Ein WWE-Moment für die Ewigkeit: Hogan vs. Rock
Heute vor 24 Jahren, am 17. März 2002, inszenierte die WWE mit dem Match zwischen Hulk Hogan und Dwayne „The Rock“ Johnson bei WrestleMania X-8 möglicherweise das denkwürdigste Duell ihrer Geschichte. Zu einem Zeitpunkt, als Hogans Ruf bereits als ruiniert galt, bewies die Legende noch einmal ihre unvergleichliche Magie und begeisterte die Fans auf unerwartete Weise.
Ein Comeback gegen alle Widerstände
Die weit verbreitete Meinung unter Wrestling-Fans im Jahr 2002 war eindeutig: Es kann nicht gutgehen, Hulk Hogan zurückzuholen. Der Mann, dessen Popularität die WWE in den achtziger Jahren zur Weltmarke gemacht hatte, galt damals für viele als abgewirtschaftet. Lange vor dem späteren Rassismus-Skandal hatte sich das Image der im vergangenen Jahr verstorbenen Ikone bereits zum Negativen gewandt.
Der einstige Liebling der Nation wurde von seinen früheren Verehrern als verkommener Egomane wahrgenommen, der nur auf den eigenen Vorteil aus sei. Zudem sah man ihn als einen der Hauptverantwortlichen für den Untergang des WWE-Konkurrenten WCW, zu dem Hogan 1994 gewechselt war und der 2001 nach einem zwischenzeitlichen Boom spektakulär gescheitert war – nicht ohne Hogan zuvor unwürdig zu entlassen.
Die Vorbereitung und die kritischen Stimmen
Anfang 2002 begann die WWE – damals noch unter dem Kürzel WWF – das unwahrscheinliche Comeback vorzubereiten. Knapp neun Monate nach dem Aufkauf von WCW und nur wenige Wochen nach dem gescheiterten Invasions-Storyline mit den übernommenen Stars wurde bekannt, dass die Liga Verhandlungen mit Hogan sowie den NWO-Mitgründern Kevin Nash und Scott Hall aufgenommen hatte.
Das anfängliche Echo auf diese Enthüllung war verheerend. „Reporter und Fans sind sich nahezu einig in ihrer Verdammung des Schachzugs, das Trio zu verpflichten“, fasste das kanadische Fachportal Slam Wrestling die Stimmung zusammen. Hogan, Hall und Nash hätten einen Ruf als Meister der Manipulation und Backstage-Politiker, sie seien körperlich über ihrem Zenit. Die geplante Rückholaktion wurde als kolossaler Fehler und als Zeichen mangelnden Gespürs für die Wünsche der Fans kritisiert.
Der magische Moment in Toronto
Doch WWE-Boss Vince McMahon ließ sich nicht beirren und einigte sich mit Hogan, Hall und Nash auf eine Rückkehr rechtzeitig vor der Megashow WrestleMania X-8. Er inszenierte eine Fehde der wiedervereinten Originalbesetzung der NWO mit den Topstars The Rock und „Stone Cold“ Steve Austin, die in einem „Dream Match“ gipfelte: dem als „Icon vs. Icon“ vermarkteten Duell der Generationen zwischen Hogan und dem 19 Jahre jüngeren Rock.
Was dann geschah, ist in Worten schwer zu beschreiben. Der Ausdruck Magie erscheint überhöht, doch nichts trifft es besser. In dem Moment, als Hogan dem Rock vor rund 68.000 Fans im SkyDome von Toronto gegenübertrat – demselben Ort, an dem er 1990 sein legendäres Match mit dem Ultimate Warrior bestritten hatte –, verflog aller Groll.
Hogan, eigentlich in seiner alten WCW-Rolle als Bösewicht „Hollywood Hogan“ ins Match gegangen, erhielt einen Heldenempfang, der nicht enden wollte. Die Kraft dieses Moments und die fesselnde Aura der beiden Superstars schufen etwas Einzigartiges.
Ein Match, das Geschichte schrieb
Nach objektiven Maßstäben war das Match zwischen Hogan und Rock nicht herausragend. Die beiden kombinierten ihre Standardaktionen, am Ende siegte The Rock nach drei Rock Bottoms und dem People’s Elbow. Doch die Atmosphäre, in der all dies geschah, war pure Magie.
Die WWE-Führung hatte entgegen allen Unkenrufen das Gespür bewiesen, die Besonderheit des Moments vorauszuahnen – und schloss gleich die logische Anschlussgeschichte an: Hall und Nash wandten sich nach dem Match gegen Hogan, Rock kam zurück, um dem Altmeister zu helfen und sich erneut feiern zu lassen. Das Comeback der „Hulkamania“ war vollendet.
Nachwirkungen und bleibendes Vermächtnis
Der Erfolg dieser Inszenierung führte dazu, dass Hogan noch eine letzte Regentschaft als WWE-Champion erhielt – die bei Backlash mit einem Sieg über Triple H begann und 28 Tage später mit einer Niederlage gegen den Undertaker endete. Wer länger dranblieb, weiß jedoch: Der Gesamtertrag des Comebacks von Hogan, Nash und dem 2022 verstorbenen Hall war letztlich zwiespältig, und Hogans schlechter Ruf holte ihn bei späteren Fehden gegen Shawn Michaels und Randy Orton wieder ein.
Dennoch bleibt das Match Hogan gegen Rock, der magische Moment von Toronto, unauslöschlich im Gedächtnis als Krönung von Hogans Vermächtnis und als einer der denkwürdigsten WWE-Momente überhaupt. Diese Meinung teilt auch der amtierende WWE-Champion Cody Rhodes, der sich selbst auf ein großes WrestleMania-Duell der Generationen vorbereitet.
In einem Social-Media-Q&A antwortete Rhodes 2018 auf die Frage nach dem größten Wrestling-Match der Geschichte: „Hogan vs. Rock. Ich traue keinem, der was anderes behauptet.“ Ein Statement, das die historische Bedeutung dieses legendären Aufeinandertreffens unterstreicht.



