Was für ein Spektakel in Paris! Der FC Bayern hat das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League bei Paris Saint-Germain mit 4:5 verloren – geht aber weiter mit Hoffnung ins Rückspiel in München. Während vor allem die Verteidiger einen schweren Abend erlebten, entpuppte sich die Offensivreihe um Michael Olise und Luis Díaz erneut als Rettungsanker. SPORT1 bewertet die Stars in der Einzelkritik.
Die Noten für den FC Bayern
Torwart
Manuel Neuer: Erlebte einen für die Verhältnisse eines Keepers seltsamen Abend voller Hilflosigkeit. Dem 40-Jährigen unterlief kein einziger Fehler, trotzdem schlug es fünfmal hinter ihm ein. Nach dem Pariser Doppelschlag in der zweiten Halbzeit übernahm er die Rolle des Motivators und Aufrüttlers – mit Erfolg! Danach lief es wieder besser für die Münchner und es folgte kein Gegentreffer mehr. Note: 3
Abwehr
Alphonso Davies: Bekam an diesem Abend den Vorzug vor Laimer – eine überraschende und auch umstrittene Entscheidung von Trainer Vincent Kompany. In der Defensive hatte der Kanadier zunächst wenig zu tun, weil PSG vor allem über Bayerns rechte Seite kam. Nach vorne initiierte er so manchen guten Angriff. Kurz vor der Pause dann der entscheidende Fehler, der zum Elfmeter für die Gastgeber führte. Unverständlich, dass Davies zunächst mit den Armen auf dem Rücken Richtung Gegenspieler ging und dann – als es ernst wurde – die Hand doch nach vorne nahm. In der Pause wurde er ausgewechselt. Note: 4
Dayot Upamecano: Konnte in der ersten halben Stunde nicht vollkommen überzeugen. Mal verlor er den Überblick, dann folgte wieder eine Aktion der Marke „Weltklasse“. Seine größte Heldentat: In der 35. Minute rettete er gegen Dembélé. Das Spiel voller Licht und Schatten ging für den Innenverteidiger auch nach der Pause weiter. Gerade beim fünften PSG-Tor sah er gar nicht gut aus. Typisch Upa in dieser Saison: Mit all seinem Willen erzielte er den dritten Treffer der Bayern. Insgesamt mehr gute als schlechte Szenen. Note: 2,5
Jonathan Tah: Machte in der ersten Halbzeit eine gute Partie, hatte aber gegen Dembélé deutlich mehr Probleme als gegen die Stars von Real Madrid im Viertelfinale. Große Fehler unterliefen ihm zwar nicht, aber wenn man drei Gegentore in einer Halbzeit kassiert, kann die Abwehrleistung nicht die beste gewesen sein. Als Paris dann so richtig aufdrehte, verlor auch er den Überblick und wirkte nicht mehr wie ein Ruhepol. Aus diesem Tief kämpfte er sich aber einigermaßen heraus. Note: 4
Josip Stanisic: Das erste Gegentor durch Kvaratskhelia geht auf seine Kappe. Erst ließ er seine Seite offen, kam dann nicht mehr hinterher und schließlich nicht in den Zweikampf. Allgemein konnten sich die Franzosen vor allem über seine rechte Abwehrseite Gelegenheiten erspielen. Beim vierten Tor rückte er zwar im Vollsprint nach hinten, übersah aber Kvaratskhelia, der dann traf. Insgesamt kämpfte „Stani“ zwar, doch das reichte an diesem Abend nicht aus. Note: 5
Mittelfeld
Joshua Kimmich: Hatte bei den schnellen Vorstößen der PSG-Stars beide Füße voll zu tun und fehlte dann an den wichtigen Stellen. Bezeichnend: Zur Pause hatte er nach Kane und Musiala die wenigsten Ballkontakte – und das als Spieler im Zentrum. Gerade nach dem 2:5 aus Münchner Sicht wurde er präsenter, forderte mehr Bälle und setzte gute Hereingaben. Wirkliche Ruhe konnte er aber nicht in die Partie bringen, sie wäre bitter nötig gewesen. Note: 4
