Ex-Europameister Helmer analysiert Nagelsmanns Kader-Entscheidungen
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat seinen Kader für die bevorstehenden Test-Länderspiele gegen Ghana und die Schweiz bekannt gegeben. Der Aufgebot umfasst zwei Neulinge und sechs Rückkehrer, was für einige Diskussionen sorgt. Im exklusiven Interview mit SPORT1 äußert sich Thomas Helmer, Europameister von 1996, zu den Überraschungen und den hitzigsten Konkurrenzkämpfen innerhalb des Teams.
Überraschungen und feste Größen im Tor
Für Helmer ist die Nominierung des Torhüters Jonas Urbig keine Überraschung. „Er ist super stabil geworden, spielt für die Bayern in der Champions League. Und das auch noch sehr gut“, erklärt der Experte. Er sieht Urbig nicht nur als Nummer drei, sondern als ernsthaften Konkurrenten für Alexander Nübel um die Position des zweiten Torwarts. Klare Nummer eins bleibt für ihn Oli Baumann, der seine Klasse in den letzten Lehrgängen und Länderspielen eindrucksvoll unter Beweis gestellt habe.
Die größte Überraschung und fehlende Spielertypen
Als größte Überraschung im Kader nennt Helmer Josha Vagnoman. „Ehrlicherweise hatte ich ihn gar nicht mehr so richtig auf dem Schirm“, gesteht er. Diese Nominierung zeige jedoch auch die begrenzten Optionen auf bestimmten Positionen, wie den Außenverteidigern. Neben Joshua Kimmich und David Raum gebe es dort nicht viele Alternativen.
Besonders kritisch sieht Helmer die Situation im Sturm. Trotz der Nominierung von Deniz Undav, den er als absolut unstrittig betrachtet, fehle Deutschland ein klassischer Zielspieler. „Für ganz vorne fehlt eigentlich einer“, betont er und nennt Namen wie Niclas Füllkrug oder Robert Kleindienst, die derzeit jedoch keine optimale Phase erlebten.
Der hitzige Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung
Am interessantesten findet Helmer den Wettbewerb in der Innenverteidigung. Antonio Rüdiger, Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck liefern sich ein enges Rennen. „Rüdiger ist einfach ein Typ, der wahnsinnig polarisiert“, sagt Helmer. Sportlich sei die Situation spannend, doch er bezweifle, dass Rüdiger einen Stammplatz habe. Nagelsmann habe Schlotterbeck zuletzt gelobt, und Tah habe sich nichts zuschulden kommen lassen.
Bayern-Achse und WM-Perspektive
Mit sieben nominierten Spielern und Jamal Musiala, der im Sommer wieder eine Rolle spielen werde, bildet der FC Bayern eine wichtige Stammachse für die Nationalmannschaft. Helmer lobt die Mentalität der Bayern, die selbst in Freundschaftsspielen gewinnen wollten, und sieht Trainer Vincent Kompany als Schlüsselfaktor.
Zur WM-Perspektive äußert sich Helmer vorsichtig optimistisch. „Ich glaube, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben“, sagt er, räumt aber ein, dass andere Nationen qualitativ in der Breite besser aufgestellt seien. Dennoch stehe Musiala außer Frage im WM-Kader, selbst wenn er zum Turnierstart nur bei 90 Prozent sei.



