Marcell Jansen erinnert sich an seine besondere Zeit beim FC Bayern
Im exklusiven Gespräch mit SPORT1 blickt der ehemalige Fußballprofi Marcell Jansen auf seine eine Saison beim deutschen Rekordmeister zurück. Der heute 40-Jährige verbrachte die Spielzeit 2007/08 in München und wurde dort Deutscher Meister und Pokalsieger – die erfolgreichste Phase seiner Karriere.
Fast-Wechsel zu Barcelona und die Überzeugungsarbeit der Bayern
Jansen verrät im Podcast SPORT1 Deep Dive, dass er 2007 beinahe zum FC Barcelona gewechselt wäre. „Es war mit Barcelona schon alles so gut wie ausverhandelt, aber dann ist das so bei solchen Vereinen, dass es auch Mitgliederversammlungen gibt, und da wurden dann der Präsident und Trainer ausgetauscht“, erklärt der ehemalige Nationalspieler.
Diese Situation nutzten die Bayern geschickt aus. „Paul Breitner ist dann nach Düsseldorf gekommen und wir haben uns am Flughafen getroffen. Das Paket mit Paul Breitner, der klargemacht hat, warum ich zu Bayern kommen soll, aber auch Ottmar Hitzfeld als Trainer und Uli Hoeneß haben sich sehr bemüht. Das hat mich dann überzeugt“, erinnert sich Jansen.
Der entscheidende Faktor war jedoch Trainer Ottmar Hitzfeld: „Ottmar Hitzfeld wollte mich unbedingt und das war sehr wichtig. Du gehst dahin, wo ein Trainer dich unbedingt will.“
Stammspieler und Double-Gewinn in München
Hitzfeld setzte voll auf den jungen Verteidiger. Jansen kam in 33 Pflichtspielen zum Einsatz, meist über die volle Spielzeit. „Ich war Stammspieler und es war auch eine gute Entscheidung. Gerade für mich als junger Spieler war ein Trainer wie Ottmar Hitzfeld und auch so ein Umfeld sehr wichtig“, betont der Ex-Profi.
Die Zusammenarbeit verlief äußerst erfolgreich. Nach einer titellosen Saison 2006/07 holte der FC Bayern mit Jansen in der Spielzeit 2007/08 das Double. Besonders das Zusammenspiel mit Franck Ribéry auf der linken Seite beeindruckte ihn: „Es gab da einen so verrückten Typen, wie Franck. Wir haben ja auch auf einer Seite gespielt. Das war schon cool.“
Die besondere Beziehung zu Oliver Kahn
In der Bayern-Kabine traf Jansen auf zahlreiche Nationalmannschaftskollegen wie Miroslav Klose, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger. Eine besondere Verbindung entwickelte er zu Torwart-Legende Oliver Kahn.
„Mir hat schon auch meine rheinländische Art geholfen. Die hat Oli Kahn zwar nicht immer verstanden“, sagt Jansen lachend. „Da haben wir uns gegenseitig auch immer wieder Sprüche gedrückt. Wir haben uns wirklich sehr gut verstanden.“
Der ehemalige Linksverteidiger fühlte sich an der Säbener Straße sehr wohl: „Damals war auch alles noch etwas kleiner. Nicht so wie heute. Es gab nur eine kleine Küche, eine kleine Kabine. Das war sehr familiär. Es war eine super geile Saison.“
Doppeltes Happy End und unerwarteter Trainerwechsel
Die erfolgreiche Saison erhielt eine besondere Krönung, als Jansens Jugendverein Borussia Mönchengladbach – mit dem er vor seinem Bayern-Wechsel abgestiegen war – direkt wieder in die Bundesliga aufstieg. Die Gladbacher Verantwortlichen luden den Bayern-Spieler zur Aufstiegsfeier ein.
Der Grund: Der Transfer zum FC Bayern hatte Mönchengladbach 14 Millionen Euro eingebracht – für damalige Verhältnisse ein unglaublicher Betrag, der den Neuaufbau des Zweitliga-Kaders ermöglichte. „Das war wie ein Happy End. Gladbach konnte dadurch auch eine gute Basis für die super Entwicklung danach aufbauen“, erklärt Jansen.
Doch nach der Saison kam die überraschende Wende: Ottmar Hitzfeld musste seinen Posten räumen, Jürgen Klinsmann wurde neuer Trainer. „Wir waren alle überrascht, dass es mit Ottmar Hitzfeld nicht weiterging. Ich meine wir haben das Double geholt“, erinnert sich Jansen. „Das kam nicht gut an bei der Mannschaft, weil die Mannschaft und das Trainerteam eine echte Einheit waren.“
Das Ende der Bayern-Karriere nach nur einer Saison
Der Trainerwechsel entwickelte sich für Jansen zum Albtraum: „Wir sind schlecht gestartet, ich habe kaum gespielt, obwohl ich zuvor Stammspieler war und bei der EM Stammspieler war. Zudem war es auch nicht so, dass die Konkurrenten auf meiner Position besser gespielt haben.“
Nach mehreren enttäuschenden Gesprächen mit Klinsmann entschied sich Jansen für einen Wechsel: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich die Wertschätzung ändert – und nachdem der HSV dann extrem um mich gekämpft hatte, habe ich dann den Wechsel gemacht.“ So endete nach nur einer Saison die kurze, aber äußerst erfolgreiche Bayern-Karriere des Marcell Jansen.