Aleksandar Pavlovic: Lieferte den ersten dicken Bayern-Fehler in der ersten Halbzeit ab. Nach seinem Fehlpass konnte der Nationalspieler von Glück reden, dass Dembélé kläglich vergab. Immerhin legte er Olise später das 2:2 auf – was aber nicht schwer war. Hatte insgesamt daran zu knabbern, dass es keine Partie für Mittelfeldspieler war. Zu schnell und zu wild ging es teilweise hin und her. Note: 4
Angriff
Michael Olise: Stand zweifelsfrei im Fokus der Pariser Fans. Jeden Ballverlust des Franzosen bejubelten sie. Auch als er sich von Kvaratskhelia vernaschen ließ, wurde es laut. Nach 19 Minuten hatte er eine dicke Chance, die die Hausherren mit vereinten Kräften entschärften – da war mehr drin. In der Folge war die Gleichung aber klar: Wenn Olise den Ball hat, wird es für den Gegner gefährlich. Kein Wunder also, dass er das 2:2 erzielte, obwohl er vier Leute um sich herum hatte. Nach den beiden Nackenschlägen in der zweiten Halbzeit war der Franzose immer ein Lichtblick – auch wenn nicht alles gelang. Note: 1,5
Jamal Musiala: Startete sichtlich angstfrei in die Partie und konnte gleich zu Beginn mit einem Ballgewinn gegen Zaire-Emery glänzen. Erlebte nach guten Szenen aber eine schwache Phase. Als Joao Neves zum 2:1 für PSG traf, wäre es eigentlich Musiala gewesen, der den Portugiesen stören hätte müssen. In der 37. Minute hätte er selbst abschließen müssen, spielte aber schlecht ab und die Chance verpuffte. Immerhin ließ er sich in der Folge nicht entmutigen. Ein „Magic Musiala“ war er auch an diesem Abend nicht, die Umstände waren aber auch brutal. In der 78. Minute wurde er ausgewechselt. Note: 4
Luis Díaz: Versprühte zu Beginn kolumbianisches Feuer im Prinzenpark und sorgte bereits in der 12. Minute dafür, dass Marquinhos eine gelbe Karte kassierte – clever gemacht! Obendrein holte er nach einem Megasprint den Strafstoß heraus, der zum 1:0 für den FCB führte. Konnte vereinzelt völlig ungestört durchs Zentrum marschieren, war dann aber manchmal allein auf weiter Flur. Er präsentierte sich durchgehend als Aktivposten und fleißiger Arbeiter. Beim vierten Bayern-Tor stellte er seine ganze Qualität unter Beweis. Note: 1
Harry Kane: Bewies zum gefühlt tausendsten Mal, dass er Strafstöße eiskalt verwandeln kann. Kurz nach seinem Treffer brachte er mit seinem Pass Olise in eine perfekte Situation und gab ansonsten natürlich den Dauerläufer. Irgendwann tauchte er aber einfach zu selten vor dem Tor des Gegners auf und war lange Zeit nicht präsent genug. Aber wie so oft reicht dem Engländer eine Aktion, um einem Spiel einen neuen Spin zu geben. Sein Pass auf Díaz vor dem Tor zum 4:5 war herrlich. Note: 2
Einwechselspieler
Konrad Laimer: Kam in der Halbzeitpause für Davies in die Partie und zeigte volles Engagement. Wirkte zudem aggressiver als sein kanadischer Kollege. Allerdings konnte Laimer lange nicht die große Wirkung entfalten. In Bayerns Schwächephase war auch er etwas von der Rolle. Fleiß, Kampfgeist und Laufbereitschaft waren aber wie immer vorhanden. Note: 3
Leon Goretzka: Kam nach 78 Minuten für Musiala ins Spiel und half dabei, das Ergebnis zu halten. Note: ohne Bewertung
Nicolas Jackson: Wurde in der 94. Minute für Pavlovic eingewechselt. Note: ohne Bewertung



