Emre Cans Kreuzbandriss: Eine Verletzung mit weitreichenden Folgen
Die schwere Knieverletzung von Emre Can trifft sowohl den Kapitän als auch Borussia Dortmund zur denkbar ungünstigsten Zeit. Kurz- und mittelfristig stellt der diagnostizierte Kreuzbandriss eine ernsthafte Gefahr für die sportliche Zukunft des 32-jährigen Mittelfeldspielers dar. Der Anblick nach dem Spiel sprach Bände: Mit Kapuze über dem Kopf und auf Gehhilfen gestützt verließ Can das Stadion, wo er sich nur Stunden zuvor diese folgenschwere Verletzung zugezogen hatte.
Diagnose und Ausfallzeit: Saisonende mit ungewissem Ausblick
Die Verantwortlichen beim BVB gingen bereits direkt nach Spielende vom Schlimmsten aus. Am Montagnachmittag wurde die Diagnose dann offiziell bestätigt: Kreuzbandriss mit einer erwarteten Ausfallzeit von mehreren Monaten. Üblicherweise gelten bei solchen Knieverletzungen sechs Monate als realistischer Richtwert. „Die Saison ist für ihn auf jeden Fall gelaufen. Auch seine WM-Hoffnungen sind damit dahin“, erklärt SPORT1-Reporter Manfred Sedlbauer im Podcast „Die Dortmund-Woche“. Besonders kritisch: Mit 32 Jahren ist nicht sicher, ob Can jemals wieder seine volle Leistungsfähigkeit erreichen kann.
Trainer Niko Kovac in defensiver Notlage
Die Verletzung des Kapitäns hat unmittelbare Auswirkungen auf die Mannschaft und stellt Trainer Niko Kovac vor erhebliche Probleme. Nach dem Abgang von Aaron Anselmino und den Verletzungen von Niklas Süle sowie Filippo Mané gehen dem 54-jährigen Trainer die Optionen in der Innenverteidigung aus. „Dass Bensebaini nach Cans Auswechslung als Linksfuß auf die rechte Position rutschte, zeigt die große Not“, analysiert BVB-Reporter Oliver Müller. Aktuell stehen mit Ramy Bensebaini, Waldemar Anton und Nico Schlotterbeck nur drei erfahrene Innenverteidiger für drei Positionen zur Verfügung.
Vertragsfrage und Transferplanungen in der Schwebe
Die Verletzung kommt zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt für die Vertragsverhandlungen. Cans Arbeitspapier läuft im Sommer aus, und Gespräche über eine Verlängerung werden vorerst auf Eis gelegt. „Bitter, denn die Verhandlungen über ein neues Arbeitspapier liefen bereits“, berichtet Müller. Während der BVB zu einer einjährigen Verlängerung bereit gewesen wäre, hätte Can gerne zwei weitere Jahre unterschrieben. Der neue Vertrag wäre deutlich leistungsorientierter ausgefallen – ein wichtiger Punkt angesichts Cans üppigem Jahresgehalt, das ihn zu den Spitzenverdienern im Kader zählen lässt.
Sportdirektor Sebastian Kehl stärkte seinem Kapitän jedoch den Rücken: „Emre wird von uns in den nächsten Monaten jede Unterstützung bekommen, damit er wieder vollständig gesund wird.“ Dennoch bleibt die Frage, ob der BVB komplett von seinen Plänen abrückt und Cans Vertrag auslaufen lässt.
Transferplanungen müssen neu ausgerichtet werden
Selbst wenn eine Verlängerung mit Can zustande kommt, beeinflusst dies direkt die Transferplanungen für den Sommer. Bei Niklas Süle und möglicherweise auch bei Nico Schlotterbeck könnte die Zusammenarbeit enden, was die Dortmunder dringend auf Verstärkungen angewiesen sein lässt. „Wenn du jemanden holst, der die Qualität von Can mitbringt, kommt dir das mit Sicherheit deutlich teurer“, gibt Sedlbauer zu bedenken. Die fehlenden Einnahmen durch das Champions-League-Aus verschärfen die finanzielle Situation zusätzlich.
Oliver Müller sieht in der Situation jedoch auch eine Chance: „Es kann natürlich auch eine günstige Gelegenheit sein, um der Mannschaft durch die auslaufenden Verträge von Can, Julian Brandt und auch Süle ein völlig neues Gesicht zu geben.“ Viele Fans würden sich genau diesen Neuanfang wünschen, doch auch dieser Weg birgt erhebliche Risiken. Für Müller stellt sich hier eine grundsätzliche strategische Entscheidung: Soll der Verein komplett neu aufgestellt werden oder wird versucht, den bisherigen Kurs fortzusetzen?
Fest steht: Die Verletzung von Emre Can wirbelt die sportlichen und personellen Pläme des BVB ordentlich durcheinander und zwingt die Verantwortlichen zu schnellen und weitreichenden Entscheidungen in einer ohnehin schon schwierigen Saisonphase.



