Der Traum vom Triple ist für den FC Bayern mit dem Aus im Halbfinale der Champions League geplatzt. In der Bundesliga steht der deutsche Rekordmeister hingegen bereits seit Längerem als Titelträger fest. Die Zeit zur Entspannung ist für die Münchner jedoch noch nicht angebrochen.
Effenberg warnt Kompany vor schwerster Aufgabe
Ganz im Gegenteil: Geht es nach SPORT1-Experte Stefan Effenberg, wartet auf Trainer Vincent Kompany jetzt „die vielleicht schwerste Aufgabe seiner bisherigen Amtszeit“. Das schrieb der ehemalige FCB-Profi in seiner Kolumne für t-online. „Er muss nach diesem schweren Schlag, nach dieser herben Enttäuschung die Spannung hochhalten, den Fokus jetzt ganz auf das DFB-Pokalfinale richten, seine Spieler wieder aufbauen und ihnen vermitteln, worum es nun noch geht“, erklärte Effenberg.
Effenberg zieht Vergleich zur Saison 1998/99
Aus eigener Erfahrung wisse der 57-Jährige, wie schwer diese Aufgabe sein kann. „1998/99 verloren wir mit den Bayern erst das berühmt-berüchtigte Champions-League-Finale gegen Manchester United, dann eine Woche später das Endspiel im DFB-Pokal gegen Werder Bremen“, erinnerte sich Effenberg und merkte an: „Da half es uns dann auch nicht, dass wir zuvor mit 15 Punkten Vorsprung Deutscher Meister geworden waren, die Saison hatte mehr als nur einen faden Beigeschmack.“
Während an der Säbener Straße noch vor wenigen Stunden vom ersten Triple seit der Saison 2019/20 geträumt wurde, droht jetzt ein ähnliches Szenario. Sollte das DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart (23. Mai) verloren gehen, stünde der FCB trotz einer Saison voller Rekorde plötzlich „nur noch“ mit der Meisterschaft da.
Bitteres Bayern-Szenario: „Dann muss das ganze Jahr infrage gestellt werden“
Eine neue Situation für Kompany. „Vergangene Saison waren sie schon im Dezember aus dem Pokal raus und zum Zeitpunkt des Ausscheidens im Viertelfinale der Champions League gegen Inter Mailand schon auf dem Weg zur nächsten deutschen Meisterschaft bei sechs Punkten Vorsprung auf Bayer Leverkusen“, blickte Effenberg zurück. Sein Rat an Kompany: „Er sollte die Spieler erst einmal ein, zwei Tage in Ruhe lassen und dann an ihre Ehre appellieren.“
Sollte der FCB das Ziel Pokalsieg tatsächlich verpassen, „müsste das ganze Jahr infrage gestellt werden – und das will niemand in München“, stellte Effenberg klar. Allerdings sei er auch zuversichtlich, dass Kompany mit seiner Erfahrung „die richtigen Worte finden wird“. Dazu seien auch „die Führungspersönlichkeiten innerhalb der Mannschaft gefragt, ihre Teamkollegen mitzuziehen“.
Effenberg kommentiert Schiedsrichterentscheidungen
Vor diesem Hintergrund dürfen die Bayern auch nicht mehr lange mit der Schiedsrichterleistung von Joao Pinheiro hadern, der am Mittwochabend „nicht seinen besten Tag erwischt“ habe. „Das Handspiel von Paris‘ Nuno Mendes war eine klare Gelb-Rote Karte, das Handspiel, das Pinheiro zuvor wiederum bei Bayerns Konrad Laimer erkannt haben will, war für mich auch in der x-ten Wiederholung nicht auszumachen“, kommentierte Effenberg eine der großen Aufregerszenen des Abends. „Dann hätten die Münchner vermutlich eine gute Stunde in Überzahl gespielt, und wer weiß, wie die Partie dann verlaufen wäre.“
Bayern-Wut? „Alles, nur kein Elfmeter“
Anders als Schiedsrichter-Experte Manuel Gräfe schlägt sich Effenberg bei der zweiten strittigen Szene des Spiels jedoch auf die Seite des Unparteiischen. Bei einem Klärungsversuch von PSG-Star Vitinha bekam Teamkollege Joao Neves den Ball im eigenen Strafraum an die Hand. Gemäß der offiziellen Regel des International Football Association Board (IFAB) gab es keinen Elfmeter. Ein Handspiel hätte nur vorgelegen, wenn der Ball direkt im gegnerischen Tor landet oder der Spieler unmittelbar danach ein Tor erzielt – in diesem Fall erhält die gegnerische Mannschaft einen direkten Freistoß.
„Das war alles, nur kein Elfmeter für die Bayern, und ich muss sagen: Mit dieser ‚teammate to teammate‘-Regel haben die Verantwortlichen beim IFAB zur Abwechslung mal alles richtig gemacht“, meinte Effenberg. Zudem sei die Situation ohnehin zum Nachteil von PSG verlaufen, „denn der Ball hätte dadurch ja theoretisch bei einem Bayern-Spieler landen können“.



