Harald Irmscher: Der elegante „Sir“ des DDR-Fußballs wird 80 Jahre alt
Harald Irmscher: DDR-Fußball-„Sir“ feiert 80. Geburtstag

Harald Irmscher: Eine Fußballlegende feiert ihren 80. Geburtstag

Harald Irmscher ist mehr als nur ein ehemaliger Fußballspieler – er ist eine Institution. Der Mann, der aufgrund seiner eleganten und vornehmen Spielweise den Spitznamen „Sir“ erhielt, begeht heute seinen 80. Geburtstag. Bis heute lebt er in Jena und kickt regelmäßig in der Traditionsmannschaft des FC Carl Zeiss, wobei seine Leidenschaft für den Sport ungebrochen ist.

Vom Spitznamen zur Legende

„Diesen Spitznamen hat mir Roland Ducke verpasst“, erinnert sich Irmscher mit einem Lächeln. Auf etwas eingebildet habe er sich zwar nie, doch der Name blieb haften. Mit Respekt spricht er über die Ducke-Brüder: „Die beiden waren eine Klasse für sich, das Beste, was je das Jenaer Trikot getragen hat.“ Seine Karriere begann jedoch nicht in Jena, sondern bei Sachsenring Zwickau, wo er bis 1968 aktiv war.

Der Wechsel nach Jena und europäische Sternstunden

1968 zog es Irmscher nach Jena, vor allem weil er mit dem FC Carl Zeiss Jena konstant auf internationaler Bühne spielen wollte. Ein besonderes Highlight war das Spiel gegen Ajax Amsterdam im März 1970. „Die kamen mit der halben holländischen Nationalmannschaft. Gespielt wurde übrigens auf Schnee – und selbst Johan Cruyff kam darauf zurecht. Heutzutage werden solche Spiele abgesagt“, erzählt er. Der 3:1-Sieg gegen dieses europäische Topteam zählt für ihn zu den Sternstunden des Jenaer Fußballs, auch wenn das Rückspiel mit 1:5 verloren ging.

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Olympia-Bronze und die Schattenseiten von München 1972

Mit der DDR-Nationalelf holte Irmscher 1972 in München Olympia-Bronze. Doch diese Spiele waren auch von einer der dunkelsten Stunden der Olympiageschichte überschattet: der Geiselnahme israelischer Sportler durch palästinensische Terroristen. „Wir wurden mitten in der Nacht von Beamten des Bundesgrenzschutzes geweckt“, berichtet Irmscher. Er wagte sich auf den Balkon und beobachtete durch einen Spalt das Geschehen. „Wir sahen, wie Hans-Dietrich Genscher kam. Aber wir wurden auch von einem Palästinenser entdeckt, der dann mit einer Waffe in unsere Richtung fuchtelte und uns signalisierte, dass es besser wäre, wir würden zurück ins Zimmer gehen.“

Dass die Spiele damals nicht abgebrochen wurden, hält er bis heute für richtig. „Alle Sportler hatten sich jahrelang auf diesen Höhepunkt vorbereitet, haben hart gearbeitet“, betont er. Außerdem hätte man dem Terror nicht recht geben dürfen.

Das historische Bruderduell bei der WM 1974

Zwei Jahre später stand Irmscher beim 1:0-Sieg der DDR gegen die BRD bei der Weltmeisterschaft in Westdeutschland auf dem Platz. Eine Partie mit ganz eigener Brisanz. „Wir sind uns auf Augenhöhe begegnet. Wir haben mit den Westdeutschen bei der Erwärmung normal gesprochen, uns begrüßt. Niemand war da von oben herab“, erinnert er sich.

Ungewöhnlich sei nur die Besprechung vor dem Spiel von Nationaltrainer Georg Buschner gewesen. „Das war die kürzeste seiner Amtszeit. Wir waren ja schon für die nächste Runde qualifiziert. Er hat uns gesagt: Jungs, setzt noch einen drauf, zeigt, dass wir auch Fußball spielen können.“ Über Stärken und Schwächen zu reden, sei nicht nötig gewesen. „Wir alle haben die Sportschau geschaut und wussten, was Breitner oder Hoeneß drauf haben. Das hatte sich selbst zu den Dresdnern aus dem Tal der Ahnungslosen herumgesprochen, die kein Westfernsehen hatten“, sagt er und lacht.

Ein besonderes Andenken an Franz Beckenbauer

Der Sieg im Bruderduell war gleichzeitig ein Weckruf für die BRD, die das Turnier im eigenen Land doch noch gewann. Irmscher selbst sicherte sich ein einzigartiges Erinnerungsstück: „Nach dem Spiel fragte ich Franz Beckenbauer nach seinem Trikot. Doch er musste zur Dopingkontrolle. Einige Zeit später ging die Kabinentür auf und Franz stand plötzlich in der Kabine, um mir das Trikot zu bringen.“ Dieses Trikot hütet er bis heute wie einen Schatz.

Harald Irmschers Leben ist geprägt von großen sportlichen Erfolgen, historischen Momenten und einer unerschütterlichen Liebe zum Fußball. An seinem 80. Geburtstag blickt er auf eine Karriere zurück, die nicht nur sportlich, sondern auch menschlich beeindruckt.

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