Vierter Sieg unter Druck: Nürnbergs Muster setzt sich in Kiel fort
Wenn die Existenzfragen am lautesten werden, zeigt der 1. FC Nürnberg seine wahre Stärke. Vor dem Auswärtsspiel in Kiel stand dem Club nach nur einem Sieg aus den letzten sieben Partien das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Doch die Mannschaft von Trainer Miroslav Klose (47) reagierte erneut im entscheidenden Moment und sicherte sich einen überaus wichtigen 3:2-Erfolg.
Ein wiederkehrendes Erfolgsmuster in der Krise
Dieser Sieg in Schleswig-Holstein fügt sich nahtlos in ein bemerkenswertes Saisonmuster ein. Bereits nach dem desaströsen Saisonstart mit lediglich einem Punkt aus fünf Spielen musste am sechsten Spieltag gegen Bochum unbedingt ein Dreier her – Nürnberg lieferte und gewann 2:1. Wenig später stand Klose selbst vor dem Aus, doch vor dem Spiel in Düsseldorf zog der Club den Kopf aus der Schlinge mit einem 3:2-Erfolg. Und kurz vor Weihnachten wiederholte sich das Szenario: Nach nur einem Punkt aus drei Partien geriet der FCN tabellarisch unter Druck, die Antwort war ein 2:1-Sieg gegen Hannover.
Jetzt also der vierte Schicksalssieg in Kiel, ermöglicht durch einen überragenden Auftritt von Stürmer Mohamed Ali Zoma (23) und einem Doppelschlag von Julian Justvan (27). Besonders bemerkenswert: Dieser Erfolg passt eigentlich gar nicht zum bisherigen Auswärtsbild der Franken. Vor der Partie in Kiel hatte Nürnberg nur einen seiner vergangenen sechs Auswärtsauftritte gewonnen und war mit lediglich acht Punkten die statistisch schlechteste Auswärtsmannschaft der gesamten Liga.
Spieler bestätigen das Krisenmuster
Julian Justvan sagte nach dem Spiel mit einer gewissen Selbstironie: „Das darf eigentlich nicht sein, aber es ist im Moment einfach so, dass du diesen Arschtritt vielleicht auch brauchst, um dann einfach aufzuwachen.“ Torhüter Jan Reichert (23) pflichtete seinem Teamkollegen bei: „Schön wäre es, wenn wir nicht immer erst kurz vor dem Absaufen unsere Leistung bringen würden. Aber das spricht natürlich auch für die Mannschaft und unseren Zusammenhalt. Dass wir uns alle an der Ehre gepackt fühlen und den Karren dann doch noch vorzeitig aus dem Dreck ziehen.“
Trainer Miroslav Klose selbst kommentierte nüchtern: „In der Situation, in der wir uns befinden, ist es unheimlich wichtig, die Basics auf den Platz zu bringen.“ Und genau diese Grundlagen beherrschte sein Team im entscheidenden Moment erneut perfekt. Immer dann zu liefern, wenn es wirklich darauf ankommt – auch das ist letztlich eine besondere Form von Qualität, die in der engen 2. Bundesliga über Sieg und Niederlage entscheiden kann.
Ein Sieg mit Signalwirkung
Der Erfolg in Kiel hat für Nürnberg weit mehr als nur drei Punkte bedeutet. Er zeigt, dass die Mannschaft auch unter größtem Druck funktioniert und dass Trainer Klose seine Spieler in kritischen Phasen zu Höchstleistungen motivieren kann. In einer Liga, in der oft nur wenige Punkte über Aufstieg, Mittelfeld oder Abstieg entscheiden, könnte diese Fähigkeit, in Schicksalsspielen zu gewinnen, am Saisonende den entscheidenden Unterschied ausmachen.



