Ein Teenager erobert die Nationalmannschaft: Lennart Karls Traumdebüt
Genau 33 Tage nach seiner Volljährigkeit schrieb Lennart Karl Fußballgeschichte. Als die deutsche Nationalmannschaft am 28. März 2026 im St. Jakob-Park von Basel auf die Schweiz traf, betrat der 18-jährige Flügelspieler des FC Bayern in der 63. Minute den Rasen – und verwandelte das Spiel augenblicklich. Anstelle des glücklosen Leroy Sané brachte Bundestrainer Julian Nagelsmann den Teenager, und die Wirkung war unmittelbar spürbar.
Frischer Wind von der Bank
Während die deutsche Mannschaft mit 3:2 führte, kam Karl ins Spiel und veränderte sofort die Dynamik. Die Diskrepanz zwischen dem energielosen Auftreten von Sané und dem mitreißenden Spiel des Neulings war frappierend. Über den rechten Flügel brachte Karl Schwung, Drive und eine erfrischende Raffinesse ins deutsche Spiel. Obwohl ihm keine direkte Torbeteiligung gelang, war er maßgeblich an der Entstehung des 4:2 durch Florian Wirtz beteiligt.
Routinier Pascal Groß von Brighton lobte nach dem Spiel: „Er hat frischen Wind ins Spiel gebracht. Er hat Spielwitz und versteckt sich nicht. Das bringt der Nationalmannschaft einen echten Mehrwert.“ Diese knappe halbe Stunde reichte aus, um bei Teamkollegen und Trainerstab mächtig Eindruck zu hinterlassen.
Die Stimmen der Mitspieler
Doppeltorschütze Florian Wirtz, selbst mit 22 Jahren bereits ein erfahrener Nationalspieler, zeigte sich begeistert: „Ich habe ihn diese Woche das erste Mal im Training gesehen. Er ist ein Topspieler. Es macht sehr viel Spaß, mit ihm zu spielen.“ Wirtz, der die öffentliche Erwartungshaltung genau kennt, wollte zwar „nicht so viel Druck“ aufbauen, konnte sich aber eine Prognose nicht verkneifen: „Er wird uns die nächsten Jahre so viel Spaß geben. Wir wollen einfach nur genießen, dass er Deutscher ist.“
Karl präsentiert sich als perfekte Ergänzung zum jungen deutschen Offensivtrio um Wirtz (22), Jamal Musiala (23) und Serge Gnabry (30). Sein unbekümmertes, freches Spiel könnte genau das sein, was der DFB für die anstehende Weltmeisterschaft benötigt.
Nagelsmanns Vertrauen und die WM-Perspektive
Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte bereits vor dem Schweiz-Spiel klare Worte gefunden: „Wenn du so einen jungen Spieler mit zu einem Turnier nimmst, dann, weil er genau das Freche, Unbekümmerte verkörpert – und wenn er reinkommt, immer Vollgas gibt, ein Spiel auch entscheiden kann und entscheiden will.“
Diese Aussage lässt kaum Raum für Zweifel: Karl müsste in den kommenden Wochen schon viel falsch machen, um sein Ticket für den 26 Spieler umfassenden WM-Kader noch zu verspielen. Seine nächste Chance zur Empfehlung hat er am Montag in Stuttgart beim Testspiel gegen Ghana, wo er wohl erneut als Joker zum Einsatz kommen wird.
Eine besondere Verbindung
Die Geschichte zwischen Nagelsmann und Karl begann bereits im Sommer 2022, als das Toptalent von Viktoria Aschaffenburg zum FC Bayern wechselte. Damals fungierte der 14-jährige Karl als Balljunge in der Allianz Arena. Am 14. August 2022, nach einem 2:0-Sieg der Münchner gegen Wolfsburg, klatschte Nagelsmann – damals am Beginn seiner zweiten Saison als Bayern-Trainer – mit dem „kleinen Lenny“ ab und drückte ihn herzlich an sich.
Nagelsmann zeigte sich auch vom Trainingseindruck des Neulings begeistert: „Er hat sich viel zugetraut, aber hat nicht übertrieben. Das war gut. Ich war sehr positiv angetan. Fußballerisch war es sehr, sehr gut.“ Auch abseits des Platzes mache Karl „einen sehr, sehr angenehmen Eindruck“ und sei „ein bisschen ruhiger, als ich erwartet habe“.
Historische Dimensionen
Lennart Karl ist der insgesamt 23. Debütant unter Julian Nagelsmann und der viertjüngste in der DFB-Geschichte seit 1945 – nach Jamal Musiala, Youssoufa Moukoko und der Legende Uwe Seeler. Sportdirektor Rudi Völler kommentierte das Debüt des neuen Hoffnungsträgers gewohnt zurückhaltend: „Schön, das hat er sich verdient.“
Fast auf den Tag genau 18 Jahre nach dem letzten deutschen Sieg gegen die Schweiz – damals am 26. März 2008 mit Toren von Mario Gómez (Doppelpack), Miroslav Klose und Lukas Podolski – hat nun eine neue Generation das Zepter übernommen. Lennart Karl, der damals fast noch als Neugeborener durchging, schreibt heute seine eigene Geschichte. Wer weiß schon, was da noch alles kommt.



