Eisschnellläufer Petzold übt scharfe Kritik an eigenem Verband nach Olympia-Aus
Am letzten Tag der olympischen Eisschnelllauf-Wettbewerbe in Italien sorgt der deutsche Athlet Fridtjof Petzold für erneute Unruhe um die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG). Der 28-jährige Sportler äußerte nach seinem Ausscheiden im Halbfinale des Massenstart-Wettbewerbs massive Vorwürfe gegen seinen Verband.
Strukturprobleme und mangelnde Professionalität
Petzold kritisierte die Führung der DESG auf allen Ebenen – vom Präsidium bis zur Betreuung durch die Trainer bei den Olympischen Winterspielen. „Der Verband wird unprofessionell geführt“, erklärte der gebürtige Sachse deutlich. Er betonte, dass die aktuelle mediale Aufmerksamkeit genutzt werden müsse, um auf Missstände hinzuweisen.
Der Athlet sieht grundlegende Strukturprobleme in der Organisation. „Sehr viele Familien bringen einfach ihre Leute da rein“, so Petzolds deutliche Worte. Zudem seien Verantwortliche zu nah am Präsidenten Matthias Große angesiedelt, was eine Atmosphäre der Angst schaffe. „Jeder hat Angst, etwas zu sagen, weil er um seinen Job besorgt ist“, beschrieb Petzold die Situation.
Gestörtes Verhältnis zum Bundestrainer
Besonders problematisch sei das Verhältnis zum Allround-Bundestrainer Alexis Contin, der am Stützpunkt in Berlin arbeitet. Seit Ende der vergangenen Saison gebe es persönliche Differenzen mit dem französischen Trainer. Dabei hatte die DESG Petzold vor der Saison zugesichert, die bestmögliche Betreuung für alle Sportler gewährleisten zu wollen.
„Das hat sich in den letzten Wochen entgegengesetzt entwickelt“, kritisierte der Eisschnellläufer. Bei den Winterspielen in Italien sei die Betreuung nicht wie gewünscht gewesen. Es habe Auseinandersetzungen zwischen den Läufern der Teamverfolgung und Contin gegeben, was Petzold psychisch stark belastet habe.
Mangelnde Betreuung im entscheidenden Rennen
Auch im Massenstart-Wettbewerb sei die Betreuung unzureichend gewesen. „Der Bundestrainer mit der meisten Kompetenz für den Massenstart ist Alexis Contin“, betonte Petzold. „Ich habe mir gewünscht, dass er heute hier auf dem Eis steht. Das wollte er aber nicht.“ Stattdessen wurde der Athlet vom niederländischen Sprint-Bundestrainer Aart van der Wulp aus Erfurt betreut.
Verband weist Kritik zurück
DESG-Sportdirektorin Nadine Seidenglanz, die mit Contin verheiratet ist, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. „Er wurde vollständig betreut, so wie wir das festgelegt haben“, erklärte sie. Der Verband kümmere sich um alle Athleten vollständig und habe nur deren bestes Interesse im Blick.
Bereits zuvor Wirbel um den Dachverband
Bereits zu Beginn der olympischen Wettbewerbe hatte es Unruhe um die DESG gegeben. Ein Bericht der „Sportschau“ über angebliche Unregelmäßigkeiten und belastete Verhältnisse zwischen Athleten und Verbandsspitze sorgte für Diskussionen. Die DESG-Führung äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen und kündigte eine Pressekonferenz nach den Winterspielen an.
Von dieser Pressekonferenz erwartet Petzold wenig. „Ich bin gespannt, wie man sich da rausredet und wer der Sündenbock sein wird“, äußerte der Sportler skeptisch. Die Situation zeigt tiefgreifende Probleme im deutschen Eisschnelllauf, die über die aktuelle Olympia-Teilnahme hinausreichen.



