Offener Brief an den Bundespräsidenten: Martenstein übt scharfe Kritik
In seiner neuen täglichen Kolumne für BILD hat sich der Journalist Harald Martenstein mit einem offenen Brief an Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier gewandt. Der 72-jährige Autor übt darin deutliche Kritik an der Amtsführung des Staatsoberhaupts, dessen Mandat bald endet.
Vorwurf der Illoyalität gegenüber der Regierung
Martenstein bezeichnet Steinmeier in dem Schreiben als "Ersatzking" und wirft ihm vor, mit einer Rede zum Iran-Konflikt dem amtierenden Bundeskanzler in den Rücken gefallen zu sein. "Sie waren, finde ich, illoyal", schreibt der Kolumnist direkt an den Bundespräsidenten gerichtet.
Der Autor räumt zwar ein, dass man die Position vertreten könne, der Krieg gegen den Iran sei völkerrechtswidrig. Doch genau diese Formulierung vermeide der Bundeskanzler bewusst, um einen Bruch mit den USA zu verhindern. Martenstein betont: "Die aktuelle Außenpolitik gehört nicht zum Job des Bundespräsidenten."
Kritik am selektiven Schweigen
Besonders scharf kritisiert Martenstein, was in der umstrittenen Rede nicht gesagt wurde. Wer über den Iran spreche, müsse erwähnen, dass die Vernichtung Israels dort Staatsziel sei. Die iranischen Machthaber missachteten nicht nur das Lebensrecht anderer Völker, sondern auch das ihres eigenen Volkes.
"Die Mullahs scheißen auch auf das Lebensrecht ihres eigenen Volkes", schreibt Martenstein drastisch. "Sie haben Zehntausende ermorden lassen. Der Iran greift in blinder Wut seine Nachbarländer an."
Historische Versäumnisse und aktuelle Fehleinschätzungen
Der Brief zieht eine historische Linie von Steinmeiers politischer Laufbahn. Schon zu DDR-Zeiten habe sich der spätere Bundespräsident nicht für Dissidenten interessiert. Die von Wladimir Putin ausgehende Gefahr habe er bis zum Überfall auf die Ukraine nicht erkannt.
"Jetzt sind die Mullahs begeistert von Ihnen", wirft Martenstein dem Staatsoberhaupt vor. Im Zweifel sei Steinmeier stets für die Obrigkeit eingetreten, nicht für die Unterdrückten. "Sie haben viel geredet und zu oft geschwiegen", lautet das vernichtende Fazit des offenen Briefes.
Reaktionen und Leserbeteiligung
Die Kolumne schließt mit der Möglichkeit für Leser, direkt an Harald Martenstein zu schreiben und ihre Meinung zu dem Beitrag zu äußern. Auch allgemeine Rückmeldungen zum Artikel und Hinweise auf mögliche Fehler werden von der Redaktion angenommen.
Der offene Brief markiert einen deutlichen Tabubruch in der öffentlichen Auseinandersetzung mit einem amtierenden Bundespräsidenten und wirft grundsätzliche Fragen zum Verhältnis zwischen repräsentativen und politischen Ämtern in Deutschland auf.



