Paralympics-Star Brenna Huckaby: Eine Athletin, die Grenzen sprengt
Die US-amerikanische Snowboarderin Brenna Huckaby zählt zu den markantesten Persönlichkeiten der Paralympischen Winterspiele. Mit lila Haaren, glitzernden Wangen und einem individuell gestalteten Snowboard fällt die 30-Jährige sofort auf. Doch es ist ihre entschlossene Haltung, die sie zu einem Vorbild weit über den Sport hinaus macht.
Der Kampf um Teilnahme und Sichtbarkeit
Huckabys rechtes Bein ist oberhalb des Knies amputiert – eine Folge eines aggressiven Tumors im Alter von 14 Jahren. Fast demonstrativ trägt sie ihre Hose auf dieser Seite hochgekrempelt. „Jeder soll sehen“, scheint diese Geste zu sagen. Die Snowboarderin, die eigentlich Turnerin werden wollte, hat ihren paralympischen Startplatz vor Gericht erstritten, nachdem ihre Startklasse LL1 gestrichen worden war.
Gemeinsam mit der Französin Cécile Hernandez klagte sie erfolgreich für das Recht, in einer anderen Klasse antreten zu dürfen. Dieser juristische Sieg ebnete den Weg für ihren Bronzerang im Banked-Slalom bei den Paralympics 2026 in Cortina. Huckaby betont: „Ich wäre nicht hier, wenn ich 2014 in Sotschi nicht andere Frauen wie mich gesehen hätte.“
Mehr als nur eine Sportlerin
Huckaby repräsentiert eine neue Generation von Para-Athletinnen, die ihre Geschichten selbst in die Hand nehmen. Gemeinsam mit drei weiteren Paralympioniken gründete sie den Instagram-Kanal „Culxtured“, um das Bewusstsein für die sportlichen Leistungen im Behindertensport zu schärfen. Auf ihrem persönlichen Account mit über 120.000 Followern spricht sie offen über ihre ADHS-Erkrankung, Therapieerfahrungen und den Alltag als Mutter zweier Töchter.
„Wir nehmen unsere eigene Geschichte wieder in die Hand“, erklärt Huckaby. Diese Haltung durchzieht ihr gesamtes Wirken. Die Snowboarderin zeigt, dass Behinderungen das Leben prägen, aber nicht definieren müssen. Sie kämpft gegen Stereotype und für eine realistische Darstellung des Alltags von Menschen mit Behinderungen.
Persönliche und sportliche Herausforderungen
Neben ihren sportlichen Erfolgen – darunter zwei Goldmedaillen von 2018 – bewältigt Huckaby tägliche Herausforderungen. Ihre ADHS-Erkrankung beeinflusst ihr gesamtes Leben. „Ich versuche weiterhin herauszufinden, wie ich alles am besten manage“, gibt sie offen zu. Die Balance zwischen Leistungssport, Familie und persönlicher Gesundheit erfordert ständige Anpassungen.
Vor den Spielen in Italien hatte sie sich vom Druck des Leistungssports zu lösen versprochen. „Ich habe nichts mehr zu beweisen, weder der Welt noch mir selbst“, sagte sie dem NBC. Der größte Erfolg sei für sie, dass Partner und Töchter im Zielraum auf sie warten.
Ausblick auf die Zukunft
Mittlerweile gibt es laut Huckaby genug Athletinnen in der Klasse LL1. „Wenn sie in der nächsten Saison wie geplant wieder an den Start gehen, werden wir uns für eine eigene Kategorie einsetzen“, kündigt sie an. Andernfalls werde sie 2030 nicht mehr antreten. Für die paralympische Bewegung wäre das ein großer Verlust.
Huckabys Engagement reicht weit über den Sport hinaus. Sie zeigt jungen Menschen mit ähnlichen Behinderungen, welche Möglichkeiten das Leben bieten kann. „Ich weiß, dass irgendwo da draußen ein kleines Mädchen mit einer Oberschenkelamputation ist, das sehen will, wie ihr Leben aussehen könnte“, sagt die Snowboarderin. Genau diese Vorbildfunktion macht sie zu einer der wichtigsten Stimmen im paralympischen Sport.



