Alba Berlin krönt sich zum Meister – Sensation gegen Bayern München
Alba Berlin hat in einer dramatischen Finalserie der Basketball-Bundesliga (BBL) den FC Bayern München besiegt und sich den zwölften Meistertitel gesichert. Nach einem atemberaubenden Comeback im fünften Spiel gewannen die Berliner mit 84:81 in München und sorgten für eine der größten Überraschungen der Ligageschichte. „Fucking hell, wir werden ordentlich auf den Putz hauen“, kündigte Trainer Pedro Calles direkt nach dem Sieg an. Die Mannschaft feierte die Nacht durch, inklusive Döner „mit alles“ auf dem Heimweg im ICE.
Underdog-Sieg: Charakter schlägt Geld und Stars
Nicht der Favorit aus München, nicht das Team voller Welt- und Europameister, nicht der Branchenprimus mit Trainerlegende Svetislav Pesic schrieb die erwartete Erfolgsstory. Stattdessen triumphierte Alba als Underdog. „Ich weiß nicht, wie wir hier reingeraten sind“, sagte Alba-Profi Malte Delow völlig perplex beim Bezahlsender Dyn. Kapitän Jonas Mattissek brauchte einen Siegerkuss von seiner Freundin, um den Triumph zu realisieren. Clubchef Marco Baldi ließ sich auf dem Parkett huckepack tragen und resümierte: „Das ist ein Wahnsinn.“
Die „Alba-Milch“ als Erfolgsgeheimnis
Während die Münchner mit einem XXL-Etat und sechs deutschen Welt- und Europameistern antraten, setzte Alba auf junge Talente und Teamgeist. Laut offiziellen Liga-Angaben kostet Bayerns Kader fast viermal so viel wie der der Berliner. „Ich kann es nur auf die Mentalität zurückführen“, erklärte Baldi. „Die spielen natürlich eine Riesenrolle, weil die von klein auf … die Alba-Milch eingesogen haben.“ Diese Mentalität zeigte sich im Finale: Nach einem 20-Punkte-Rückstand zur Pause kämpfte sich Alba zurück und gewann. Trainer Calles sagte: „Wir haben Geschichte geschrieben.“
Bayern-Frust und Pesics Abrechnung
Beim FC Bayern herrschte dagegen Fassungslosigkeit. Nach einer enttäuschenden Saison mit Pleiten in Euroleague und Pokal war der Meistertitel als Trostpflaster eingeplant. Trainer Svetislav Pesic, der nach dem Spiel seine Karriere beendete, deutete atmosphärische Spannungen an: „Mir ist es nie gelungen, aus diesen Spielern ein Team zu bilden.“ Er kritisierte das Auftreten mancher Profis, ohne konkret zu werden: „Einige Sachen erlaube ich nicht … aber die Mannschaft steht über allem.“
Zukunft: Kayil vor NBA-Draft – Kaderumbau in Berlin
Alba sieht sich in seinem Weg bestätigt, auf junge Talente zu setzen. Im Sommer müssen Baldi und Sportdirektor Himar Ojeda den Kader neu formen. Jungstar Jack Kayil, 20, steht vor dem NBA-Draft in New York. „Wir wussten alle, es ist das letzte Spiel für uns alle in dieser Konstellation. Wir wollten einfach nur Spaß haben“, sagte er. Alba hofft zudem auf das NBA-Europe-Projekt. Die Meisterschaft bleibt ein Lehrstück: Charakter, Aufopferung und Glaube an sich selbst triumphierten über Geld und Namen.



