Luke Littler dominiert in Berlin und begeistert deutsche Fans
Luke Littler hat den achten Abend der Premier League Darts in der Uber Arena in Berlin mit beeindruckender Autorität gewonnen. Vor 12.000 begeisterten Zuschauern demonstrierte der 19-jährige Weltmeister einmal mehr, warum er derzeit als bester Dartsspieler der Welt gilt – und das mit deutlichem Abstand.
Die angespannte Beziehung zu deutschen Anhängern
Spätabends schlichen Anthony Buckley und Lisa Littler, die Eltern des Ausnahmetalents, durch ein Rolltor hinter der Bühne aus der Arena. Fast unscheinbar für die Tragweite des eben Erlebten. Denn ihr Sohn hatte nicht nur gewonnen, sondern auch eine besondere Wandlung in seiner Beziehung zu den deutschen Fans vollzogen.
„Ach, so schlimm war es doch heute Abend gar nicht. Wir haben schon Schlimmeres in Deutschland erlebt“, zeigte sich Lisa Littler sichtlich erleichtert im Gespräch mit SPORT1. Die größte Sorge der Erfolgsfamilie abseits des sportlichen Triumphs war stets: Wie reagieren die deutschen Fans auf den englischen Weltmeister?
Seit seinem Debüt vor gut zwei Jahren ist das Verhältnis zu den deutschen Anhängern angespannt. Littler musste regelmäßig Buhrufe ertragen, ohne dass es dafür konkrete Anlässe gab. Mehrfach ließ er deshalb European-Tour-Events in Deutschland aus und äußerte in Interviews sein Unverständnis für die Reaktionen.
Vom Buhruf zum Partychor: Die Wandlung in Berlin
Doch an diesem Abend in der deutschen Hauptstadt geschah etwas Besonderes. Littler spielte mit Averages von 106 und 108 Punkten auf außergewöhnlich hohem Niveau. Sein brillantes Spiel ließ sämtliche anfänglichen Pfiffe in einen kollektiven deutschen Partychor umschwenken.
„Als sein Lied losging, haben alle mitgesungen“, beobachtete auch Vater Anthony Buckley die emotionale Wandlung im Publikum. Littler gewann das Tagesturnier nicht nur, sondern deklassierte die Konkurrenz deutlich. Das Finale gegen den dreimaligen Weltmeister Michael van Gerwen geriet zu einem regelrechten Schaulaufen.
Der „Big Fish“ als krönender Abschluss
Am SPORT1-Mikrofon bestätigte der junge Engländer anschließend: „Es hat sich sehr gut angefühlt auf der Bühne. Ich wollte es einfach mit einer 170 beenden.“ Der sogenannte „Big Fish“ – das höchstmögliche Finish im Darts – diente als Kür, weil der reine Sieg dem Weltmeister zu langweilig erschien.
Als Littler mit dem Berliner Bären, der Trophäe für seinen ersten Premier-League-Tagessieg in Deutschland, von der Bühne kam, erwartete ihn Wayne Mardle. Der ehemalige Profi und aktuelle TV-Experte für die englischen Sender sagte mit bewunderndem Unterton: „You are f***ing fantastic!“ Vier Wörter, die wie ein Ritterschlag klangen.
Huldigung durch die Weltelite
Selbst die absolute Weltspitze kann dem jungen Engländer nur noch huldigen. „Er lässt das Spiel lächerlich leicht aussehen, es ist irre“, erklärte Mardle später am SPORT1-Mikrofon. Auch Master of Ceremonies Philip Brzezinski zeigte sich beeindruckt: „Mit welcher Sicherheit der auftritt, ist heftig für einen 19-Jährigen.“
Mit drei Tagessiegen aus den vergangenen vier Wochen befindet sich Littler in herausragender Form. „Am Start ist nichts für mich gelaufen, aber ich habe es geschafft, mich aus dem tiefen Loch herauszuholen. Jetzt bin ich wieder da, wo ich sein will“, resümierte er nach dem Berliner Erfolg. An der Tabellenspitze der Premier League, wo sonst?
Die unvollendete Liebesgeschichte zu Deutschland
Trotz des triumphalen Abends bleibt die Beziehung zwischen Littler und Deutschland ambivalent. European-Tour-Events wie das Turnier über die Osterfeiertage in München will der Weltmeister weiterhin auslassen – zu wichtig sind ihm Ruhepausen mit der Familie im eng getakteten PDC-Kalender.
Spätestens im Oktober wird Littler jedoch wieder auf einer großen deutschen Bühne stehen. Dann findet die European Championship in Dortmund statt – das einzige Major-Turnier, dessen aktueller Titelträger nicht Luke Littler heißt.
Die Bedeutung dieses Turniers im persönlichen Ranking ist entsprechend hoch: „Jetzt will ich mich erstmal auf die Premier League konzentrieren, aber ich denke daran, sobald es kommt. Und dann ist es mein Ziel, das Turnier zu gewinnen“, verriet Littler bereits am Mittwoch gegenüber SPORT1. „Weil dann habe ich Darts durchgespielt.“ Und das ausgerechnet in Deutschland.
Die Hassliebe zwischen Luke Littler und den deutschen Fans bleibt also eine fortwährende Geschichte – mit Höhen wie in Berlin und bewussten Auszeiten. Doch wenn der Weltmeister zurückkehrt, zeigt er stets aufs Neue, warum er die Sportart dominiert und selbst kritische Fans in Begeisterung versetzen kann.



