Havertz und Rüdiger: Ungleiche Vize-Kapitäne mit WM-Auftrag im DFB-Team
Havertz und Rüdiger: Ungleiche Vize-Kapitäne mit WM-Auftrag

Ungleiche Stellvertreter mit klarem WM-Auftrag

Im Fitnessraum des DFB-Homegrounds in Herzogenaurach radelten Kai Havertz und Antonio Rüdiger einträchtig nebeneinander auf den Ergometern. Freihändig. Fokussiert. Die beiden so grundverschiedenen Vize-Kapitäne der deutschen Nationalmannschaft bereiten sich auf ihr lang ersehntes Comeback vor der anstehenden Weltmeisterschaft vor. Während der Innenverteidiger Rüdiger als emotionaler Anführer agiert, verkörpert Angreifer Havertz den leisen, aber effektiven Leader.

Zwei Karrieren, eine Führungsaufgabe

Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte mit der Ernennung der beiden zu Co-Kapitänen im Spätsommer 2024 überrascht. Heute zeigt sich der Plan des auf Rollenprofile spezialisierten Trainers deutlich. Im Schatten von Kapitän Joshua Kimmich übernehmen die Stellvertreter im WM-Konzept von Nagelsmann komplett unterschiedliche Aufgaben. Während Rüdiger oft knapp an der Vertretbarkeitsgrenze agiert, pusht und provoziert, ist Havertz der softe Leader - der Nice Guy, dessen großes Herz auch für Tiere schlägt.

„Toni kenne ich sehr, sehr lang schon, habe mit ihm zusammen bei Chelsea gespielt und habe mit ihm dort auch sehr, sehr viel Zeit verbracht“, erzählte Havertz bei der DFB-Pressekonferenz. Der 26-Jährige zeigte sich dankbar für den im Profifußball nicht selbstverständlichen Zuspruch seiner Kollegen während seiner verletzungsbedingten Pause seit November 2024.

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Spezielle Sympathien und tierische Vorlieben

Während Rüdiger der emotionale Motor der Mannschaft ist, bringt Havertz eine andere Qualität ein. Der Arsenal-Angreifer sprach warmherzig über seine ungewöhnliche Liebe zu Eseln: „Das sind sehr, sehr ruhige Tiere, so ein bisschen wie ich. Und deswegen, keine Ahnung, Liebe war immer da“. Dafür müsse er auch in der Nationalmannschaft manchen Witz einstecken, doch diese charakterliche Besonderheit macht ihn zu einem einzigartigen Teammitglied.

Mit der Rückkehr des international erfahrenen Duos - beide teilen sich die Champions-League-Erfolge mit Chelsea aus dem Jahr 2021 - hält wieder eine andere hierarchische Qualität Einzug bei der Nationalmannschaft. Zuletzt war aus der Führungsriege nur noch Kimmich übrig, da auch die Mannschaftsräte Marc-André ter Stegen, Niclas Füllkrug und der nun wieder nominierte Pascal Groß gefehlt hatten.

Unterschiedliche Aufgaben in der Team-Hierarchie

Rüdiger und Havertz werden bei der Entwicklung des von Kimmich vehement eingeforderten WM-Teamgeistes wichtige, aber unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Havertz' spezieller Wert abseits seiner großen offensiven Flexibilität auf dem Platz ist dabei auf den ersten Blick schwerer zu erkennen.

„Es ist klar, dass ich natürlich jetzt kein lautstarker Spieler bin, der in der Kabine die großen Ansprachen hält, das weiß, glaube ich, jeder. Aber es gibt auch Spieler, die einfach dann hoffentlich mit der Leistung vorneweg gehen, und da zähle ich mich auf jeden Fall dazu, einfach weil ich die Erfahrung habe“, erklärte der 55-malige Nationalspieler, der mit 20 Toren hinter Serge Gnabry (25 Tore) die zweitmeisten im aktuellen Kader für Deutschland erzielt hat.

Nagelsmanns Vertrauen und neue Offensivkraft

Bundestrainer Julian Nagelsmann war von Anfang an ein überzeugter Havertz-Fan. Trotz Verwunderung und Kritik setzte er ihn im misslungenen Spätherbst 2023 gegen die Türkei (2:3) und in Österreich (0:2) sogar als eine Art Linksverteidiger ein - Kritik daran verbat er sich energisch. Jetzt ist Havertz wieder im Offensivverbund gesetzt, wo er in den Testspielen gegen die Schweiz und Ghana mit den anderen England-Profis Florian Wirtz und Nick Woltemade wirbeln soll.

Kommt das Wort auf die breit diskutierten Start- und Formschwierigkeiten der Kollegen in der Premier League, wird Havertz deutlich: Beide hätten mit Leistung überzeugt. „Mich hat es persönlich überrascht, weil ich persönlich weiß, wie schwer es ist, nach England zu wechseln, auch einen Club zu wechseln, vor allem für so viel Geld“, sagte Havertz, der 2020 für die damalige Rekordsumme von 100 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zu Chelsea gewechselt war.

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Vor dem ersten Test-Länderspiel des Jahres am Freitag im Basler St. Jakob Park gegen die Schweiz (20.45 Uhr/RTL) stehen beide Spieler nach einem Tag Belastungsteuerung in Franken wieder voll im Training. Ihr gemeinsames Ziel ist klar: das deutsche Team optimal auf die WM vorzubereiten - jeder auf seine ganz eigene, unverwechselbare Art und Weise.