"Bestes Spiel, das ich als Trainer erlebt habe": Ist nach dem Jahrhundertspiel vor dem nächsten Spektakel? Das 4:5 im Halbfinal-Hinspiel des FC Bayern bei Paris Saint-Germain wird noch lange in Erinnerung bleiben, auch das Rückspiel verspricht Spektakel. Der FC Bayern glaubt an die Kraft der Allianz Arena. Patrick Strasser | 29. April 2026 - 09:43 Uhr
Bayern-Coach Vincent Kompany: "Wir hätten mehr Tore erzielen können"
Wahnsinn! 5:4 aus Sicht von PSG-Trainer Luis Enrique, dem Titelverteidiger. 4:5 aus Sicht von Bayerns Chefcoach Vincent Kompany, dem Herausforderer – und doch gerieten beide ins Schwärmen. Natürlich werden sie in den kommenden Sitzungen die Gegentorflut analysieren, die Fehler aufarbeiten.
Enrique: "Bestes Spiel, das ich als Trainer erlebt habe"
Aber wenn sie sich dabei für einen Moment zurücklehnen und durchatmen, werden sie feststellen: Sie waren nicht nur Augenzeugen dieses Spektakels, sie waren die Macher des besten und zugleich verrücktesten Fußballspiels der letzten Jahrzehnte. Das torreichste Champions-League-Halbfinale der Geschichte (seit Einführung des Wettbewerbs 1992/93) war für Enrique, 55 Jahre alt, einst Trainer des FC Barcelona und der spanischen Nationalmannschaft, seit Sommer 2023 bei PSG in der Verantwortung, "das beste Spiel, das ich als Trainer erlebt habe". Punkt.
Der Festakt des bisherigen 21. Jahrhunderts
Wenn das Halbfinale der WM 1970 in Mexiko, das Italien gegen Deutschland in der Verlängerung mit 4:3 gewann, als das Jahrhundertspiel des 20. Jahrhunderts gilt, war dieses 5:4 für PSG der Festakt des bisherigen 21. Jahrhunderts. Wer es gesehen hat, wird sich für immer erinnern, wo und mit wem er es gesehen hat. "Wenn zwei Mannschaften mit dieser Idee ein Spiel anfangen, dann kann das passieren", sagte Kompany recht nüchtern und verriet: "Ich hatte das Gefühl, dass so ein Spiel drin war." Der 40-Jährige ließ es geschehen, verhindern konnte er den Sturm- und Drang-Schlagabtausch auch nicht. Schon gar nicht als Tribünengast wider Willen, der die Partie zwischen zwei Analysten des FC Bayern verfolgte und nur begrenzt Kontakt zu seinen Assistenten an der Seitenlinie aufnehmen durfte. Der Innenraum und die Kabine waren ab der Ankunft im Stadion ohnehin tabu.
Kompany über seinen Platz auf der Tribüne: "Diese Erfahrung habe ich nicht genossen"
"Diese Erfahrung habe ich nicht genossen, es macht keinen Spaß", sagte ein sichtlich aufgewühlter Cheftrainer, der seine Emotionen nicht ausleben konnte. In einer Coaching-Zone kann man auch mal Dampf ablassen, seine Anspannung herausbrüllen. In einem Wort war es, so Kompany, eine "Katastrophe. Wenn ich diesen Sitzplatz in der Zukunft verhindern kann, werde ich alles dafür tun, dort nicht noch einmal sitzen zu müssen." Enrique schwärmte von einem "unglaublichen Rhythmus, beide Teams haben versucht, offensiv zu spielen und ihre Qualität zu zeigen. Ich denke, dass jeder Spaß an dem Spiel hatte. Ich bin glücklich, weil wir gewonnen haben." Und Bayern war glücklich, dass sie nicht höher verloren haben, weil sie nach dem 2:5 den Rückstand noch um zwei Tore verkürzen konnten. "Wenn du in einem Halbfinale der Champions League auswärts fünf Tore kassierst, dann war es das, dann ist es vorbei", sagte Kompany, "aber das Verrückte an diesem Spiel ist: Wir haben auswärts hier in Paris vier Tore erzielt und ich denke, wir hätten mehr Treffer erzielen können." Klingt komisch, war aber so.
FC Bayern gibt sich optimistisch für das Rückspiel
Normalerweise hassen Trainer Spektakel-Spiele, bevorzugen ein 1:0 gegenüber einem 5:3. Trainer lieben Kontrolle, betonen vergnügt, wenn die eigene Mannschaft wenig zugelassen habe. Wenn der Plan, in einer guten Ordnung und Struktur zu stehen, aufgegangen ist. Bei diesem 5:4 herrschte kreatives Chaos auf dem gesamten Platz. Der Wahnsinn hatte Methode. Wird im Rückspiel die nächste Spektakel-Stufe gezündet? "Wir können Tore machen, gerade zu Hause", betonte Kompany. Schließlich reicht ein Erfolg mit einem Tor Vorsprung für den Ausgleich, für den Beginn der Verlängerung. "Der Glaube und das Gefühl sind zu 100 Prozent da", sagte der Bayern-Trainer.
Vize-Kapitän Joshua Kimmich meinte: "Die Ausgangssituation ist einfach. Wir müssen gewinnen. Alle, die das Spiel heute gesehen haben, trauen uns einen Sieg zu. Und vor allem: Wir, die in der Kabine saßen, glauben an den Sieg." Und damit an das Erreichen des Endspiels der Königsklasse am 30. Mai in Budapest. Luis Enrique, total heiser aus der Hitze des Gefechts gekommen, erzählte weit nach Mitternacht: "Ich habe meine Assistenten gefragt: Was glaubt ihr, wie viele Tore müssen wir schießen, um weiterzukommen? Sie haben geantwortet: Mindestens drei." Das kann ja heiter werden!



