Fußball-Regelrevolution steht bevor: VAR erhält mehr Macht, Zeitspiel wird härter bestraft
Fußball-Regelrevolution: VAR-Machtausweitung und härtere Zeitspiel-Strafen

Historische Regelreform im Fußball nimmt konkrete Formen an

Die Welt des Fußballs steht vor einer der umfassendsten Regelreformen der letzten Jahre. Am Samstag treffen sich die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) in Hensol bei Cardiff zur Generalversammlung, wo wegweisende Entscheidungen anstehen. Die geplanten Neuerungen sollen bereits ab dem 1. Juni 2026 in Kraft treten und damit rechtzeitig vor der WM-Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada implementiert werden.

VAR-Befugnisse werden deutlich ausgeweitet

Als nahezu sicher gilt die Erweiterung der Kompetenzen für Video-Assistenten. Künftig sollen diese nicht nur Tore, Strafstöße, Rote Karten und mögliche Verwechslungen bei Platzverweisen überprüfen, sondern auch Eckball-Entscheidungen sowie die zweite Verwarnung bei einer Gelb-Roten Karte. Diese Ausweitung soll insbesondere verhindern, dass nach ungerechtfertigt gegebenen Ecken Tore fallen und dadurch kontroverse Diskussionen entstehen.

Pierluigi Collina, FIFA-Schiedsrichterboss, begründet diese Änderung mit pragmatischen Überlegungen: „Normalerweise dauert es zehn bis 15 Sekunden, ehe die angreifende Mannschaft bereit ist. In diesen Sekunden kann geklärt werden, ob eine Ecke womöglich fälschlicherweise gegeben wurde. Warum sollten wir in dieser Zeit den Kopf in den Sand stecken und einfach hoffen, dass die Entscheidung nicht falsch ist?“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kampf gegen Zeitspiel wird intensiviert

Parallel zur VAR-Erweiterung plant das IFAB verschärfte Maßnahmen gegen Spielverzögerungen, die vor allem auf eine Erhöhung der Netto-Spielzeit abzielen. Folgende konkrete Änderungen stehen zur Abstimmung:

  1. Der bereits von Schiedsrichtern angezeigte Countdown bei der Acht-Sekunden-Regel für Torhüter soll künftig auch bei Einwürfen und Abstößen zum Einsatz kommen. Bei Zeitüberschreitung erhält der Gegner Eckball oder Einwurf.
  2. Auswechslungen müssen innerhalb von zehn Sekunden abgeschlossen sein. Bei Verzögerung darf der Einwechselspieler erst bei der nächsten Spielunterbrechung das Feld betreten.
  3. Verletzte Spieler, die auf dem Platz behandelt wurden, müssen für eine definierte Zeitspanne an der Seitenlinie warten, bevor sie zurückkehren dürfen.

Abseitsregel bleibt vorerst unverändert

Während in anderen Bereichen umfassende Änderungen anstehen, bleibt die Abseitsregel zunächst unangetastet. Die von FIFA-Direktor Arsène Wenger präferierte „Tageslicht“-Regel, nach der ein Angreifer erst dann im Abseits stehen würde, wenn eine sichtbare Lücke zwischen ihm und dem Verteidiger erkennbar wäre, wird zunächst weiter getestet. Damit bleiben die in der Bundesliga diskutierten Millimeter-Entscheidungen durch halbautomatische Abseitstechnologie vorerst erhalten.

Entscheidungsprozess und Umsetzung

Im IFAB verfügt die FIFA über vier der acht Stimmen, während die vier britischen Verbände aus England, Wales, Schottland und Nordirland jeweils eine Stimme besitzen. Für die Annahme von Regeländerungen ist eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. Da sich die Regelhüter meist bereits im Vorfeld einigen, sind Überraschungen bei der Abstimmung selten.

Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga werden die neuen Regeln voraussichtlich übernehmen, sodass sie ab der kommenden Saison in Liga und Pokal gelten werden. Besondere Regelungen für verletzte Torhüter, bei denen möglicherweise ein Feldspieler kurz an die Seitenlinie verbannt werden könnte, sind noch in der Diskussion.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration