London – Der FC Arsenal steckt im Titelkampf der Premier League in einer kritischen Phase. Nach drei Vizemeisterschaften in Folge waren die Gunners in dieser Saison lange Zeit das Maß aller Dinge, doch auf den letzten Metern zeigen die Londoner Nerven. Vor dem Champions-League-Halbfinale bei Atlético Madrid am Mittwochabend (21.00 Uhr/DAZN) muss Arsenal zudem einen schweren Schlag verkraften: Nationalspieler Kai Havertz fällt verletzt aus.
Havertz erneut verletzt
Kai Havertz vergrub nach seiner Auswechslung am Wochenende frustriert das Gesicht im Trikot und verschwand im Spielertunnel. Der DFB-Star wurde wegen Leistenschmerzen vorzeitig vom Feld genommen und wird im Hinspiel in Madrid definitiv fehlen. Dabei hatte sich der Ex-Leverkusener nach zwei schweren Operationen in den vergangenen anderthalb Jahren gerade erst wieder als Leistungsträger etabliert. Seit Ende Januar steht er regelmäßig auf dem Platz und erzielte in dieser Saison ein Ligator, einen Treffer im Pokal sowie drei in der Champions League – darunter das Siegtor im Viertelfinal-Hinspiel bei Sporting Lissabon. Dass Arsenal ohne ihn gegen Atlético bestehen kann, darf bezweifelt werden.
Arsenal mit Nervenflattern
Über weite Strecken der Spielzeit galt Arsenal als Titelanwärter Nummer eins und träumte sogar vom Quadrupel aus Meisterschaft, Champions League, FA Cup und Ligapokal. Doch im FA-Cup-Halbfinale blamierte sich die Mannschaft gegen Zweitligist Southampton mit 1:2, und das Ligapokal-Finale ging gegen Manchester City mit 0:2 verloren. Auch in der Premier League bröckelt der einst komfortable Vorsprung: Nach Niederlagen gegen Bournemouth und Man City (jeweils 1:2) ist der Tabellenvorsprung dahin. Zwar steht Arsenal nach dem hart erkämpften 1:0 gegen Newcastle United zunächst wieder an der Spitze, doch Manchester City hat noch ein Spiel in der Hinterhand und die bessere Tordifferenz.
Arteta: „Kein Spaziergang mit Rosen und Musik“
Trainer Mikel Arteta zeigt sich trotzig. „Nachdem wir 22 Jahre keinen Meistertitel gewonnen haben, erwarte ich nicht, dass es ein Spaziergang mit Rosen und schöner Musik sein wird. Es wird so sein wie heute, und wir sind darauf vorbereitet“, sagte der Spanier nach dem Sieg gegen Newcastle. Doch seine Körpersprache verrät die Anspannung: Arteta fuchtelt zunehmend wütend am Spielfeldrand herum, wirkt verbissen und gestresst. Gelassenheit sieht anders aus.
Experte prophezeit harten Kampf
Gary Neville, ehemaliger Nationalspieler und heutiger Experte, sieht Arsenal in einer schwierigen Lage: „Wenn sie über die Ziellinie kommen wollen, muss man sie mit einer Schubkarre schieben. Sie werden nicht drüber segeln. Es wird ein richtiger Kampf. Sie werden in den kommenden Wochen nicht ganz plötzlich in Form kommen“, prophezeite der langjährige Profi von Manchester United.
Champions League als letzte Chance
Vor dem Halbfinale gegen Atlético Madrid ist die Stimmung angespannt. Atlético von Trainer Diego Simeone kämpfte sich im Viertelfinale gegen den FC Barcelona in typisch verbissener Manier durch. Arsenal hingegen mühte sich im Viertelfinale zu einem 0:0 gegen Sporting Lissabon, nachdem man das Hinspiel mit 1:0 gewonnen hatte. Ob diese Leistung gegen einen Gegner wie Atlético reicht, ist fraglich. Noch sind zwei große Trophäen möglich – doch das Gefühl geht um, dass es erneut kein Happy End geben könnte. Der FC Arsenal droht zum vierten Mal in Folge nur Vizemeister zu werden und am Ende mit leeren Händen dazustehen.



