Hannover vs. Braunschweig: Alkoholreduziertes Bier als Sicherheitskonzept beim Hochrisiko-Derby
Wie sichert man das brisante Fußball-Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ab? Diese Frage wird seit Jahren hitzig diskutiert. Am Freitagabend wird nun ein neuer Ansatz getestet: Bier mit reduziertem Alkoholgehalt im Stadion.
Jahrelange Suche nach Lösungen für das aufgeheizte Derby
Seit Jahren suchen Politik, Polizei und beide Vereine nach Wegen, um das völlig überhitzte Fußball-Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig zu entspannen. In der vergangenen Saison wurde bereits ein Großteil der Gästefans bei beiden Spielen ausgeschlossen. Auch an diesem Freitag wird es in Hannovers Heinz von Heiden Arena eine Pufferzone geben, in der rund 7000 Plätze aus Sicherheitsgründen frei bleiben müssen.
Damit sich die verbleibenden 42.000 Zuschauer besser im Griff haben, sind die 96er und ihr Biersponsor auf die innovative Idee gekommen, im Stadion ein Kaltgetränk mit reduziertem Alkoholgehalt zu verkaufen. Das Kalkül dahinter ist einfach: Alkohol-Ausschank ist bei einem solchen Hochsicherheits-Duell in der Regel verboten. Genau diese Regelung führt aber häufig dazu, dass viele Anhänger schon stark angetrunken zum Stadion kommen.
Besondere sportliche Brisanz in dieser Saison
Zu den traditionellen Animositäten kommt in dieser Saison noch eine besondere sportliche Brisanz hinzu. Hannover 96 ist den Aufstiegsplätzen der 2. Bundesliga so nah wie schon lange nicht mehr. In Braunschweig ist die Abstiegsgefahr erneut so groß, dass in der vergangenen Woche schon wieder ein neuer Trainer verpflichtet wurde.
Für Lars Kornetka, den Assistenten des ehemaligen Hannoveraner Aufstiegstrainers Ralf Rangnick bei der österreichischen Nationalmannschaft, ist es am Freitag das erste Niedersachsen-Derby. „Ich bin ganz gut vorbereitet worden“, sagte der 48-Jährige. „Schon bei den allerersten Gesprächen mit der Eintracht-Führung war das Derby ein zentrales Thema.“
Herausforderung für Trainer in aufgeheizter Atmosphäre
Gerade für Trainer stellt es eine große Herausforderung dar, in der aufgeladenen Atmosphäre dieses Duells den richtigen Ton zu treffen. Hannovers Ex-Coach Stefan Leitl verfolgte die Strategie, das Thema Derby herunterzudimmen. In der Folge ließ sich sein Team in den Jahren 2024 und 2025 dreimal nacheinander von stark emotionalisierten Braunschweigern den Schneid abkaufen.
Kornetkas Vorgänger Heiner Backhaus dagegen begleitete seine Spieler vor dem Hinspiel im Oktober sogar zu einem Treffen mit den organisierten Eintracht-Fans. Wochen später räumte er in einem Nebensatz ein, dass auch der große Druck bei diesem Spiel ein Grund dafür gewesen sei, dass Braunschweigs Stürmer Erencan Yardimci schon nach 20 Minuten die Rote Karte sah.
Verfeindete Fangruppen und historische Vorfälle
Die Fangruppen beider Vereine sind derart verfeindet, dass Hannovers Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke bei seinem Derby-Appell sogar die Weltlage bemühte. „In Zeiten wie diesen muss man sich wirklich mal Gedanken machen, wie man bestehende Rivalitäten im Fußball auslebt“, sagte Schmadtke. „Ich finde, wir haben genug Unruhe auf der Welt und müssen beim Fußball nicht auch noch mit Randale anfangen.“
Wenn Hannover gegen Braunschweig spielt, sind in den vergangenen Jahren reihenweise Hemmungen gefallen, die es selbst bei anderen Hochrisikospielen wie Werder Bremen gegen den Hamburger SV noch gibt. Vorläufiger Tiefpunkt war, als mutmaßliche Hannover-Fans vor drei Jahren auf die Privatgrundstücke von drei Eintracht-Spielern vordrangen und dort vor den Haustüren etwas hinterließen, das wie Friedhofskreuze und Blutlachen aussah.
Sachlicher Ansatz des neuen Braunschweiger Trainers
Der neue Braunschweiger Trainer Lars Kornetka sieht das Ganze sehr sachlich. „Wir müssen in dieser Saison drei Mannschaften hinter uns lassen. Das interessiert uns allen voran“, sagte Kornetka, der deshalb auch im Vorfeld keine besonderen Treffen mit den Fans einplante. Das Spiel auf dem grünen Rasen soll im Mittelpunkt stehen.
Und wer auch immer am Freitagabend gewinnt, wird danach in der Kabine sicher mit „richtigem“ Bier feiern. Die Frage bleibt jedoch: Kann alkoholreduziertes Bier tatsächlich dazu beitragen, die Sicherheit bei diesem traditionell aufgeheizten Derby zu verbessern?



