Der beispiellose Absturz: Warum der italienische Fußball um seine Zukunft kämpft
Italienischer Fußball: Absturz einer großen Nation

Der beispiellose Absturz einer Fußball-Großmacht

So grandios der 6:1-Sieg des FC Bayern München bei Atalanta Bergamo in dieser Woche auch ausfiel, so desaströs präsentiert sich mittlerweile der italienische Fußball insgesamt. Die Königsklasse muss erneut ohne Vertreter aus Italien auskommen, nachdem Atalanta um Marten de Roon gegen die Bayern unterging.

Die alarmierenden Fakten der Krise

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In der Champions League ist schon wieder kein italienischer Klub mehr vertreten. Die stolze "Squadra Azzurra", die viermalige Weltmeistermannschaft, konnte sich für die letzten beiden Weltmeisterschaften nicht einmal qualifizieren. Ob der viermalige Titelträger im Sommer bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada wieder dabei sein wird, steht buchstäblich in den Sternen. Italien muss sich in den Playoffs ab Ende März noch gegen Nordirland, Wales und Bosnien-Herzegowina durchsetzen.

Eine historische Hassliebe

Für deutsche Fußballfans verbindet seit Jahrzehnten eine besondere Beziehung mit dem italienischen Fußball. Väter schimpften wie Rohrspatzen, wenn im Fernsehen Italiener spielten - über angebliches Mauern, vorgetäuschte Verletzungen und Zeitvergeudung. Doch gleichzeitig war Italien für Spieler stets das gelobte Land.

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Schon in den 1960er Jahren gingen deutsche Nationalspieler wie Schnellinger, Haller und Szymaniak über die Alpen. Franz Beckenbauer musste damals zu Hause bleiben, weil sich die Italiener zwischen 1964 und 1980 eine Ausländersperre auferlegten, um ihre eigene Nationalmannschaft zu stärken.

Italien als Fußball-Mekka

1970 gewannen die Italiener im WM-Halbfinale in Mexiko mit 4:3 nach Verlängerung gegen Deutschland - ein Spiel, das bis heute als "Jahrhundert-Spiel" verehrt wird. In den folgenden Jahrzehnten war Italien der unbestrittene Nabel der Fußballwelt.

Karl-Heinz Rummenigge wurde zum ersten deutschen Superstar, der zu Inter Mailand wechselte. Diego Maradona zauberte in Neapel. Und als Deutschland 1990 in Rom Weltmeister wurde, waren im Kader ganze 10 Spieler, die Italien-Legionäre waren oder wurden: von Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann bei Inter bis zu Rudi Völler bei der AS Rom.

Die Gründe des Zusammenbruchs

Wie konnte diese schöne, bunte Fußballwelt zusammenstürzen? Während Franz Beckenbauer 2006 mit dem Sommermärchen und modernen Stadien den deutschen Fußball runderneuerte, versäumten die Italiener diese Chance nach ihrer WM 1990. Die Stadien sind heute marode, die Ultra-Problematik kaum noch lösbar, und Wettskandale sowie Schiedsrichter-Bestechungen haben die Serie A nachhaltig erschüttert.

In der Nachwuchsarbeit wurden gravierende Fehler gemacht, sodass es für Legenden wie Roberto Baggio, Paolo Maldini, Andrea Pirlo, Francesco Totti, Franco Baresi oder Alessandro Del Piero keine würdigen Nachfolger gibt. Die finanziellen Möglichkeiten schrumpften, während andere Ligen aufholten.

Die Hoffnung auf einen italienischen Sommer

"Un'estate italiana" hieß die WM-Hymne von Gianna Nannini 1990 - "Ein italienischer Sommer". Viele Fußballfans hoffen inständig, dass dieser Song in diesem Sommer wieder gesungen werden kann. Denn eine Weltmeisterschaft ohne Italien bleibt nur eine halbe Weltmeisterschaft. Der italienische Fußball steht an einem historischen Wendepunkt - und die gesamte Fußballwelt blickt mit Sorge und Hoffnung zugleich auf die Entwicklung.

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