Kompany's emotionaler Anti-Rassismus-Appell bei Bayern: Scharfe Kritik an Mourinho
Kompany: Emotionaler Anti-Rassismus-Appell bei Bayern

Emotionaler Auftritt: Kompanys kraftvoller Appell gegen Rassismus

Ein denkwürdiger Moment bei Bayern München: Trainer Vincent Kompany (39) nutzte eine Pressekonferenz am Freitagvormittag für einen emotionalen und ausführlichen Appell gegen Rassismus im Fußball. Der Belgier mit kongolesischen Wurzeln reagierte damit auf den mutmaßlichen Rassismus-Vorfall um Real-Madrid-Star Vinícius Júnior (25) im Champions-League-Spiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid am vergangenen Dienstag.

Fast zwölf Minuten Monolog auf Englisch

Als ein Reporter Kompany zu dem Thema befragte, machte der Trainer deutlich, dass er danach keine sportlichen Fragen mehr beantworten und die Pressekonferenz beenden würde. Zuvor wurden noch zwei weitere Fragen gestellt, ehe sich Kompany des Themas annahm. Die Bedeutung, die er seiner Antwort beimaß, zeigte sich daran, dass er vom Deutschen ins Englische wechselte und sich ausführlich Zeit nahm für einen Monolog, der beeindruckende 11 Minuten und 54 Sekunden andauerte.

Kernpunkt seiner Ausführungen war der Umgang mit Rassismus im Fußball. Kompany begann mit voller Rückendeckung für Vinícius Júnior: „Ich habe es live gesehen. Wenn man die Aktion sieht, kann die Reaktion von Vinícius Junior nicht gefaked sein. Seine Reaktion ist emotional. Ich sehe keinen einzigen Vorteil für ihn, zum Schiedsrichter zu gehen und dieses ganze Elend auf seine eigenen Schultern zu laden.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Scharfe Kritik an José Mourinho

Besonders deutlich wurde Kompany in seiner Kritik an Benfica-Trainer José Mourinho (63): „Was nach dem Spiel passiert ist, ist sogar noch schlimmer gewesen. José Mourinho, der Anführer der Mannschaft, hat den Charakter von Vinícius Junior attackiert, indem er die Art seines Torjubels thematisiert hat. In Bezug auf Führung ist das für mich ein großer Fehler.“

Kompany kritisierte insbesondere Mourinhos Verweis auf Benfica-Legende Eusébio: „Obendrein nennt er den Namen von Eusébio. Er sagt, dass Benfica nicht rassistisch sein kann, weil der beste Spieler der Klubgeschichte Eusébio ist. Aber weiß er, was schwarze Spieler in den 60er Jahren durchmachen mussten?“

Der Bayern-Trainer verwies auf persönliche Erfahrungen: „Mein Vater ist eine schwarze Person aus den 1960ern, der damals seinen Weg gegangen ist. Damals war ihre einzige Option, still zu sein, nichts zu sagen, darüberzustehen und zehnmal besser zu sein, um ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das ist wahrscheinlich Eusébios Leben.“

Differenzierte Betrachtung trotz Kritik

Wichtig war Kompany jedoch zu betonen, dass er lediglich Mourinhos Umgang mit dem Thema, nicht aber den Portugiesen als Mensch verurteile: „Ich habe 100 Menschen getroffen, die mit José Mourinho gearbeitet haben und ich habe nie jemanden etwas Schlechtes über ihn sagen hören. Alle Spieler, die unter ihm gespielt haben, lieben ihn. Ich weiß also, dass er eine gute Person ist.“

Er fügte hinzu: „Ich verstehe, was er da getan hat, dass er für seinen Klub und seine Mannschaft kämpft – aber er hat einen Fehler gemacht. Das ist etwas, das in der Zukunft hoffentlich nicht noch einmal passieren wird.“

Das größere Rassismus-Problem im Fußball

Kompany weitete den Blick auf das generelle Rassismus-Problem im Fußball: „Vinícius ist in der Lage, etwas sagen zu können. Es gibt auch heutzutage noch viele Spieler in verschiedenen Ligen – auch in Europa – die keine Stimme haben.“

Er nannte konkrete Beispiele: „Es gibt Spieler in Ungarn, in Bulgarien und Serbien, die keine Chance haben, irgendeine Unterstützung zu bekommen, wenn ihnen etwas passiert und sie schwarz sind. Vini ist zumindest in einer Situation, in der er sich diesen Moment nehmen und protestieren kann – weil es vor ihm viele Leute möglich gemacht haben.“

Der Auftritt des Bayern-Trainers markiert einen bedeutenden Moment im Kampf gegen Rassismus im Fußball und zeigt, wie emotional und persönlich dieses Thema für Spieler und Trainer mit entsprechenden Erfahrungen ist. Kompanys Worte dürften die Diskussion über Rassismus im Sport weiter anheizen und unterstreichen die Notwendigkeit eines sensibleren Umgangs mit solchen Vorfällen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration