Deutscher Glücksspielkonzern drängt mit Automaten aus Ostwestfalen in den US-Markt
Der deutsche Glücksspielkonzern Merkur AG mit Sitz im ostwestfälischen Espelkamp plant eine ambitionierte Expansion auf dem nordamerikanischen Markt. Das Unternehmen, das früher unter dem Namen Gauselmann bekannt war, möchte künftig jährlich Tausende seiner in Lübbecke gefertigten Spielautomaten in die Vereinigten Staaten und nach Kanada exportieren.
Von 1000 auf 5000 Automaten: Merkurs Wachstumsplan für Nordamerika
Nach der Übernahme der US-Firma Gaming Arts im vergangenen Jahr hat Merkur bereits einen ersten Fuß in die Tür des amerikanischen Marktes bekommen. In diesem Jahr sollen zwischen 800 und 1000 Automaten aus deutscher Produktion in Nordamerika verkauft werden. Vorstandschef Lars Felderhoff hat jedoch deutlich größere Pläne: „In drei Jahren sollen es pro Jahr 5000 sein und danach noch mehr.“
Die vollständige Fertigung der Spielautomaten erfolgt im Werk Lübbecke in der Nähe der Firmenzentrale in Espelkamp. Weltweit sind bereits mehr als 100.000 Merkur-Automaten im Einsatz, für die das Unternehmen weiterhin Mietzahlungen oder Umsatzanteile erhält. Durch die geplante USA-Expansion soll diese Zahl deutlich ansteigen.
David gegen Goliath: Merkur sieht Chance in US-Marktkonzentration
Felderhoff rechnet sich gute Chancen auf dem amerikanischen Markt aus, wo schätzungsweise eine Million Spielautomaten stehen – ein großer Teil davon in Las Vegas. „Aus etwa zehn Automaten-Anbietern sind nur noch drei Wesentliche geworden, die Vielfältigkeit hat abgenommen“, erklärt der Manager. Die großen Anbieter in den USA heißen Aristocrat Gaming, IGT und Light & Wonder.
„Die Casino-Betreiber lechzen nach anderen Anbietern, um nicht nur von diesen wenigen Großen abhängig zu sein“, so Felderhoff weiter. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Manfred Stoffers beschreibt die Situation als Kampf von David gegen Goliath: „Die Amerikaner kämpfen gegen die Uniformität und Eintönigkeit des heimischen Automatenmarktes - das ist unsere Chance.“
Zweiter Anlauf in den USA mit neuer Strategie
Es handelt sich nicht um den ersten Versuch von Merkur, auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Bereits 1998 erhielt eine US-Tochterfirma eine Herstellerlizenz in Nevada, doch der Erfolg blieb mäßig. 2008 wurde die Tochterfirma schließlich an einen amerikanischen Konkurrenten verkauft.
Diesmal verfolgt das Unternehmen eine andere Strategie: Die übernommene Firma Gaming Arts mit Sitz in Las Vegas und etwa 60 Beschäftigten konzentriert sich künftig auf Software-Entwicklung für Geldspielgeräte, Bingo-Spiele und elektronische Tisch-Spiele. Die Hardware – also die physischen Automaten – kommt weiterhin aus Ostwestfalen.
Unternehmensentwicklung und internationale Expansion
Die Merkur AG erzielte im vergangenen Jahr einen Konzernumsatz von 2,1 Milliarden Euro, was einem Plus von 7,5 Prozent entspricht. Das Unternehmen mit rund 15.300 Beschäftigten strebt für 2026 ein Umsatzwachstum von zehn Prozent auf etwa 2,3 Milliarden Euro an. Bislang ist Großbritannien nach Deutschland der wichtigste Markt für das Unternehmen.
Die Internationalisierung schreitet voran: Während 2019 noch 40 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt wurden, stieg dieser Anteil im vergangenen Jahr bereits auf 45 Prozent. Neben dem Automatengeschäft plant Merkur, sein USA-Geschäft mit dem Verkauf und der Vermietung von virtuellen Spielen auszubauen – sowohl für Online-Spiele als auch für Spiele auf Automaten in Kasinos.
Warnungen vor Spielsucht und regulatorische Rahmenbedingungen
Die Expansion des Glücksspielgeschäfts findet vor dem Hintergrund kritischer Stimmen statt. In Deutschland sind Glücksspielanbieter an staatliche Vorgaben gebunden, um exzessives Spielverhalten zu unterbinden und Spielsüchtige sowie ihre Angehörigen zu schützen. Dazu gehören Abstandsregeln und Deckelungen des finanziellen Einsatzes an Geldspielgeräten.
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, verweist auf Studien, denen zufolge zwischen zwei und drei Millionen Menschen in Deutschland relevante Spielprobleme haben. Diese gesellschaftlichen Aspekte bleiben auch bei internationalen Expansionen ein wichtiger Diskussionspunkt.
Wettbewerbssituation und Marktentwicklung
Ein wichtiger Konkurrent von Merkur ist der österreichische Konzern Novomatic, dessen Deutschlandtochter unter dem Namen Löwen auftritt. Novomatic erzielte 2024 einen Umsatz von 3,45 Milliarden Euro und damit 0,2 Milliarden mehr als im Vorjahr. Aktuellere Zahlen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Die Merkur AG, die 68 Jahre lang von ihrem Gründer Paul Gauselmann geführt wurde, übergab im Herbst 2024 die Führung an den externen Manager Lars Felderhoff und vollzog gleichzeitig die Umbenennung von Gauselmann zu Merkur. Felderhoff beschreibt die Aufgabe so: „Die Firma war ein starkes deutsches Familienunternehmen. Unsere Aufgabe ist es nun, Merkur als internationalen Konzern aufzustellen und zukunftssicher zu machen.“



