Jeremy Dudziak (30) hat ein großes Kämpferherz! In seiner Hertha-Zeit hatte der Mittelfeldspieler mit dem feinen linken Fuß große Rückschläge zu verkraften. Erst stoppte ihn ein Mittelfußbruch. Später dauerte es nach einer Hüftverletzung 525 lange Tage, um über den Umweg Hertha U23 (4. Liga) auf die Profibühne zurückzukehren. Kurz nachdem er wieder ganz oben ankam, lief sein Hertha-Vertrag aus. Im Abschieds-Interview mit BILD spricht er über seine Zeit bei den Berlinern und seine Pläne.
„Die drei Jahre bei Hertha waren sehr aufregend und lehrreich“
Auf die Frage, wie er seine Hertha-Zeit bewertet, antwortet Dudziak: „Die drei Jahre bei Hertha BSC waren sehr aufregend und vor allem unglaublich lehrreich. Im Großen und Ganzen haben weder der Verein noch ich die Ziele und Träume erreicht, die wir uns gemeinsam gesetzt hatten. Trotzdem sind aus dieser Zeit Dinge entstanden, die etwas Neues hervorbringen können. In meinem Fall bedeutet das, dass ich heute so fit, klar und leistungsfähig bin wie noch nie in meiner Karriere. Jeder, der mich kennt – und vor allem ich selbst – weiß, dass ich in dieser Verfassung jeder Mannschaft weiterhelfen kann.“
Seine Instagram-Videos aus dem Gym zeigen einen durchtrainierten Athleten. Dudziak betont: „Körperlich bin ich bereit, sofort wieder auf hohem Niveau Fußball zu spielen. Die vergangenen Monate haben mich als Mensch und als Fußballer stärker gemacht. Ich habe unglaublich viel über meinen Körper gelernt und weiß heute genau, was ich brauche, um dauerhaft fit zu bleiben. Ich bin jeden Tag im Gym, dazu stehen Intervall- und Grundlageneinheiten auf dem Programm. Ich bin hungriger denn je und sofort bereit für meinen nächsten Verein. Ich bin sogar so fit wie noch nie in meiner Karriere.“
„Kein neues Angebot lag an der Neuausrichtung des Vereins“
Dass Hertha trotz seiner Topform sparen musste und kein neues Angebot vorlegte, kommentiert Dudziak sachlich: „Dass es kein neues Angebot gab, lag weder an meiner Leistung noch an meiner Fitness, sondern an der Neuausrichtung des Vereins. Als ich zu Hertha gekommen bin, ging es in erster Linie darum, den Verein nach dem Abstieg zu stabilisieren. Jetzt werden andere Schwerpunkte gesetzt, und das muss man respektieren.“
Mit elf Abgängen und noch keinen Neuzugängen steht Hertha vor einer Herausforderung. Dudziak zeigt sich jedoch zuversichtlich: „Dafür ist es noch zu früh. Der Transfermarkt ist noch lange geöffnet und die WM ist gerade erst über die Gruppenphase hinaus. Ich bin überzeugt, dass Hertha aus diesen Transfererlösen wieder etwas aufbauen und noch gute Neuzugänge verpflichten wird. Natürlich verliert man starke Charaktere, gleichzeitig entwickelt der Verein aber auch immer wieder Spieler aus den eigenen Reihen, was in den vergangenen Jahren gut funktioniert hat. Im Fußball hängt sehr viel davon ab, wie man als Mannschaft in eine Saison startet, wie schnell man Selbstvertrauen gewinnt und als Team zusammenwächst. Mit diesen Fans im Rücken kann daraus eine echte Wucht entstehen.“
„Ich wünsche Hertha den Aufstieg“
Trainer Stefan Leitl, der Dudziak bereits aus gemeinsamen Zeiten in Fürth kennt und fördert, wünscht der Mittelfeldspieler alles Gute: „Ich wünsche allen, die sich mit Hertha identifizieren, dass daraus langfristig etwas Erfolgreiches entsteht. Und dass die Mannschaft bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielt und ihn am Ende sogar schafft. Über Stefan Leitl kann ich ausschließlich Positives sagen. Er tut alles dafür, dass der Verein und die Mannschaft erfolgreich sind. Ich hoffe, dass er immer ein Dudziak-Förderer bleibt. Persönlich hätte ich ihm und der Mannschaft am Ende der Saison gerne noch mehr auf dem Platz helfen und meinen Beitrag leisten wollen.“
Auf die Frage, wie viele Jahre er noch spielen will, antwortet Dudziak voller Überzeugung: „Mein Fußballherz ist wieder komplett geheilt. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich mich nie aufgegeben habe und mich wieder in den Fokus zurückkämpfen konnte. Diese Mentalität kann mir niemand mehr nehmen. Genau deshalb bin ich überzeugt, dass das, was jetzt kommt, nicht nur Spaß machen wird, sondern auch maximal erfolgreich sein kann. Ich bin überzeugt, dass ich noch einige richtig gute Jahre vor mir habe. Ich habe das Gefühl, dass mein bestes Kapitel als Fußballer noch kommen kann.“
„Ich bin topfit!“
Zu den Angeboten, die er erhalten hat, sagt Dudziak: „Es gab immer wieder Gespräche mit verschiedenen Vereinen. Bisher habe ich aber bei keinem das Feuer gespürt, bei dem ich gesagt habe: Das ist der richtige Schritt. Es gab auch Vereine, die sich gefragt haben, warum ich die letzten Spiele der Saison nicht mehr gespielt habe und ob das mit Verletzungen zusammenhängt. Dann musste ich erst einmal erklären, dass ich komplett fit bin und die fehlende Spielzeit nichts mit meiner Fitness zu tun hatte. Deshalb kann ich es hier gerne noch einmal klar sagen: Ich bin topfit! (lacht)“
Als Ex-Nationalspieler Tunesiens verfolgte Dudziak die WM. Auf die Frage, wie sehr er mit Tunesien gelitten hat, antwortet er: „Es ist schade, dass ich nicht mehr für Tunesien spielen konnte. Das lag allerdings nicht am Verband, sondern hatte Gründe, die meine Abstammung betreffen. Deshalb war es für mich nicht immer einfach, eine enge emotionale Bindung aufzubauen. Trotzdem tut es weh zu sehen, dass das Turnier so deutlich geendet hat. Man darf aber auch nicht vergessen, dass Tunesien in einer extrem starken Gruppe gespielt hat.“



