Thüringer Städtepartnerschaften mit USA trotz Trump-Politik weiterhin aktiv
Thüringer Städtepartnerschaften mit USA trotz Trump aktiv

Thüringer Städtepartnerschaften mit USA trotz politischer Herausforderungen lebendig

Mehrere Städte in Thüringen unterhalten seit über drei Jahrzehnten partnerschaftliche Beziehungen zu Kommunen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Diese internationalen Verbindungen werden trotz der politischen Rahmenbedingungen unter der Trump-Administration weiterhin aktiv gepflegt, wie eine aktuelle Umfrage der Deutschen Presse-Agentur deutlich macht. Die Intensität der Kontakte variiert dabei zwischen den verschiedenen Partnerstädten, doch die grundsätzliche Bereitschaft zum Austausch bleibt ungebrochen.

Langjährige Partnerschaften zwischen Thüringen und amerikanischen Städten

Bereits in den frühen neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden zahlreiche offizielle Städtepartnerschaften zwischen thüringischen und US-amerikanischen Kommunen besiegelt. Die Stadt Apolda verbindet eine Partnerschaft mit Rapid City im Bundesstaat South Dakota, während Eisenach eine Verbindung zu Waverly in Iowa unterhält. Erfurt pflegt die Beziehung zu Shawnee in Kansas, Gera ist mit Fort Wayne in Indiana partnerschaftlich verbunden, und Gotha unterhält Kontakte zu Gastonia in North Carolina.

In Mühlhausen wird die Städtefreundschaft mit Saxonburg in Pennsylvania vor allem auf privater Ebene gelebt, offizielle Bürgerdelegationen waren nach Angaben der Stadtverwaltung bislang nicht in der amerikanischen Partnerstadt. Die Partnerschaft zwischen Jena und Berkeley in Kalifornien ruht dagegen seit einem Bürgermeisterwechsel in der kalifornischen Stadt im Jahr 2024.

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Vielfältige Austauschprogramme und persönliche Kontakte

Eine besonders wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Städtepartnerschaften spielen die Kontakte zwischen den Feuerwehren der Partnerstädte. Hier geht es nicht nur um fachlichen Austausch, sondern auch um menschliche Begegnungen. „Gerade unter den Feuerwehrleuten sind die menschlichen Kontakte besonders gut und herzlich“, betont Ingo Knobbe, Feuerwehrchef und Stadtbrandinspektor von Apolda, der zugleich den Partnerschaftsverein der Stadt leitet.

In Erfurt hatte die Feuerwehr nach Angaben der Stadtverwaltung im vergangenen Herbst Kollegen aus der Partnerstadt Shawnee zu Gast, derzeit wird ein Gegenbesuch von Erfurter Brandbekämpfern in den USA vorbereitet. Die Stadtverwaltung Eisenach spricht von einer sehr intensiven Partnerschaft mit Waverly, bei der sich nicht nur die Stadtspitzen regelmäßig besuchen, sondern auch Gastaufenthalte amerikanischer Studierender mit Praktika in Eisenacher Unternehmen stattfinden.

Schüleraustausch und kultureller Dialog

Der Schüleraustausch bildet einen weiteren wichtigen Pfeiler der transatlantischen Städtepartnerschaften. In Gotha findet nach Angaben der Stadtverwaltung ein jährlicher Schüleraustausch im Frühjahr und Herbst mit jeweils zehntägigen Aufenthalten in den Partnerstädten statt, wobei die Schüler in Gastfamilien untergebracht werden. In Eisenach soll der während der Corona-Pandemie eingeschlafene Schüleraustausch wiederbelebt werden, während Gera alle zwei Jahre einen Schüleraustausch organisiert – der nächste ist für das Jahr 2027 geplant.

Kultureller Austausch zeigt sich auch durch regelmäßige Auftritte von Chören aus Waverly in Eisenach, die teilweise sogar auf der historischen Wartburg stattfinden. Die seit fast 35 Jahren bestehende Geraer Partnerschaft mit Fort Wayne wird von der zuständigen Referentin Juliane Schnabel als „sehr lebendig“ und von vielen persönlichen Freundschaften geprägt beschrieben. Derzeit laufen die Vorbereitungen für einen Besuch Geraer Vertreter bei einem Volksfest in der amerikanischen Partnerstadt.

Herausforderungen durch verschärfte Einreisebestimmungen

Die unter der Trump-Administration verschärften Einreisebestimmungen in die Vereinigten Staaten stellen jedoch eine konkrete Herausforderung für die Städtepartnerschaften dar. Die neuen Regelungen verlangen von Einreisenden unter anderem das umfangreiche Offenlegen von Social-Media- und Telefonkontakten, was bei potenziellen Reisenden zu Verunsicherung führt.

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„Eine gewisse Unsicherheit ist schon da“, räumt Juliane Schnabel aus Gera ein. „Wir beobachten die Entwicklung genau.“ In Apolda kommt nach Angaben von Ingo Knobbe wegen dieser Verschärfungen eine für dieses Jahr eigentlich geplante größere Bürgerreise nach Rapid City nicht zustande. Andere Reisepläne seien hingegen nicht vom Tisch: Vier Mitglieder des Partnerschaftsvereins wollen zum Nationalfeiertag der USA am 4. Juli in die Partnerstadt reisen, und auch Vertreter von Krankenhaus und Polizei planen für dieses Jahr eine Reise.

Politische Differenzen bleiben auf kommunaler Ebene außen vor

Die abfällige Haltung der Trump-Administration gegenüber Europa scheint die Städtebeziehungen auf kommunaler Ebene nicht zu beeinträchtigen. „Solche Vorbehalte wurden auf kommunaler Ebene zu keinem Zeitpunkt je geäußert“, heißt es aus der Eisenacher Stadtverwaltung. Ingo Knobbe aus Apolda hat beobachtet, „dass die amerikanischen Freunde versuchen, die große Politik da rauszulassen“. In den Gesprächen werde nicht über Trump gesprochen.

Die Stadtverwaltung Eisenach betont den verbindenden Charakter der Partnerschaft gerade in diesen politisch herausfordernden Zeiten. Den Menschen in Waverly, die sich für die Städtepartnerschaft engagieren, sei es sehr wichtig, über dieses Thema zu sprechen, so die Einschätzung der ehrenamtlichen Eisenacher Beigeordneten Heike Apel-Spengler. „Es ist ihnen ein großes Bedürfnis, deutlich zu machen, dass sie nicht hinter Donald Trump und seiner Regierung stehen.“ Das große Anliegen sei es, die langjährigen Freundschaften durch die politischen Entwicklungen nicht zu schmälern oder gar zu zerstören.

„Auch in der hiesigen Stadtgesellschaft sind keinerlei Tendenzen spürbar, dass sich das Verhältnis abkühlen könnte“, stellt Apel-Spengler abschließend fest. Die Städtepartnerschaften zwischen Thüringen und den USA beweisen damit ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber politischen Turbulenzen und bleiben ein wichtiger Pfeiler der deutsch-amerikanischen Beziehungen auf kommunaler Ebene.