TSV 1860 München: Paula stellt neue Transferstrategie vor
Der TSV 1860 München steht vor einer entscheidenden Phase der Kaderplanung für die kommende Saison. Mit satten 17 auslaufenden Verträgen wäre eigentlich die Zeit für umfangreiche Transferaktivitäten gekommen – doch Sport-Boss Manfred Paula hat andere Pläne.
Kritik an den vielen Umbrüchen der Vergangenheit
In einem exklusiven Interview mit der AZ übte Paula leise, aber deutliche Kritik an der Transferpolitik seiner Vorgänger. "In den letzten eineinhalb Jahren hat der TSV 1860 28 neue Spieler geholt. Das ist eine ganze Menge und es verursacht natürlich immer wieder größere Umbrüche", erklärte der Geschäftsführer und Nachwuchszentrumsleiter in Personalunion.
Diese Aussage wird allgemein als indirekte Kritik an seinem Vorgänger Christian Werner verstanden, auch wenn Paula dies nicht explizit bestätigen wollte. Klar ist jedoch: Unter Paula sowie dem neuen Präsidium um Gernot Mang soll alles anders werden.
Neue Strategie: Kontinuität statt Umbruch
"Das ist aber nicht unsere Strategie", stellt Paula unmissverständlich klar. "Wir wollen vermeiden, im Sommer den nächsten großen Umbruch zu gestalten. Unsere klare Handlungsmaxime ist, nicht wieder zehn, zwölf Spieler zu holen und auszutauschen."
Bereits im Wintertransferfenster hat Paula mit genau null Neuzugängen einen ersten Vorgeschmack auf diese neue Ausrichtung gegeben. Statt ständiger personeller Veränderungen setzt der 61-Jährige auf Kontinuität und langfristige Entwicklung.
Herausforderungen bei Vertragsverlängerungen
Die Umsetzung dieser Strategie stellt den Verein jedoch vor erhebliche Herausforderungen. Bei zahlreichen Leistungsträgern laufen die Verträge aus, darunter Kapitän Jesper Verlaat, Stellvertreter Thore Jacobsen, Torhüter Thomas Dähne, Spielmacher Tunay Deniz und Torjäger Patrick Hobsch.
Dazu kommen Abwehrspieler Max Reinthaler und Raphael Schifferl, die während der Verletztenmisere in die Bresche sprangen, sowie mehrere Reservisten, bei denen die Zeichen auf Trennung stehen. "Wir stehen mit Spielern, deren Verträge auslaufen und mit denen wir in die neue Saison gehen wollen, in Gesprächen", erklärt Paula dazu.
Fokus auf Nachwuchsspieler
Ein zentraler Bestandteil der neuen Strategie ist die verstärkte Förderung eigener Talente. Paula betont: "Es ist selbstverständlich unsere Intention, mit talentierten Spielern aus unserem Nachwuchsleistungszentrum den Weg weiterzugehen und sie Schritt für Schritt weiterzuentwickeln."
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Junglöwen-Sextett um Clemens Lippmann (19), Damjan Dordan (23), Finn Fuchs (19), Noah Klose (21), Paul Bachmann (20) und Miran Qela (19). Bei Lippmann sowie den Torhütern Bachmann und Qela bestehen sogar vereinsseitige Verlängerungsoptionen für je ein Jahr.
Finanzielle Rahmenbedingungen erschweren Planungen
Die Umsetzung der neuen Strategie wird durch schwierige finanzielle Rahmenbedingungen erschwert. Die Zukunft des abwanderungswilligen Investors Hasan Ismaik ist ungewiss, und der hoch verschuldete Verein hat sich neue Sparzwänge auferlegt.
Nach Informationen der AZ steht dem TSV 1860 München voraussichtlich ein deutlich geringerer Basis-Etat zur Verfügung als die aktuellen 6,3 Millionen Euro. Dies wird Neuzugänge zusätzlich erschweren und die Bedeutung der Nachwuchsförderung weiter erhöhen.
Paula bittet um Geduld
Angesichts dieser komplexen Ausgangslage bittet Paula um Geduld bei der Kaderzusammenstellung. "Ich habe aber überhaupt keine Bange, was die Kaderzusammenstellung für die neue Saison betrifft", versichert der Sport-Boss dennoch.
Gleichzeitig stellt er klar: "1860 ist ein Ausbildungsverein und wird es vermutlich immer bleiben." Diese Philosophie soll nun konsequent umgesetzt werden – auch wenn dies bedeutet, dass talentierte Jugendspieler den Verein irgendwann verlassen werden.
Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob es dem TSV 1860 München gelingt, die gewünschte Kontinuität tatsächlich zu erreichen und gleichzeitig sportlich erfolgreich zu bleiben.



