DFB-Untersuchung nach emotionalem Ausbruch des Leverkusen-Bosses
Der Deutsche Fußball-Bund hat ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen Fernando Carro, den Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, eingeleitet. Auslöser sind die emotionalen Äußerungen des 61-Jährigen nach dem Bundesliga-Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05, das mit einem 1:1-Unentschieden endete.
Der umstrittene Spruch in den Katakomben
Laut Zeugenberichten soll Carro nach dem Abpfiff in den Katakomben der Arena lautstark nach Schiedsrichter Tobias Stieler gerufen und dabei den Ausdruck "Blödmann" verwendet haben. "Der Kontrollausschuss untersucht den Vorgang", bestätigte ein DFB-Sprecher gegenüber Medienvertretern. Welche disziplinarischen Konsequenzen dem Leverkusen-Boss drohen könnten, bleibt vorerst offen.
Die umstrittene Szene als Auslöser
Carros Frust entzündete sich an einer Spielsituation in der 67. Minute. Nach einer Leverkusener Ecke sah der Bayer-Boss im Strafraum von Mainz 05 ein vermeintliches Foul an seinem Spieler Jarrell Quansah. Statt eines Elfmeters für Leverkusen entwickelte sich daraus jedoch ein Konter der Gäste, der zum 1:0-Führungstreffer führte.
"Ich habe gesehen, dass zwei von uns am Boden lagen", schilderte Carro seine Sichtweise. "Nach erneuter Betrachtung der Szene war für mich klar: Quansah fällt zuerst, dann versucht Patrik Schick, sich in den Raum zu bewegen, und wird von einem Mainzer Spieler zu Boden gezogen. Für mich ist das ein klarer Elfmeter."
Kritik am Videoassistenten
Besonders unverständlich erschien Carro die Entscheidung des Videoassistenten (VAR), nicht in die Spielbewertung einzugreifen. "Ich habe den Schiedsrichter gefragt: Warum hat der VAR nicht eingegriffen? Die Antwort lautete, der Videoassistent habe es als 50:50-Situation bewertet, als beidseitiges Ringen. Ich sehe das anders. Für mich wäre das eindeutig ein Elfmeter gewesen", so der Leverkusen-Boss.
Spät ausgeglichen, aber unzufrieden
Obwohl Bayer Leverkusen das Spiel durch ein spätes Tor von Jarrell Quansah noch zum 1:1 ausgleichen konnte, zeigte sich Carro mit der Gesamtleistung seiner Mannschaft unzufrieden. Direkt nach Abpfiff stürmte er in die Spielerkabine und richtete deutliche Worte an seine Profis: "Ihr müsst aufwachen."
In seiner Analyse sagte der 61-Jährige: "Ich glaube, dass wir keine gute Leistung gezeigt haben, besonders in der ersten Halbzeit. Am Ende haben wir es ja versucht, aber man kann nicht 50 oder 80 Minuten auf diesem Niveau spielen." Seine emotionale Verfassung beschrieb er mit den Worten: "Ich würde ausflippen, wenn ich in der Kabine wäre."
Freier Lauf für den Frust
Diese emotionale Aussage scheint Carro dann tatsächlich in die Tat umgesetzt zu haben – allerdings nicht nur innerhalb der geschlossenen Mannschaftskabine. Seine lautstarken Äußerungen gegenüber Schiedsrichter Stieler wurden auch außerhalb der eigenen Räumlichkeiten wahrgenommen und zogen nun die Aufmerksamkeit des Fußballverbandes auf sich.
Eine offizielle Stellungnahme von Bayer 04 Leverkusen zu den Vorfällen lag zunächst nicht vor. Klar ist jedoch: Der als "Blödmann" bezeichnete Schiedsrichter Tobias Stieler (44) hat sich durch seine Entscheidungen den Unmut des Leverkusen-Bosses zugezogen, und der DFB-Kontrollausschuss wird nun genau prüfen, ob Carros Äußerungen den Verhaltenskodex des deutschen Fußballs verletzt haben.
Die Untersuchung könnte für den Bayer-Boss noch ein unangenehmes Nachspiel haben, während der Fußballverband signalisiert, dass respektvoller Umgang mit Schiedsrichtern auch für Vereinsverantwortliche oberste Priorität haben muss.



