St. Pauli-Boss Göttlich kontert DFB-Präsident Neuendorf in Boykott-Debatte
Göttlich kontert DFB-Boss Neuendorf in WM-Boykott-Debatte

St. Pauli-Boss verteidigt Boykott-Diskussion und kontert DFB-Präsident

Die Debatte um einen möglichen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA nimmt weiter Fahrt auf. Seit Oke Göttlich, der 50-jährige Vereinspräsident des FC St. Pauli, Mitte Januar in einem Interview mit der „Hamburger Morgenpost“ angesichts der politischen Lage in den USA eine Diskussion über einen WM-Boykott angeregt hatte, gibt es zahlreiche kontroverse Stellungnahmen aus Sport und Politik.

DFB-Boss kritisiert Göttlichs Vorpreschen

DFB-Präsident Bernd Neuendorf positionierte sich Ende Januar deutlich gegen den Diskussionsansatz von Göttlich. „Der Kollege ist noch nicht so lange dabei. Aber in der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen zunächst mal in den Gremien besprechen und uns dazu eine Meinung bilden. Er ist jetzt leider vorgeprescht mit dem Thema“, erklärte Neuendorf damals.

In einem aktuellen Radio-Interview bei NDR 90,3 nahm Göttlich nun genau zu dieser Aussage Stellung und konterte mit einer bemerkenswerten Spitze: „Etwas verwundert war ich über Bernd Neuendorfs Aussage, der Herr Göttlich sei doch etwas jung dabei. Ich glaube, Herr Neuendorf ist kürzer im Amt, als ich es in einem Funktionärs-Amt im deutschen Fußball bin.“

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Erfahrungsvorsprung für St. Pauli-Präsident

Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Funktionärskarrieren: Bernd Neuendorf wurde erst 2019 Vorsitzender des Verbandes Mittelrhein und übernahm 2022 das Amt des DFB-Präsidenten. Im Gegensatz dazu ist Oke Göttlich seit 2014 Vereinspräsident des FC St. Pauli, seit 2019 Mitglied des DFL-Präsidiums und seit 2025 als einer der Vizepräsidenten Teil des DFB-Präsidiums.

Doch Göttlich betont, dass es ihm in der Sache nicht um solche Spitzfindigkeiten geht, sondern um die grundsätzliche Boykott-Diskussion: „Mir ging es damals darum, dass man sich einfach mal die Frage stellen muss: Was ist der Sport? Der Sport steht für Integration, für Spaß, für Diversität. Und dafür, dass wir uns für die Menschenrechte einsetzen. Das sehe ich derzeit nicht.“

Kern der Debatte: Menschenrechte und Sport

Der St. Pauli-Präsident präzisiert seine Position weiter: „Wenn man in ein Land fährt, das Krieg treibt, wo Menschen auf der Straße erschossen werden, dann muss man sich zumindest Gedanken machen. Was ist unsere Verbandslinie, wenn wir da hinfahren? Das ist das, was ich anstoßen wollte.“

Göttlich unterstreicht die Haltung seines Vereins: „Als Verein haben wir eine Meinung und eine Haltung. Und das wünsche ich mir auch von einem Verband wie dem DFB.“ Die Diskussion zeigt damit nicht nur persönliche Differenzen zwischen Funktionären, sondern berührt grundsätzliche Fragen nach der politischen Verantwortung des Sports und der Rolle von Fußballverbänden bei internationalen Großereignissen.

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