Kompany fordert Differenzierung in Rassismus-Debatte und kritisiert Mourinho scharf
Der Trainer des FC Bayern München, Vincent Kompany, hat sich auf einer Pressekonferenz mit einer bewegenden und zwölfminütigen Rede zur aktuellen Rassismus-Debatte um den brasilianischen Stürmer Vinicius Junior geäußert. Der Belgier betonte die Komplexität des Falls und forderte eine strikte Trennung der verschiedenen Ebenen der Ereignisse.
Drei Ebenen müssen klar unterschieden werden
Kompany machte deutlich, dass das Geschehen auf dem Platz, die Vorfälle auf den Rängen sowie die Reaktionen nach der Partie separat betrachtet werden müssen. „Für mich muss man zwischen diesen drei Dingen klar unterscheiden“, erklärte der Trainer und bezog sich dabei auf das Spiel zwischen Real Madrid und Benfica, das er live verfolgt hatte.
Er beschrieb, wie Vinicius Junior emotional auf eine mutmaßliche rassistische Beleidigung reagierte und dabei von Teamkollege Kylian Mbappé unterstützt wurde. Gleichzeitig verwies Kompany auf den beschuldigten Benfica-Spieler, der die Vorwürfe hinter seinem Trikot verborgen bestritt. „Solange der Spieler selbst sich nicht dazu bekennt, ist es schwierig“, räumte der Belgier ein.
Schärfste Kritik an Mourinhos Führungsfehler
Besonders deutlich wurde Kompany in seiner Kritik an José Mourinho. Der Benfica-Trainer hatte nach dem Spiel den Charakter von Vinicius Junior attackiert, indem er dessen Torjubel thematisierte. „Für mich ist das in Sachen Leadership ein riesiger Fehler!“, urteilte der Bayern-Trainer mit Nachdruck.
Kompany kritisierte insbesondere, dass Mourinho den Namen des legendären Benfica-Spielers Eusébio benutzt hatte, um zu argumentieren, dass der Verein nicht rassistisch sein könne. „Wissen Sie, was Schwarze Spieler in den 1960ern durchmachen mussten?“, fragte Kompany rhetorisch und verwies auf die Erfahrungen seines eigenen Vaters.
Persönliche Erfahrungen mit Rassismus im Fußball
Der 39-Jährige teilte auch eigene Erlebnisse mit rassistischen Anfeindungen. Vor 20 Jahren erlebte er mit Teamkollege Cheik Tioté bei einem Spiel in Sevilla, wie Fans Ku-Klux-Klan-Lieder sangen und Affengeräusche machten. „Was habe ich getan? War also auch mein Jubel schuld?“, fragte Kompany emotional.
Auch in seiner aktuellen Rolle als Trainer musste er sich bereits Beschimpfungen als Affe aussetzen, als sein Team gegen Club Brügge spielte. „Nachdem ich mich beschwert habe, musste ich wieder mit ansehen, wie all die Politik passierte, um diese Geschichte zu killen“, berichtete er enttäuscht.
Appell für mehr Verständnis und weniger Polarisierung
Kompany betonte, dass viele Spieler in verschiedenen europäischen Ligen noch immer keine Stimme hätten, wenn sie rassistische Erfahrungen machten. Vinicius Junior sei zumindest in einer privilegierten Position, in der viele Menschen ihm ermöglicht hätten, zu protestieren.
Abschließend appellierte der Trainer für mehr Verständnis und weniger Polarisierung: „Ich sage nicht, vernichtet links alles oder vernichtet rechts alles.“ Er betonte, dass er Mourinho nicht als schlechten Menschen beurteile – viele ehemalige Spieler sprächen positiv über ihn –, aber dass der Portugiese in dieser Situation einen Fehler gemacht habe. „Das ist etwas, das hoffentlich in der Zukunft so nicht mehr passieren wird, damit wir hoffentlich vorankommen und wachsen können.“



