Judo-Star Igor Wandtke legt Amt als Athletensprecher nieder
Die deutsche Judo-Szene wird von einem unerwarteten Rücktritt erschüttert. Igor Wandtke (35), dreimaliger Olympiateilnehmer und Bronzemedaillengewinner von Tokio 2020, hat sein Amt als Athletensprecher des Deutschen Judo-Bunds überraschend niedergelegt. Dies geht aus einem zweiseitigen Schreiben hervor, das in Athletenkreisen kursiert und exklusiv vorliegt.
Rücktritt aus Gründen der Integrität
In dem Dokument erklärt Wandtke seine Entscheidung mit deutlichen Worten: „Nach intensiver persönlicher Reflexion bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich mein Amt als Athletenvertreter unter den bestehenden Rahmenbedingungen nicht länger im Einklang mit meinen persönlichen Werten sowie meinem Verständnis von Integrität und verantwortungsvoller Interessenvertretung ausüben kann.“ Der mehrfache WM-Medaillengewinner betont, dass sein Rücktritt im Zusammenhang mit „bestehenden Verfehlungen“ innerhalb des Verbandes steht.
Vorwürfe gegen den Deutschen Judo-Bund
Laut Wandtke wurden diese Verfehlungen im Präsidium zwar „inhaltlich anerkannt und teilweise auch entsprechend eingeordnet“, blieben aber ohne ernsthafte Konsequenzen. Besonders kritisch sieht der Athlet den Umgang des Verbandes mit seinen Top-Sportlern. Er schildert einen konkreten Vorfall aus dem September 2025: „Ohne vorherige Kommunikation wurde mir mitgeteilt, dass ich zu keinen weiteren Maßnahmen der Nationalmannschaft eingeladen werde. Erst auf Nachfrage erhielt ich die Information, dass meine Zeit in der Nationalmannschaft beendet ist.“
Gleichzeitig wurde Wandtke aufgefordert, seinen Platz in der Sportfördergruppe bei der Bundeswehr eigenständig zu kündigen – obwohl im März 2025 eine Verlängerung ohne Leistungsnachweispflicht bis Oktober 2026 vereinbart worden war. Der Judoka betont jedoch, dass es ihm nicht um die sportliche Entscheidung gegen seine Person geht, sondern um die generelle Art und Weise des Umgangs mit Athletinnen und Athleten.
Fehlende Anerkennung von Fehlverhalten
Wandtke wirft dem Verband vor, dass Fehlverhalten seitens der Verantwortlichen bis heute nicht als solches anerkannt werde. Zudem habe man ihm wiederholt signalisiert, dass seine Position als gewählter Athletensprecher „nicht denselben Aufsichtscharakter wie die der übrigen Präsidiumsmitglieder habe“ – obwohl die Verbandssatzung eine Gleichstellung vorsehe.
Folgen für die Interessenvertretung
Der Olympia-Bronzemedaillengewinner äußert sich besorgt über die Auswirkungen dieser Zustände: „Wenn ein aktiver Athlet oder eine aktive Athletin das Amt nur unter der Sorge ausüben kann, dass daraus Nachteile für die eigene sportliche Laufbahn entstehen könnten, ist eine unabhängige und gewissenhafte Interessenvertretung nicht nachhaltig möglich.“
Sein Rat an andere Sportler fällt entsprechend zurückhaltend aus: „Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kann ich aktiven Athletinnen und Athleten daher nur eingeschränkt empfehlen, dieses Amt zu übernehmen, sofern sie beabsichtigen, ihre Rolle unabhängig, kritisch und mit der notwendigen Offenheit wahrzunehmen.“
Der Rücktritt von Igor Wandtke wirft ein Schlaglicht auf die internen Strukturen des Deutschen Judo-Bunds und dürfte die Diskussion über Transparenz und Athletenvertretung im deutschen Sport noch wochenlang befeuern. Die genannten Vorwürfe betreffen nicht nur Einzelfälle, sondern berühren grundsätzliche Fragen der Verbandskultur und des Umgangs mit Spitzensportlern.



