Hertha BSC hat einen neuen starken Mann im Aufsichtsrat: Tim Kauermann (41) ist zum Vorsitzenden gewählt worden – mit einem klaren Votum der Mitglieder. Für den vorherigen Amtsinhaber Dr. Torsten-Jörn Klein (62) endet eine Ära, er gehörte dem Aufsichtsrat seit 2004 an.
Um 14.23 Uhr war der Machtwechsel offiziell. Kauermann trat zurück auf die Bühne und sagte: „Ich nehme die Wahl sehr gerne an.“ Seine Botschaft an die Mitglieder: Hoffnung. Hoffnung darauf, „dass es in eine bessere Richtung geht“. Gleichzeitig zeigte er Größe und bedankte sich bei seinem deutlich geschlagenen Vorgänger.
Kauermann erhielt 733 der 1063 Stimmen, kratzte damit an der 70-Prozent-Marke. Klein kam nur auf 216 Stimmen, Andreas Kurth (67) blieb mit 82 Stimmen chancenlos. Drei Stimmen waren ungültig, 29 Mitglieder enthielten sich.
Kauermann, früher Präsidiumsmitglied unter dem verstorbenen Kay Bernstein und zuletzt als Sanierungsleiter tätig, hatte im Vorfeld für Veränderung geworben. In seiner Rede wurde er deutlich: „Diese Wahl ist eine Richtungsentscheidung.“ Hertha habe nicht an Leidenschaft gelitten, „sondern an fehlender Konsequenz und fehlender Aufsicht“.
Klein setzte auf Kontinuität. „Sie alle kennen mich“, sagte er und verteidigte seine Arbeit. Doch die Mitglieder wollten Antworten. Vor allem zur umstrittenen Windhorst-Ära musste sich Klein kritischen Fragen stellen. Seine Einordnung, vieles damals nicht erkannt zu haben, überzeugte viele im Saal nicht. „Würde ich’s heute nochmal so machen? Nein“, räumte er ein – zu spät für viele Mitglieder. Die Folge: Das Vertrauen war weg. Zu groß die Kritik an Fehlentwicklungen und mangelnder Kontrolle des Präsidiums.
Jetzt wird sich zeigen, ob Kauermann dem amtierenden, sehr stillen Präsidium um Präsident Fabian Drescher kritischer auf die Finger schauen - und hauen -wird. Mit Kauermann und Niklas Rotter (33), der zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde, sind zwei weitere Machthaber aus dem Fanlager bei Hertha BSC am Steuer. Der Einfluss der Ostkurve und der Ultras auf Klubentscheidungen ist noch einmal größer geworden. Als einfache Mitglieder ziehen Ex-Profi Andreas Schmidt (52) und Unternehmerin Rebecca Zenner (44) in den Aufsichtsrat ein.



