Kasper Hjulmand (54) wirkte am Freitagmittag in der BayArena entspannt und aufgeräumt. Statt in Bayer-Trainingsklamotten saß der Däne im grauen Pulli vor den Medien. Es war seine 96. Pressekonferenz als Leverkusener Trainer – und was er sagte, klang bereits wie eine Abschiedsrede.
Hjulmand blickt auf die Saison zurück
„Ich kam im September hierher, es ist sehr viel passiert. Wir haben alles versucht, um eine gute Saison zu spielen. Wir hatten einen großen Umbruch und ich bin sehr zufrieden mit unserer Arbeit und unseren Leistungen“, erklärte Hjulmand. Auf die Frage von BILD, ob er am Samstag gegen Hamburg zum letzten Mal in der Bundesliga auf der Bayer-Bank sitzen würde, antwortete er lächelnd: „Das sagst du. Und du weißt sehr viel. Aber ich weiß nur, dass ich 100 Prozent auf dieses Spiel fokussiert bin. Meine Aufgabe ist es, den Spielern und der Mannschaft zu helfen, dieses Spiel zu gewinnen – und dann sehen wir, was passiert. Darin liegen meine Konzentration und Energie. Es ist noch nicht vorbei.“ Damit meint Hjulmand den Ferndreikampf mit Stuttgart und Hoffenheim um die Champions League.
Zukunft offen, aber Hjulmand bleibt gelassen
In Richtung der Journalisten meinte Hjulmand über seine Zukunft: „Ich spekuliere nicht, das ist etwas für euch. Nach dem Spiel haben wir Gespräche und dann sehen wir, was passiert.“ Der Coach stellte klar, dass er gerne in Leverkusen weitermachen würde: „Ja, ich habe einen Vertrag. Ich bin sehr, sehr froh hier. Natürlich gibt es immer Dinge in den Prozessen, jeden Tag in unserer Art und Weise der Zusammenarbeit, die wir verbessern können. Ich sehe sehr viel Potenzial in diesem Verein und in diesem Kader. Viele Spieler haben erstmals in der Bundesliga, erstmals in Europa, erstmals beim Afrika Cup und erstmals in der Nationalmannschaft gespielt. Ich glaube, die Zukunft sieht sehr gut aus für die Mannschaft – egal, was passiert.“
Hjulmand betonte, dass ihm das Erreichen der Europa League nicht reichen würde. „Ich bin nie zufrieden. Wir haben in unserem Verein das Ziel, in der Champions League zu spielen. Die letzten beiden Saisons mit einer Meisterschaft haben natürlich Erwartungen geweckt. Jeder spricht von Xabi (Alonso; d. Red.). Er hat eine hervorragende Arbeit gemacht. Er war auf Platz 6 mit 50 Punkten in der ersten Saison. Und natürlich wünschen wir uns alle, in den Top 4 zu spielen. Aber es ist auch eine Saison mit großem Umbruch, das muss ich sagen.“
Der schwierigste Job? Hjulmand genießt es
Hjulmand meint konkret: „Sieben Spieler aus der Startelf der letzten Saison sind gegangen, 15 neue Spieler und zwei Trainer sind gekommen. Ich bin zufrieden mit unseren Leistungen, mit unseren Prozessen im Kader, mit den Spielern, meinem Staff und der Qualität unseres Fußballs. Es fehlen uns vier, fünf Punkte.“ Auf die Frage, ob Leverkusen für Hjulmand der schwerste Job seiner Trainerlaufbahn war, erklärte er: „Es ist super. Ich habe es genossen. Es ist hart. Du bist in einem Tunnel. Es gibt nichts anderes als diesen Job. Kein soziales Leben, viel Arbeit und sehr viel Fußball. Aber ich liebe diesen Job und ich finde, dieser Verein ist fantastisch. Schwerster Job? Das weiß ich nicht. Es war nicht einfach, Nationaltrainer zu sein, aber es war natürlich anders.“
Hjulmand ist auf jeden Fall mit sich im Reinen: „Es ist schwierig, eine Fußballmannschaft aufzubauen. Wie gesagt: Wir haben sehr, sehr gut gearbeitet, sehr viele gute Spiele gemacht und sehr hohe Qualität auf dem Platz gezeigt. Das ist auch etwas, was ich von anderen Trainern aus ganz Europa höre. Sie sagen, dass sie das ganz klar sehen würden.“ Auf die Frage, ob er nach der Station in Leverkusen erhobenen Hauptes zurück nach Dänemark fahren würde, erwiderte Hjulmand: „Ach, das ist viel zu früh. Wir spielen morgen (Samstag; d. Red.) ein wichtiges Spiel. Das ist mein Fokus.“ Die Pressekonferenz nach dem HSV-Spiel wird wohl seine 97. und letzte als Bayer-Trainer sein.



