Ann-Katrin Berger kritisiert europäische Ligen: 'Das macht den Fußball kaputt'
Berger kritisiert europäische Ligen: 'Macht Fußball kaputt'

Ann-Katrin Berger: Nationalkeeperin kritisiert europäischen Fußball scharf

Die deutsche Nationaltorhüterin Ann-Katrin Berger hat in einem exklusiven Interview mit SPORT1 deutliche Kritik am europäischen Frauenfußball geäußert. Die aktuelle Spielerin des NWSL-Meisters Gotham FC sprach über ihre Erfahrungen in verschiedenen Ligen und nannte konkrete Probleme in Europa.

Titelverteidigung in der NWSL als großes Ziel

Ann-Katrin Berger peilt mit ihrem Team Gotham FC die Titelverteidigung in der National Women's Soccer League an. „Natürlich wollen wir da anknüpfen, wo wir vergangene Saison aufgehört haben“, erklärt die 35-jährige Torfrau. „Unser Ziel ist es immer, vorne mitzuspielen und die Meisterschaft zu gewinnen.“

Die Saison begann für Berger und ihre Mannschaft mit einem 1:0-Sieg bei Liga-Neuling Boston Legacy vor mehr als 30.000 Zuschauern. „Die Atmosphäre war richtig cool“, schwärmt die Deutsche. „Als Neuling in der Liga eine solche Kulisse zu haben, ist richtig schön.“

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Besondere Auszeichnung und NFL-Leidenschaft

Ein besonderes Highlight erwartet Berger und ihre Teamkolleginnen in Kürze: Wie in anderen nordamerikanischen Profiligen erhalten nun auch die NWSL-Meister einen Championship Ring. „Das ist ziemlich cool, weil ich ein riesengroßer NFL-Fan bin“, verrät Berger, die die Philadelphia Eagles unterstützt – trotz der Rivalität zum New Yorker Umfeld ihres Vereins.

Ihre Begeisterung für die NFL erklärt die Torhüterin so: „Ich bin schon immer ein großer Fan von Mannschaftssport gewesen. Die NFL hat herausragende Spiele und ist einfach mal was anderes als Fußball.“ Besonders bewundert sie Quarterback-Legende Tom Brady.

Berühmtheit durch EM-Parade und Memes

Internationale Bekanntheit erlangte Berger durch ihre spektakuläre Parade im Viertelfinale der EM 2025 gegen Frankreich. „Es gab sehr, sehr viele Reaktionen“, erinnert sich die Nationalspielerin. „Zu dem Zeitpunkt habe ich richtig viel Kritik bekommen, von den Medien auch.“

Aus der spektakulären Szene entstanden zahlreiche Internet-Memes. „Die Mädels haben mir immer wieder welche geschickt“, erzählt Berger. „Es war schon witzig, wie kreativ die Leute sind.“ Gleichzeitig bedauert sie, dass diese einzelne Aktion sie bekannter gemacht hat als ihre gesamte erfolgreiche Karriere mit Meistertiteln in Deutschland, England und den USA.

Vergleich der verschiedenen Ligen

Ann-Katrin Berger verfügt über einzigartige internationale Erfahrungen, nachdem sie in Deutschland, Frankreich, England und nun den USA gespielt hat. Ihre Analyse der verschiedenen Spielstile ist aufschlussreich:

  • Deutschland (bei Turbine Potsdam): „Sehr athletisch“ mit Fokus auf mentale Stärke unter Trainer Bernd Schröder
  • Frankreich (bei Paris Saint-Germain): „Schöner Fußball“ mit mehr Spielanteil am Ball
  • England (bei Birmingham City und Chelsea): „Zwischending“ zwischen spielerischem und mitspielendem Fußball
  • USA/NWSL: „Unfassbar schnelle“ Spielerinnen erfordern vorausschauendes Denken und Agieren

Schwere Kritik an europäischen Ligen

Die schärfste Kritik äußert Berger am Umgang europäischer Vereine mit älteren Spielerinnen. „In Europa mögen die Vereine die Spielerinnen ab einem gewissen Alter nicht mehr, obwohl die noch genauso gut performen, wie manche junge Spielerin“, stellt die Torfrau fest. „Das ist einfach schade und macht, finde ich zumindest, den europäischen Fußball kaputt.“

Sie erklärt auch, warum nicht mehr deutsche Spielerinnen den Schritt in die NWSL wagen: „Es ist eine riesengroße Herausforderung, überhaupt so weit weg von der Familie zu leben. Das kann nicht jeder und das muss auch jeder verstehen. Wir sind leider nicht so wie die Männer, wir können nicht unsere ganze Familie hierherbringen.“

Zukunft ungewiss – mögliche Rückkehr nach Deutschland

Bereits Vertrag läuft nach dieser Saison aus, und Bergers Zukunft ist noch ungewiss. „Wenn ich das wüsste, wäre ich echt froh“, gesteht sie. „Ich bin echt glücklich hier und, wie gesagt, die europäischen Vereine, die sind nicht ganz so interessiert an älteren Spielerinnen.“

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Eine Rückkehr in die Bundesliga kann sich die Göppingerin jedoch gut vorstellen. „Deutschland wird immer mein Zuhause bleiben“, betont Berger. „Meine Mama wäre natürlich richtig froh, wenn ich beim VfB Stuttgart noch spielen würde und meine Karriere dort endet.“

Zur Frage, wo sie sich unter den erfolgreichen Sportlern aus ihrer Heimatstadt Göppingen einreihen würde – neben Jürgen Klinsmann, Handball-Weltmeister Michael Kraus und Skisprung-Olympiasieger Philipp Raimund – bleibt Berger bescheiden: „Wahrscheinlich ganz hinten. Das sind alles unfassbar gute Sportler, die richtig krasse Karrieren hatten.“