Monatelang wurde Vincent Kompany (40) für seine Arbeit beim FC Bayern München gefeiert. Nach dem Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Paris Saint-Germain (4:5, 1:1) gibt es nun jedoch deutliche Kritik am Meister-Trainer – insbesondere von Oliver Kahn (56), dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Vereins.
Kahn: „Ein Großteil der Mannschaft nicht auf Topniveau“
Der Torwart-Titan äußerte sich am Donnerstagabend in der Sky-Sendung „Triple – der Hagedorn-Fußballtalk“ deutlich: „Man muss zunächst einmal die Frage stellen: Was ist eigentlich passiert? Warum war gestern – mit Ausnahme von Manuel Neuer – ein Großteil der Mannschaft nicht in der Lage, das absolute Topniveau zu erreichen, das man braucht, um gegen Paris Saint‑Germain weiterzukommen?“ Er bezog sich dabei auf die Spiele zuvor und betonte: „Ich habe immer gesagt: Mir gefällt das überhaupt nicht.“
System von Kompany birgt zu viel Risiko
Kahn, der von Januar 2020 bis Mai 2023 im Vorstand der Bayern saß, führte weiter aus: „Vor dem Rückspiel gegen Paris hat Bayern in vier Spielen 13 Gegentore kassiert. Natürlich hieß es dann: Sie haben die Spiele trotzdem noch gedreht – 4:3 in Mainz gewonnen, drei Tore gegen Heidenheim (3:3) erzielt. Aber da hat man schon gesehen, wie viel Risiko das System von Vincent Kompany mit sich bringt. Und dann kommst du ans Ende der Saison, bist Meister geworden, und es zeigen sich erste Verschleißerscheinungen. Die Spannung lässt ein bisschen nach. Wenn in diesem System die Kontrolle und die Balance verloren gehen, sieht man sehr schnell, wie anfällig es wird.“
Zu viele Gegentore: Bayerns Defensive wackelt
Was Kahn mit seiner Kritik an Kompany und dessen Team meint: Die Münchner kassierten vor allem gegen Paris zu viele Konter-Gegentore, bei denen die Restverteidigung mangelhaft war – zum Beispiel beim 0:1 im Rückspiel am Mittwoch in der Allianz Arena. Dazu mussten die Bayern, die mit irren 175 Toren in 52 Saisonspielen über weite Strecken begeisterten, in den vergangenen zehn Pflichtspielen seit April 20 Gegentreffer hinnehmen – also im Schnitt zwei pro Spiel (61 in der Saison insgesamt). Für Kahn ist das eindeutig zu viel.
Kahn: „Probleme und Fehler überdeckt“
Der Ex-Nationalspieler (86 DFB-Länderspiele) ergänzte: „Wahrscheinlich hat man sich ein Stück weit etwas vorgemacht. Wenn du viele Gegentore bekommst und trotzdem gewinnst, werden Probleme und Fehler überdeckt. Vielleicht hat sich die Mannschaft dadurch zu sehr in Sicherheit gewiegt und gedacht: Es wird schon wieder funktionieren, wir schießen sowieso mindestens ein oder zwei Tore. Das ist halt diese Grundeinstellung.“
Fehlende Kontrolle: Vergleich mit Arsenal
Kahn vermisst bei Bayern vor allem die Kontrolle über das Spiel: „Wenn man sich andere Spiele anschaut, zum Beispiel Arsenal gegen Atlético, haben viele Leute gesagt: Das war langweilig. Und dann hieß es, das Bayern‑Spiel sei viel besser gewesen. Ja, von der Attraktivität war das großartig. Aber das ist genau das, was ich mit Kontrolle meine. Wenn du ganz oben in der Champions League Erfolg haben willst, musst du Spiele über weite Strecken kontrollieren.“ Im anderen Halbfinale setzte sich Arsenal gegen Atlético Madrid (1:1, 1:0) durch. Im Finale in Budapest (30. Mai) trifft dann der Hurra-Fußball von PSG auf das taktisch geprägte Team von Mikel Arteta (44).



