Crimson Desert: Ein üppiges Rollenspiel-Menü mit ambivalentem Nachgeschmack
Crimson Desert: Üppiges Rollenspiel mit Beigeschmack

Crimson Desert: Ein üppiges Game-Menü mit ambivalentem Nachgeschmack

Ein Titel, der nahezu jede denkbare Spielmechanik aus den vergangenen zehn Jahren des Rollenspiel-Genres vereint – vom fantastischen Drachenreiter bis zum Mech-Krieger mit Jetpack: Kann das wirklich funktionieren? Die Entwickler von Pearl Abyss haben mit Crimson Desert einen ambitionierten Versuch unternommen.

Vom Prequel zum eigenständigen Einzelspieler-Abenteuer

Ursprünglich als Vorgeschichte zum erfolgreichen Online-Multiplayer-Rollenspiel Black Desert Online geplant, entwickelte sich Crimson Desert Schritt für Schritt zu einem eigenständigen Action-Adventure-Rollenspiel für Einzelspieler. Die Handlung spielt sich in der riesigen offenen Welt namens Pywel ab, die sich über fünf verschiedene Regionen erstreckt: Hernand, Pailune, Demeniss, Delesyia und die namensgebende Crimson Desert.

Eine Welt voller Mythen und archaischer Kräfte

Die Geschichte beginnt mit einer vernichtenden Niederlage: Kliff, Anführer der Söldnertruppe Greymanes, sieht seine Gefährten in einem Hinterhalt der Black Bears fallen. Die Überlebenden werden in alle Himmelsrichtungen zerstreut, und Kliff schwört Rache. Über der gesamten Welt schwebt „The Abyss“, ein mythisches Reich voller Rätsel und antiker Technologien, aus dem mächtige Artefakte auf Pywel herabregnen.

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Die gewaltige Kontinentalwelt Pywel ist so ausgedehnt, dass eine Reise von einer Ecke des Kontinents zur anderen fast zwei Stunden dauert – zu Pferde wohlgemerkt. Dynamisches Wetter und ein vollständiger Tag-Nacht-Zyklus beeinflussen dabei alles vom Verhalten der Feinde bis zur Verfügbarkeit bestimmter Aktivitäten.

Vielseitiges Kampfsystem mit wachsenden Charakteren

Im Verlauf der Geschichte gesellen sich zu dem ausgewogenen Allrounder Kliff zwei weitere spielbare Charaktere: Damiane, eine agile und schleichende Schwertkämpferin, und Oongka, ein brutaler Schläger mit Bazooka. Jeder Charakter verfügt über einen eigenen Kampfstil, eigene Fähigkeiten und Waffen, die unterschiedliche Erkundungs- und Kampferfahrungen ermöglichen.

Das Kampfsystem präsentiert sich als riesige Sammlung an Mechaniken, die anfangs überwältigend wirken kann. Kliffs Fähigkeiten entwickeln sich von einfachen Grundangriffen zu komplexen Kombinationen aus Würfen, Stichen, Ausfallschritten, Saltos und sogar Spider-Man-artigem Schwingen. Das Spiel nutzt die Möglichkeiten des Controllers mit simultanen Tastenkombinationen vollständig aus.

Innovatives Lernsystem ohne Schwierigkeitsgrade

Eine Besonderheit von Crimson Desert ist das Fehlen verschiedener Schwierigkeitsgrade. Stattdessen erlernt Kliff neue Fähigkeiten, indem er sie bei anderen beobachtet – sogar während eines Kampfes. Schon früh im Spiel kann der Held beispielsweise den Tritt eines Ritters kopieren und dauerhaft seinem eigenen Moveset hinzufügen. Auch Abyss-Artefakte, die bei Quests, Bosskämpfen und Erkundungen auftauchen, können neue Fähigkeiten freischalten.

Lageraufbau und rechtliche Konsequenzen

Während Kliff die verstreuten Greymanes wieder zusammenführt, kommen Lageraufbau- und -erweiterungselemente ins Spiel. Das Lager entwickelt sich von einer bescheidenen Zeltsiedlung zu einer befestigten Basis – eine Voraussetzung für koordinierte Angriffe auf feindlich kontrolliertes Gebiet.

Das Rechtssystem des Spiels verfolgt kriminelle Aktivitäten in Städten und Ortschaften minuziös, wenn Spieler im Stealth-Modus unterwegs sind. Kriminelles Verhalten bietet zwar temporäre Kampfvorteile, schmälert aber die eigene Reputation und kann zu eingeschränktem Zugang zu Städten oder Festnahmen durch kopfgeldjagende Wachen führen.

Vielfältige Fortbewegungsoptionen

Eines der Hauptmerkmale des Spiels ist die schiere Menge an möglichen Reittieren und Fortbewegungsoptionen. Spieler können per Pferd die große Karte bereisen, Klippen mit einem Gleitschirm überwinden, sich einen Drachen zähmen oder in einen Mech-Anzug mit Raketenantrieb vorankommen.

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Schwächen im Storytelling und mangelnde Anleitung

Trotz seiner beeindruckenden Welt und vielfältigen Mechaniken zeigt Crimson Desert deutliche Schwächen im Storytelling. Hier bricht die Multiplayer-DNA der Entwickler durch: Hauptaufgaben wie auch Nebenaktivitäten machen anfangs Spaß, werden aber schnell monoton und zäh. Vieles wirkt darauf ausgelegt, die Spielzeit künstlich aufzublähen – ein klassisches Merkmal von Online-Spielen.

Die Geschichte präsentiert sich größtenteils inkohärent und schleppend: Das Tutorial dauert vier Stunden, der erste richtige Bosskampf kommt erst nach etwa acht Stunden. All die tiefgründigen Spielmechaniken, Charakterfreischaltungen und das umfangreiche Inventar-Arsenal offenbaren sich erst, wenn man sich durch die schwache Geschichte gequält hat.

Spielende müssen nicht nur alle In-Game-Texte aufmerksam lesen, sondern sich auch intensiv mit dem Eingabe- beziehungsweise Skill-Menü auseinandersetzen, um sich die verschiedenen Movesets einzuprägen. Crimson Desert leitet so gut wie gar nicht an – man ist beim Entdecken, Entscheiden oder Lösen von Problemen weitgehend auf sich allein gestellt.

Fazit: Ambitioniert, aber mit deutlichen Schwächen

Crimson Desert bietet eine mit viel Liebe zum Detail erschaffene Welt, die demonstriert, warum dieses Spiel als eines der optisch beeindruckendsten Open-World-Games gehandelt wird. Die Entwickler haben ein großes Netz ausgeworfen, um Spielende mit ganz unterschiedlichen Vorlieben anzulocken.

Dabei untergräbt der schwierige und langatmige Einstieg ins Game manchmal die ansonsten gute Ausführung. Wer aber bereit ist, den riesigen Kontinent Pywel zu erkunden und jeden Winkel zu durchstöbern, wird seinen oder ihren Weg finden, dieses Spiel zu genießen.

Crimson Desert ist für PC (Windows/MacOS), Playstation 5 sowie Xbox Series X/S zum Preis von 70 Euro erhältlich. Das Spiel hat keine Jugendfreigabe (USK 18).