger Streichliste mit 70 Punkten dienen, die auch in Thüringen als Blaupause genutzt werden könnte. Als größte Kostentreiber identifizieren die Experten Tiefgaragen und Aufzüge.

Serielles Bauen und schnellere Verfahren

Burkhard Siebert wirbt für serielles oder modulares Bauen mit vorgefertigten Teilen: "Dabei liegt die Bauzeit im Schnitt bei zwei Jahren, während derzeit von der Bauentscheidung bis zum Einzug der Mieter durchschnittlich 60 Monate vergehen." Die Verbände fordern spezielle Anreize für Kommunen, die Bauland zur Verfügung stellen und kurze Genehmigungsverfahren organisieren.

Staatliche Unterstützung notwendig

Frank Emrich, Geschäftsführer des Thüringer Wohngutswirtschaftsverbandes, mahnt: "Bezahlbaren neuen Wohnraum können wir zu den derzeitigen Baupreisen ohne staatliche Unterstützung kaum noch zur Verfügung stellen." Er spricht sich für mehr staatliche Anreize für Bauinvestitionen aus und betont, dass ein gutes Angebot an bezahlbarem Wohnraum auch ein wichtiger Standortfaktor bei der Gewinnung dringend benötigter Fachkräfte sei.

Alternative Lösungsansätze

Kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen sehen zusätzliche Möglichkeiten im Ausbau von Dachgeschossen und der Aufstockung von Wohnhäusern. Besonders in den Städten Erfurt, Jena und Weimar könnten so zusätzliche Wohnflächen geschaffen werden. Diese Maßnahmen würden helfen, den akuten Wohnraummangel in den urbanen Zentren Thüringens zu lindern.

Die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum in Thüringen hat damit eine neue Dimension erreicht. Während die Verbände auf pragmatische Lösungen setzen, bleibt abzuwarten, wie Politik und Gesellschaft auf die Forderungen nach niedrigeren Bau- und Ausstattungsstandards reagieren werden.

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