Dokumentarfilm beleuchtet den deutschen WM-Triumph von 1990
Die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien bleibt als ein besonderer Moment in der deutschen Sportgeschichte im Gedächtnis. Für das DFB-Team fügte sich damals alles perfekt zusammen – ein Ereignis, das nun in dem Dokumentarfilm Ein Sommer in Italien einfühlsam nacherzählt wird. Die Produktion konzentriert sich nicht auf politische Großereignisse wie den Mauerfall, sondern auf den Mikrokosmos des Turniers: Freundschaft, seltener Zusammenhalt und eine fast vergessene Leichtigkeit im deutschen Fußball.
Premiere in Hamburg mit Weltmeister-Stars
Im voll besetzten CinemaxX-Kino am Dammtor in Hamburg feierte der Film kürzlich seine Premiere. Als Stargäste waren die Weltmeister von einst anwesend: Lothar Matthäus, Pierre Littbarski und Thomas Häßler. Die Begeisterung der Fans war spürbar – viele junge Besucher strömten herbei, um Autogramme zu erhalten und Selfies mit den Idolen von damals zu machen. Rudi Völler bringt es im Film auf den Punkt: „Weltmeister ist man immer, irgendwie.“ Diese Aussage fasst die bleibende Verbundenheit der Spieler zusammen.
Ein Film über Werte jenseits des Sports
Die Regisseurinnen Vanessa Goll und Nadja Kölling, beide keine Sportjournalistinnen, widerstehen der Versuchung, eine reine Heldengeschichte zu erzählen. Stattdessen thematisieren sie universelle Werte wie Gemeinschaft, Zusammenhalt und das Kämpfen für ein gemeinsames Ziel. Lothar Matthäus, der damalige Kapitän, betonte vor der Premiere eindringlich, wie wichtig dieser Teamgeist war und wünscht sich mehr davon in der heutigen Gesellschaft. „Ich bin mit meinen Freunden Weltmeister geworden“, lautet das prägende Bonmot von Rudi Völler, das die Essenz des Films zusammenfasst.
Emotionale Momente und glückliche Fügungen
Der Film lässt fast alle Spieler des damaligen Kaders zu Wort kommen und zeichnet so ein vielstimmiges Bild. Besonders berührend sind die Passagen über den vor zwei Jahren verstorbenen Andreas Brehme. Die Regisseurinnen gehen dabei behutsam vor – die Gesichter der Mitspieler sprechen für sich. Glückliche Umstände begünstigten den Erfolg: Da Matthäus, Brehme und Jürgen Klinsmann damals bei Inter Mailand spielten, wurde das Giuseppe-Meazza-Stadion zur quasi-heimischen Spielstätte. Fans aus West und Ost reisten über die Alpen an und verbündeten sich mit den Mailänder Unterstützern.
Der sportliche Weg zum Titel
Die Deutschen bestritten ihre ersten fünf Turnierspiele in San Siro – vom furiosen Auftakt gegen Jugoslawien über die dramatische Schlacht gegen die Niederlande bis zum denkwürdig schwachen Viertelfinale gegen die Tschechoslowakei. Teamchef Franz Beckenbauer war nach dieser Leistung so erzürnt, dass er am liebsten alle Spieler ausgewechselt hätte. Sein Wutausbruch wirkte jedoch wie ein Weckruf. Es folgten der Halbfinalsieg gegen England und das Finale gegen Argentinien, in dem Brehme den entscheidenden Strafstoß verwandelte.
Eine einzigartige Leichtigkeit
Der Film zeigt mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen von Torwarttrainer Sepp Maier und Torwart Bodo Illgner sowie Archivschätzen der FIFA, wie nah man diesen vier Wochen kommt. Gemeinsame Fahrten über den Comer See, die italienische Lebensart und das Gefühl der Verbundenheit prägten diese Zeit. Karl-Heinz Riedle erinnert sich: „Ich hab’ in diesem Sommer zum ersten Mal gscheide Spaghetti gegessen.“ Für viele Jahrzehnte blieb diese Leichtigkeit des deutschen Fußballs ein einmaliges Phänomen – erst 2006, beim „Sommermärchen“ der Heim-WM, kehrte sie in ähnlicher Form zurück.
Der Dokumentarfilm Ein Sommer in Italien läuft ab dem 19. März in den deutschen Kinos an und bietet einen tiefen Einblick in einen legendären sportlichen Triumph, der weit mehr war als nur ein Fußballturnier.



