Hjulmands sanfte Hand: Fehlt dem Leverkusen-Trainer das nötige Führungs-Gen?
Seit 34 Pflichtspielen steht Kasper Hjulmand (53) an der Seitenlinie von Bayer 04 Leverkusen. Der Vertrag des dänischen Trainers läuft noch bis zum Jahr 2027. Auf den ersten Blick wirkt seine Bilanz durchaus ordentlich: Im Schnitt holt seine Mannschaft 1,88 Punkte pro Spiel. Die Werkself steht im Achtelfinale der Champions League und hat das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht. Die erneute Qualifikation für die Königsklasse ist weiterhin möglich.
Die Kehrseite der Medaille: Stagnation nach dem Jahreswechsel
Doch zur gesamten Wahrheit gehört ein ernüchternder Fakt: Seit dem Jahreswechsel 2026 ist bei Bayer Leverkusen keine erkennbare sportliche Entwicklung mehr zu erkennen. Die Mannschaft agiert wie ein Durchschnittsteam, oft ideenlos und ohne die nötige Offensiv-Power. Hjulmand selbst musste in den vergangenen Wochen immer wieder eingestehen: „Wir sind nicht zufrieden mit unserer Leistung. Uns fehlen Energie und Intensität. Wir müssen besser spielen.“
Von den 13 absolvierten Spielen im Jahr 2026 konnten nur drei durchgehend überzeugen: der 3:0-Sieg gegen Villarreal, das 4:0 gegen St. Pauli und der 2:0-Erfolg in Piräus. Der Einbruch nach der Winterpause bleibt rätselhaft. Zu Weihnachten stand Leverkusen noch auf Platz 3 der Tabelle. Die fehlende Intensität wurde spätestens mit der 1:4-Niederlage gegen Stuttgart zu einem Dauerproblem.
Die Frage nach dem Führungsstil: Zu lieb für den Bayer-Job?
Warum bekommt Hjulmand seine Mannschaft derzeit nicht in die Spur? Eine mögliche Erklärung liegt im Charakter des Trainers. Ohne Zweifel wird der Däne im Klub für seine menschlichen Qualitäten sehr geschätzt. Nach dem Desaster unter seinem Vorgänger Erik ten Hag war er der Richtige, um die Scherben aufzukehren – und das ohne Vorbereitung und ohne einen eigenen Co-Trainer mitzubringen.
Doch genau dieser sanfte Führungsstil könnte nun zum Problem werden. Klub-Boss Fernando Carro (61) polterte zuletzt nach dem enttäuschenden Spiel gegen Mainz in der Kabine in Richtung der Stars: „Aufwachen!“ Eine solche deutliche Ansage wäre eigentlich die Aufgabe des Trainers. Jedoch entspräche es nicht Hjulmands Naturell, plötzlich richtig laut zu werden. Nur nach dem 1:1 in Gladbach kritisierte er sein Team einmal öffentlich.
„Ich schreie Leute nicht an“ – Hjulmands Credo
Schon bei seiner Präsentation in Leverkusen am 10. September 2025 hatte der ehemalige dänische Nationaltrainer seinen Führungsansatz klar umrissen: „Ich schreie Leute nicht an. Ich muss Menschen nicht zerstören, um zu zeigen, dass ich ein starker Leader bin.“ Niemand erwartet, dass Hjulmand sich nun verstellt oder seine Persönlichkeit verleugnet.
Aber etwas mehr von dem, was man im Klub intern scherzhaft das „Carro-Gen“ nennt – also die direkte, unmissverständliche Art des Klub-Bosses –, täte ihm und seiner Mannschaft in der aktuellen Situation möglicherweise sehr gut. Schließlich geht es um die hochgesteckten Ziele und Ambitionen des Vereins. Und letztlich, das bleibt unausgesprochen, auch um Hjulmands eigenen Job.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der sanfte Däne den richtigen Weg findet, um seine Mannschaft aus der aktuellen Leistungskrise zu führen. Die Erwartungen in Leverkusen sind hoch, die Geduld möglicherweise begrenzt.



