Portugiesischer Erstligist entdeckt deutschen Fußballmarkt
Der portugiesische Fußballverein Estrela Amadora hat ein neues Betätigungsfeld für sein Scouting gefunden: die deutsche 3. Liga. Nach den überaus positiven Erfahrungen mit Rechtsverteidiger Sidny Lopes Cabral, der im vergangenen Sommer ablösefrei von Viktoria Köln nach Portugal wechselte und bereits nach einem halben Jahr für sechs Millionen Euro an Benfica Lissabon verkauft wurde, hat der Klub aus der Region Lissabon nun verstärkt die dritte deutsche Spielklasse im Visier.
Vier Neuzugänge im Winter-Transferfenster
Allein im vergangenen Winter-Transferfenster verpflichtete Estrela Amadora gleich vier Spieler aus der deutschen 3. Liga. Tom Moustier von Rot-Weiß Essen, der Ulmer Max Scholze, Chilohem Onuoha, der zuletzt vom 1. FC Köln an den SC Verl verliehen war, sowie Torwart Dudu von Viktoria Köln sollen nun in die Fußstapfen von Cabral treten. „Sidny war ein Glücksfall für uns“, sagte Geschäftsführer Francisco Lopo im kicker-Interview und betonte, dass diese Transfers „erst der Anfang“ gewesen seien.
Der Erfolg mit Cabral, der nach nur 15 Spielen mit fünf Toren und drei Vorlagen für Amadora den Sprung zu Champions-League-Teilnehmer Benfica schaffte, hat den portugiesischen Klub neugierig auf weitere Talente aus Deutschland gemacht. „Bevor wir Sidny verpflichtet haben, hatten wir keine Berührungspunkte mit dem deutschen Markt, aber jetzt haben wir die 3. Liga für uns entdeckt“, erklärte Lopo die neue strategische Ausrichtung.
Die 3. Liga als ideale Talenteschmiede
Für den Geschäftsführer bietet die deutsche 3. Liga ideale Voraussetzungen für die Verpflichtung von Spielern, die sich bei Amadora weiterentwickeln sollen. „Es ist eine der drei besten dritten Ligen der Welt – wenn nicht sogar die beste“, so Lopo. „Die Spieler, die von dort zu uns kommen, sind technisch, taktisch und physisch sehr gut ausgebildet. Dadurch sind sie optimal vorbereitet, um hier in der 1. Liga zu spielen.“
Neben den sportlichen Qualitäten schätzt Lopo besonders die Mentalität deutscher Spieler: „Bei Deutschen wissen wir, dass sie fleißig, korrekt und mental sehr stark sind. Sie können mit Druck umgehen, weil sie in Deutschland vor vielen Zuschauern spielen. Die Stadien sind voll.“ Hinzu komme die besondere Zuverlässigkeit und verbindliche Vertragstreue, die deutsche Spieler auszeichne.
Die Strategie des Traditionsklubs
Estrela Amadora, einstiger Traditionsklub aus der Region Lissabon, der 1990 den portugiesischen Pokal gewann, nach der Jahrtausendwende jedoch in finanzielle Schieflage geriet und 2011 Insolvenz anmelden musste, ist seit 2023 wieder in der ersten portugiesischen Liga vertreten. Um sich im Schatten der Lissaboner Giganten Benfica und Sporting langfristig zu etablieren, setzt der Verein auf eine klare Strategie.
Das Scouting ist dabei eine der wichtigsten Abteilungen, wie Lopo betont: „Die Vereine, die Spieler früher finden als andere, sind erfolgreich.“ Das Ziel ist es, junge, entwicklungsfähige Spieler kostengünstig oder ablösefrei zu verpflichten, sie bei Amadora weiterzuentwickeln und später mit Gewinn weiterzuverkaufen – genau wie im Fall von Cabral geschehen.
Trotz einer Kaderfluktuation von über 85 Prozent in der laufenden Saison und der knappen Positionierung vor der Abstiegszone betont Lopo den familiären Charakter des Klubs: „Wir bieten optimale Bedingungen und kümmern uns um alles, damit sich die Spieler voll und ganz auf den Fußball konzentrieren können.“ Dieses Rundum-Paket soll den Spielern helfen, sich auf der Bühne der ersten portugiesischen Liga für höhere Aufgaben zu empfehlen.
Ein neues Image für Amadora
Die erfolgreiche Transferstrategie beginnt bereits, Früchte zu tragen und das Image des Klubs zu verändern. „Mittlerweile haben wir in Portugal das Image, dass die Leute sagen: Wenn du zu einem sehr guten Verein wie Benfica, Porto oder Sporting gehen willst, musst du vorher nach Amadora gehen“, so Lopo nicht ohne Stolz.
Mit einer positiven Transferbilanz von mehr als elf Millionen Euro in den vergangenen beiden Spielzeiten und der gezielten Fokussierung auf den deutschen Markt scheint Estrela Amadora einen nachhaltigen Weg gefunden zu haben, um sich in der ersten portugiesischen Liga zu behaupten. Die deutsche 3. Liga wird dabei voraussichtlich auch in Zukunft eine wichtige Rolle als Talentpool für den ambitionierten Klub spielen.



