Kompanys kluge Worte gegen Rassismus: Diese Rede muss in den Bundestag!
Alle sprechen über den Auftritt des Bayern-Trainers. Großer Trainer, große Worte: Vincent Kompany (39) hielt am Freitag eine denkwürdige Pressekonferenz ab, die weit über den Fußball hinausreicht.
Ein emotionaler Appell gegen Diskriminierung
Die Zweifel waren anfangs groß, als Vincent Kompany im Sommer 2024 erst nach vielen Absagen der Top-Kandidaten bei Bayern München den Job als Nachfolger von Thomas Tuchel bekam. Umso bemerkenswerter ist, wie der Belgier im Eiltempo die Bundesliga mit seinem Fußball ins Staunen versetzte. Doch seinen größten Sieg feierte Kompany jetzt nicht auf dem Rasen, sondern auf dem Podium im Pressekonferenzraum der Säbener Straße.
An diesem Freitagvormittag wählte Kompany Worte, die unter die Haut gehen – und hoffentlich noch lange nachhallen werden. Sein Appell gegen Rassismus dauerte 11 Minuten und 54 Sekunden. Hintergrund ist der mutmaßliche Rassismus-Vorfall um Vinícius Júnior (25) im Champions-League-Spiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid am vergangenen Dienstag, wonach der Real-Star von Gegenspieler Gianluca Prestianni (20) wegen seiner Hautfarbe beleidigt worden sein soll.
Historische Einordnung und persönliche Erfahrungen
In Kompanys Monolog saß jedes Wort in bestem Englisch perfekt. Der ehemalige Premier-League-Profi machte bei dem Thema auch vor Star-Coach José Mourinho nicht Halt: „Was nach dem Spiel passiert ist, ist sogar noch schlimmer gewesen. José Mourinho, der Anführer der Mannschaft, hat den Charakter von Vinícius Junior attackiert, indem er die Art seines Torjubels thematisiert hat. In Bezug auf Führung ist das für mich ein großer Fehler.“
Und weiter: „Das ist etwas, was wir nicht akzeptieren sollten. Obendrein nennt er den Namen von Eusébio. Er sagt, dass Benfica nicht rassistisch sein kann, weil der beste Spieler der Klubgeschichte Eusébio ist. Aber weiß er, was schwarze Spieler in den 60er Jahren durchmachen mussten? War er da, um mit Eusébio zu jedem Auswärtsspiel zu reisen?“
Kompanys persönlicher Hintergrund gibt seinen Worten zusätzliches Gewicht: „Mein Vater ist eine schwarze Person aus den 1960ern, die damals ihren Weg gegangen ist. Damals war ihre einzige Option, still zu sein, nichts zu sagen, darüberzustehen und zehnmal besser zu sein, um ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das ist wahrscheinlich Eusébios Leben.“ Es sind Worte, die genauso gut in den Bundestag gehören dürften.
Respektvolle Kritik und breite Zustimmung
Doch seine Kritik an Mourinho hätte nicht respektvoller sein können. Er fügte an: „Ich habe 100 Menschen getroffen, die mit José Mourinho gearbeitet haben, und ich habe nie jemanden etwas Schlechtes über ihn sagen hören. Alle Spieler, die unter ihm gespielt haben, lieben ihn. Du kannst kein schlechter Mensch sein, wenn all deine Ex-Spieler so positiv über dich sprechen. Ich weiß also, dass er eine gute Person ist.“
Umso bemerkenswerter ist, dass Kompany nicht pauschalisiert, nicht zu emotional, sondern sachlich einordnend bleibt, obwohl er selbst in der Vergangenheit nach eigenen Angaben mehrfach als Profi rassistisch beleidigt wurde.
Sein Vater, Pierre Kompany, kam in den Siebzigerjahren als politisch Verfolgter nach Brüssel und schrieb später Geschichte als erster schwarzer Bürgermeister Belgiens. Sohn Vincent wuchs mit zwei Geschwistern in einer Sozialbaugegend im Norden Brüssels auf und war wiederholt mit Rassismus konfrontiert.
Experten und Kollegen reagieren beeindruckt
Ethnologin Rachel Etse lobte die Rede bei Sky: „Es war so ein starkes Statement von Kompany. Er hat es auch sehr schön strukturell eingeordnet, was es für die Lebensrealität von betroffenen Spielern bedeutet. Er hat viele wichtige und richtige Sachen gesagt. Er hat mit seinen Statements Geschichte geschrieben im europäischen Fußball.“
Auch Bremen-Trainer Daniel Thioune (51), der senegalesische Wurzeln hat, war beeindruckt: „Vincent ist zum einen ein sehr, sehr guter Trainer, aber auch ein richtig cooler Mensch. Es gibt Dinge in unserer Gesellschaft, die weder in den Fußball gehören noch gesellschaftlich eine Relevanz haben sollten. Es hat immer etwas mit Respekt, Wertschätzung und Haltung zu tun, wenn man miteinander umgeht. Das ist dem einen oder anderen am Dienstag nicht gelungen.“
Dafür Kompany umso mehr. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass er die Fußballbühne für sozialpolitische Themen nutzt. Damit ist er nicht alleine. Vor Kurzem kritisierte Pep Guardiola die jüngsten Vorfälle in den USA im Zusammenhang mit der Einwanderungspolitik unter Präsident Donald Trump scharf.
Der Star-Trainer von Manchester City führte weiter aus: „Menschen, die ihre Länder verlassen müssen, im Meer stranden und dann mit einem Boot gerettet werden müssen. Fragt nicht, ob sie im Recht sind oder nicht, rettet sie. Wir können den Mond erreichen, wir können alles schaffen. Aber im Moment töten wir uns gegenseitig, wofür? Wozu? Es geht um einen Menschen. Der Schutz des menschlichen Lebens ist das Einzige, was wir haben.“ Sätze, die wohl auch Kompany unterstreichen würde.



