Nach der überraschenden 1:2-Niederlage im letzten WM-Gruppenspiel gegen Ecuador hat DFB-Kapitän Joshua Kimmich deutliche Kritik an der Einstellung seiner Mannschaft geübt. Trotz des bereits feststehenden Gruppensieges und des Einzugs ins Achtelfinale sorgte die Leistung der Nationalmannschaft für Diskussionsbedarf. Kimmich zeigte sich sichtlich angefressen und sprach Klartext: „Was mich am meisten ärgert, ist, dass man das Gefühl hatte, dass der Gegner mehr gewinnen wollte als wir.“
Kimmichs Hauptkritik: Mangelnder Siegeswille
Der Bayern-Star bemängelte vor allem die fehlende Griffigkeit und den Siegeswillen im Vergleich zum Gegner. „Dass der Gegner, unabhängig von der Konstellation, griffiger ist und mehr auf Sieg spielt als wir das wollen“, so Kimmich weiter. Er ergänzte: „Man hat natürlich gemerkt, dass der Gegner das Spiel gewinnen musste, das Spiel gewinnen wollte – und das am heutigen Tag definitiv mehr als wir.“ Die Aussagen des Kapitäns spiegeln die allgemeine Unzufriedenheit im Team wider, obwohl die sportliche Zielsetzung – der Gruppensieg – bereits erreicht war.
Nagelsmann und Neuer widersprechen: „Vollgas gegeben“
Bundestrainer Julian Nagelsmann reagierte gereizt auf die Kritik und wies die Vorwürfe zurück. Auf die Frage, ob das Team aufgrund des sicheren Gruppensiegs das letzte Prozent Engagement vermissen ließ, antwortete er: „Nein, bitte hört auf mit dem Quatsch, ehrlich. Haben die Jungs heute nicht Vollgas gegeben?“ Nagelsmann räumte ein, dass Ecuador mehr Risiko genommen habe, betonte aber: „Ich kann keinem Spieler sagen, er hat nicht Gas gegeben. Das ist mir viel zu plakativ.“ Auch Torwart Manuel Neuer schloss sich dieser Einschätzung an: „Der Druck lag aufseiten der Ecuadorianer. Wir standen vorher schon als Gruppensieger fest. Dennoch ist es ein WM-Spiel und wir wollen jedes Spiel gewinnen. Wir haben heute nicht unsere beste Leistung gezeigt, aber ich kann keinem unterstellen, dass er nicht alles gegeben hat.“
Ausblick auf das Achtelfinale: Analyse gefordert
Die Diskussion um die Einstellung des Teams beschäftigt auch die Fans, die nun eine deutliche Leistungssteigerung erwarten. Am kommenden Montag (22.30 Uhr MESZ) steigt in Boston das erste K.o.-Spiel, der Gegner steht noch nicht fest. Kimmich kündigte an: „Erstmal müssen wir eine Analyse machen und die Dinge ansprechen, die wir nicht gut gemacht haben. Das wird der Trainer auch sicherlich tun.“ Die Mannschaft steht unter Druck, die schwache Vorstellung gegen Ecuador schnell zu vergessen und im Achtelfinale eine konzentrierte Leistung abzurufen.



