Göttlich drängt DFB zu klarer Positionierung vor der Weltmeisterschaft
Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli und Mitglied im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat seine Forderung nach einer eindeutigen Positionierung des Verbandes vor der anstehenden Weltmeisterschaft bekräftigt. Angesichts der aktuellen weltpolitischen Krisen und Konflikte verlangt er vom DFB eine klare Linie und umfassende Vorbereitung auf mögliche politische Diskussionen während des Turniers.
Kein Boykott, aber klare Haltung gefordert
Göttlich betonte ausdrücklich, dass er nicht für einen Boykott der WM in den USA, Mexiko und Kanada (vom 11. Juni bis 19. Juli 2026) plädiere. Vielmehr gehe es ihm darum, Denkanstöße zu geben und den Verband zur Reflexion zu bewegen. "Wenn man in ein Land fährt, das Krieg führt, wo Menschen auf der Straße erschossen werden, dann muss man sich zumindest Gedanken machen: Was ist unsere Verbandslinie, wenn wir da hinfahren?", erklärte der 50-Jährige im Gespräch mit NDR 90,3.
Der DFB-Vizepräsident unterstrich, dass es ihm nicht darum gehe, Spielern Vorschriften zu machen. "Ich würde nie von Spielern verlangen, was sie zu tun oder zu lassen haben. Aber als Verein haben wir eine Meinung und eine Haltung. Und das wünsche ich mir auch von einem Verband wie dem DFB", so Göttlich.
Sportliche Werte in den Mittelpunkt stellen
Göttlich verwies auf die grundlegenden Werte des Sports, die seiner Ansicht nach aktuell nicht ausreichend berücksichtigt werden. "Was ist der Sport? Der Sport steht für Integration, für Spaß, für Diversität. Und dafür, dass wir uns für die Menschenrechte einsetzen. Das sehe ich derzeit nicht", kritisierte das Präsidiumsmitglied.
Der FC-St.-Pauli-Präsident forderte eine systematische Vorbereitung des DFB auf die WM: "Fahren wir dahin? Wie fahren wir dahin? Wenn wir hinfahren: Was ist die Aussage? Das ist etwas, worauf man sich vorbereiten muss". Göttlich hatte die Debatte bereits Ende Januar angestoßen und sieht nun dringenden Handlungsbedarf.
Kritik an DFB-Reaktion und Spitze gegen Neuendorf
Die Reaktionen des DFB auf seine früheren Äußerungen haben Göttlich überrascht. "Ich dachte: Das ist der größte Sportverband der Welt, der hat sich doch wohl kommunikativ Gedanken gemacht", gab der Funktionär zu bedenken.
Göttlich erlaubte sich dabei eine deutliche Spitze gegen DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der ihn für seinen Vorstoß kritisiert hatte. "Ich glaube, Herr Neuendorf ist kürzer im Amt, als ich es in einem Funktionärsamt im deutschen Fußball bin", konterte der langjährige Fußballfunktionär. Der DFB hatte sich gegen einen Boykott der WM ausgesprochen und Göttlichs Initiative zurückgewiesen.
Die Debatte um die politische Positionierung des deutschen Fußballs vor internationalen Großereignissen gewinnt damit weiter an Fahrt. Göttlichs Forderungen stellen den DFB vor die Herausforderung, nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftspolitisch klare Kante zu zeigen.



