Finanzielle Kluft im Bundesliga-Klassiker: Warum Bayern München dem BVB wirtschaftlich haushoch überlegen ist
Finanzielle Kluft: Warum Bayern dem BVB wirtschaftlich überlegen ist

Die ewige Finanzlücke: Warum Bayern München Borussia Dortmund wirtschaftlich haushoch überlegen ist

Heute steigt im Signal Iduna Park die Neuauflage des Bundesliga-Klassikers zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München. Doch jenseits des Spielfelds tobt seit Jahren eine andere, ebenso bedeutsame Auseinandersetzung: die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den beiden deutschen Fußball-Riesen. Bereits vor einem Monat hatte BVB-Trainer Niko Kovac die wirtschaftliche Übermacht der Bayern praktisch anerkannt und von einer Kapitulation im Meisterkampf gesprochen.

Umsatz und Gehaltsstruktur: Zwei verschiedene Welten

Die deutlichste Kennzahl für die finanzielle Überlegenheit ist der Jahresumsatz. Im letzten Geschäftsjahr erzielte der FC Bayern München einen Umsatz von beeindruckenden 978,3 Millionen Euro. Borussia Dortmund kam dagegen lediglich auf 526 Millionen Euro. Interessanterweise hatte Bayern bereits vor zehn Jahren mit 626,8 Millionen Euro mehr Umsatz als der BVB in der aktuellen Saison.

Diese Diskrepanz ermöglicht den Münchnern eine deutlich üppigere Gehaltsstruktur. Der Gesamtpersonalaufwand der FC Bayern München AG liegt bei 408,3 Millionen Euro, wovon schätzungsweise rund 310 Millionen Euro auf den Team-Etat entfallen. Der BVB gibt dagegen nur etwa 190 Millionen Euro jährlich für den Lizenzbereich aus und stößt damit bereits an seine finanziellen Grenzen.

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Die Gehaltsfalle und der Transfer-Teufelskreis

Beim BVB gehören Gehälter von deutlich über fünf Millionen Euro mittlerweile zur Normalität. Die Konsequenz: Ohne hohe Transferüberschüsse können die Kosten für den Kader kaum gedeckt werden. Wenn Dortmund in einem Jahr keine Millionensummen für Abgänge einnimmt, entsteht automatisch ein strukturelles Defizit von etwa zwanzig Millionen Euro.

Dortmund kann sich keine Gehälter von 20 Millionen Euro oder mehr leisten – und bekommt damit auch keine fertigen Superstars wie Harry Kane oder Luis Diaz. Auch die Vertragsverlängerung mit Topstars, wie Bayern es bei Jamal Musiala schafft, stellt für den BVB eine enorme Herausforderung dar. Superstars wie Jude Bellingham oder Erling Haaland musste man regelmäßig ziehen lassen.

Um überhaupt noch bei Topspielern konkurrenzfähig zu bleiben, wurde sogar das einstige Verbot von Ausstiegsklauseln aufgeweicht. Nico Schlotterbeck soll für einen neuen Vertrag neben 14 Millionen Euro Gehalt eine Ausstiegsklausel für 2027 erhalten.

Stadioneinnahmen: Ein gewaltiger Unterschied

Bei den Einnahmen aus dem Spielbetrieb sind beide Klubs gar nicht so weit auseinander: In der Champions League 2024/25 nahm der BVB laut UEFA 102,1 Millionen Euro ein, Bayern 105,8 Millionen Euro. Beide schieden im Viertelfinale aus. In der Bundesliga kassierte Bayern 100,9 Millionen Euro, Dortmund 89,7 Millionen Euro. Bayern erhält etwa 10 Millionen Euro mehr aus dem internationalen Topf.

Die wirklich großen Unterschiede zeigen sich jedoch bei Sponsoring, Merchandising und vor allem bei den Stadioneinnahmen. Laut einer UEFA-Statistik der Saison 2023/24 nahm Bayern pro Zuschauer 76 Euro pro Heimspiel ein und belegte damit Platz 6 in Europa. Der BVB kam nur auf 27 Euro pro Zuschauer und landete auf Platz 50.

Die Gesamteinnahmen pro Heimspiel betrugen in jener Saison im Schnitt bei Bayern 5,7 Millionen Euro (Platz 5 in Europa) – beim BVB nur 2,2 Millionen Euro (Platz 21). Der Gewinn der Bayern pro Heimspiel soll nach Informationen bei geschätzt rund drei Millionen Euro liegen.

Die Stadion-Frage: Modernität gegen Sanierungsbedarf

Ein wesentlicher Grund für diese Diskrepanz liegt in den Stadien selbst. Die Allianz Arena ist seit über zehn Jahren abbezahlt, während das 1974 fertiggestellte Westfalenstadion mittlerweile erhebliche Sanierungskosten verursacht. Der Beton, aus dem die Ränge und die meisten Pfeiler bestehen, muss quasi permanent restauriert werden, um Risse auszubessern. Die Gesamtkosten für die Instandhaltung der Dortmunder Heimstätte belaufen sich auf fünf bis zehn Millionen Euro pro Jahr.

Sponsoring und Merchandising: Bayern dominiert

Beim Sponsoring sind die Bayern ebenfalls deutlich vorne: 2024/25 erzielten sie 240,4 Millionen Euro aus Sponsoring und Vermarktung sowie 150,5 Millionen Euro aus Merchandising. Dortmund nahm in der vergangenen Saison rund 150 Millionen Euro im Sponsoring-Sektor ein.

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In einer anderen UEFA-Statistik für das Jahr 2025 liegt Dortmund bei „Trikot- und Merchandising-Einnahmen“ bei 63 Millionen Euro, Bayern dagegen bei 189 Millionen Euro – ein riesiger Unterschied. Im Bereich „Commercial Revenue“ (Merchandising, Sponsoring und TV-Einnahmen) liegt Bayern laut UEFA-Statistik für 2025 mit 402 Millionen Euro Einnahmen auf Platz 4 in Europa. Dortmund kommt nur auf 237 Millionen Euro (Platz 10).

Die Folgen des Champions-League-Aus

Negative Ereignisse wie das aktuelle Champions-League-Aus bei Atalanta Bergamo machen sich beim BVB sofort bemerkbar. Wie der Klub in einer Ad-hoc-Mitteilung bekannt gab, wird es eine Prognoseänderung für das laufende Geschäftsjahr geben. Weil durch das Königsklassen-Aus einkalkulierte Einnahmen von mehr als 11 Millionen Euro wegbrechen, muss der Verein jetzt mit weniger Geld planen.

Die ursprüngliche Prognose von -5 Millionen bis +5 Millionen Euro wurde auf -12 Millionen bis -22 Millionen Euro für das laufende Geschäftsjahr korrigiert. Im schlimmsten Fall bedeutet das eine Verschlechterung von 27 Millionen Euro – ein Super-GAU für den börsennotierten Verein.

Das legendäre Festgeldkonto der Bayern

Bei den Bayern kann es zwar auch mal ein Minus geben, aber es existiert noch das legendäre Festgeldkonto. Wie hoch dieses aktuell ist, bleibt unklar. Viele Jahre ging man von rund 300 Millionen Euro aus, aktuell dürften es schätzungsweise noch deutlich über 100 Millionen Euro sein.

Im April 2025 sorgte Uli Hoeneß für Aufsehen, als er sagte: „Von unserem Festgeldkonto ist nicht mehr viel da!“ Daraufhin stellte Jan-Christian Dreesen klar: „Es ist genug drauf – für wen es auch immer reichen mag.“ Und betonte: „Wir sind noch handlungsfähig. Das ist die wesentliche Botschaft.“

Matthäus spricht vom Teufelskreis

Insgesamt ist schwer vorstellbar, dass Dortmund die riesige Lücke zu Bayern schließen kann. Sky-Experte Lothar Matthäus dazu: „Enger wird die Schere sicher nicht! Bayern kauft, kauft, die anderen müssen verkaufen. Das Problem hat ja nicht nur Dortmund.“

Matthäus weiter: „Ich habe letzte Woche gehört, wenn Leipzig nicht die Champions League erreicht, dann müssen die für 100 Millionen wieder Spieler verkaufen. Jetzt haben sie aber ja schon für 300 Millionen Spieler verkauft. Es ist schon Wahnsinn, an welcher Linie die Mannschaften sind. Das Stadion ist ausverkauft, aber sonst große Einnahmen kannst du nur erzielen, wenn du wieder gute Spieler verkaufst. Das ist eben der Teufelskreis.“

Die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Bayern München und Borussia Dortmund bleibt damit eine strukturelle Herausforderung, die weit über das heutige Spiel hinausreicht und die deutsche Fußballlandschaft nachhaltig prägt.