Kimmichs Traumtor als Antwort an Kritiker
Formdelle? Was für eine Formdelle! Joshua Kimmich konterte seine Kritiker auf perfekte Weise mit einem entscheidenden Siegtreffer zum 3:2 für Bayern München im Signal-Iduna-Park gegen Borussia Dortmund. Der Kapitän der Münchner, der den verletzten Manuel Neuer vertrat, sorgte in der Schlussphase für den Matchwinner und übernahm damit sogar die Rolle von Torjäger Harry Kane, der zwar einen Doppelpack erzielt hatte, aber nicht den entscheidenden Treffer beisteuerte.
Ein besonderer Moment in Dortmund
"Ich schieße ja generell nicht so viele Tore, deswegen nehm' ich jedes Tor sehr gern mit. Und in Dortmund so spät das 3:2 zu machen, das ist schon was ganz Besonderes", erklärte der 31-jährige Sechser nach dem Spiel. Für einen Spieler mit seinem Aufgabenprofil, der eher selten in Abschlusssituationen im Strafraum steht, war dies erst sein zweites Bundesligator dieser Saison und insgesamt nur das 32. Tor in nun 316 Bundesligaspielen.
Dass es zu einem solchen Traumtor wurde, beschrieb Kimmich als spontane Aktion: "Ich habe mich lediglich darauf konzentriert, den Ball vernünftig zu erwischen, da ist nicht viel mit Zielen". Bereits zum zweiten Mal traf er in Dortmund als Siegtreffer - zuvor hatte er im Mai 2020 während der Corona-Pandemie per Lupfer zum 1:0 getroffen, allerdings damals in einem Geisterspiel. Diesmal konnte er mit den Fans in der Kurve feiern, wobei der Jubel so groß war, dass sich der schwarz-gelbe Stoff von der Eckfahne löste.
Die kuriose Trainingsgeschichte
Besonders pikant war die Vorgeschichte des Traumtors, die Kimmich im ZDF-Interview enthüllte: "Ich habe am Freitag in der Abschlusseinheit speziell meinen linken Fuß trainiert. Ich habe versucht, mit links das Tor zu treffen. Es ist mir nicht gelungen, ich wurde verspottet. Also habe ich mir den ein oder anderen Spruch anhören müssen. Die Kollegen haben gesagt: 'Komm', geh' lieber rein!' Daher tut das heute ganz gut."
Als "Linker" taugt Kimmich offenbar nur, wenn es wirklich darauf ankommt. Mit seinem linken Fuß traf er perfekt ins Tor und besiegelte damit den wichtigen Auswärtssieg für die Bayern.
Vom Formtief zum Taktgeber
Dass Kimmich zuletzt eine kleinere Formdelle durchlebte und nach dem 3:2 gegen Eintracht Frankfurt wegen seiner zu riskanten Spielweise vor dem eigenen Tor Kritik erfahren hatte, schien der erfahrene Mittelfeldspieler locker weggesteckt zu haben. In Dortmund war es genau Kimmich, der das bayerische Aufbauspiel nach einer unterdurchschnittlichen ersten Halbzeit mit seinen präzisen Pässen und intelligenten Läufen deutlich forcierte.
"Wir wussten, dass es in der zweiten Halbzeit für die Dortmunder schwieriger wird, das Tempo hochzuhalten", analysierte Kimmich nach dem Spiel. "Die hatten harte Wochen hinter sich. Uns war bewusst, dass wir einen Vorteil haben werden, je länger das Spiel geht." Atalanta Bergamo hatte den Dortmundern in zwei anstrengenden Duellen alles abverlangt und sie schließlich aller Champions-League-Hoffnungen beraubt.
Lob vom Ex-Trainer
Besonders bemerkenswert war das Lob von BVB-Trainer Niko Kovac, unter dem Kimmich früher bei Bayern gespielt hatte: "Weltklasse" sei die Leistung des DFB-Kapitäns gewesen, schwärmte der Kroate. "Andere hauen das Ding unters Dach, er hau das Ding ins Tor." Kovac verwies auch darauf, dass Kimmich das 1:1 vorbereitet hatte und resümierte: "Unterm Strich war der kleine, aber feine Unterschied heute Jo Kimmich."
Auch Bayerns Sportdirektor Christoph Freund zeigte sich beeindruckt: "Ich habe zu Jo gesagt, dass das sein Stadion für besondere Tore ist", verriet er am späten Abend. Für Kimmich war es nicht nur ein wichtiger Siegtreffer, sondern auch eine persönliche Genugtuung gegenüber allen Zweiflern, die ihm zuletzt eine Formdelle attestiert hatten.



