Matthäus will keine öffentlichen Auseinandersetzungen mehr mit Hoeneß
Der ehemalige Fußballstar und heutige TV-Experte Lothar Matthäus hat klargestellt, dass er sich nicht länger auf öffentliche Scharmützel mit Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß einlassen wird. In einem ausführlichen Interview anlässlich seines 65. Geburtstags bei der Bild-Zeitung äußerte sich der Rekordnationalspieler zu den wiederkehrenden Attacken seines einstigen Vorgesetzten.
Anfängliches Kopfschütteln über Hoeneß' Vorgehen
„Anfangs habe ich schon den Kopf geschüttelt, wenn er das über die Medien getan hat, statt mich selbst anzurufen – was er ja einfach tun könnte“, gestand Matthäus. Auch in jüngerer Vergangenheit sei er mehrmals in Hoeneß' Schusslinie geraten, etwa als der langjährige Bayern-Manager ihm vorwarf, nicht mehr „alle Tassen im Schrank“ zu haben. Auslöser waren damals Matthäus' Aussagen zur möglichen Transfersumme in der Personalie Nick Woltemade.
Heute zeigt sich der 65-Jährige gelassener: „Ich habe kein Problem mehr damit. Jeder darf sagen, was er denkt“, befand der TV-Experte. „Zurückschießen werde ich jedenfalls nicht mit der gleichen Munition. Ich sage nichts, nur um Schlagzeilen zu produzieren.“
Matthäus betont journalistische Integrität
Als Experte gehe es ihm darum, ehrlich und korrekt zu sein, betonte Matthäus nachdrücklich: „Ich nehme weder meine Ex-Vereine Bayern oder Mönchengladbach in Schutz noch Spieler, Trainer oder Bosse. Auch nicht, wenn ich sie persönlich kenne. Ich sage, was ich sehe und meine. Aber nie unter der Gürtellinie.“
Emotionale Erinnerungen an WM 1990 und Andreas Brehme
Im Gespräch mit der Bild-Zeitung blickte Geburtstagskind Matthäus auch auf besondere Momente seiner langen Spielerkarriere zurück. Auf die Frage, was ihn am meisten stolz mache, antwortete er ohne Zögern: „Auf die Weltmeisterschaft 1990, aber nicht auf den Titel allein. Stolz macht mich der Team-Spirit, der Zusammenhalt, dieses respektvolle Miteinander“.
Besonders emotional wurde Matthäus, als er über seinen 2024 verstorbenen Weggefährten Andreas Brehme sprach: „Ich bin auch noch mit einem Bruder Weltmeister geworden, mit Andy Brehme. Nach mehr als 1000 Übernachtungen im Doppelzimmer in Trainingslagern oder bei Auswärtsspielen weiß man alles voneinander. Da ist unendlich großes Vertrauen entstanden.“
Die bewusste Entscheidung im WM-Finale
Matthäus bezeichnete es als „die beste Entscheidung“ seiner Karriere, „im WM-Finale 1990 auf den entscheidenden Elfmeter zu verzichten und Andy schießen zu lassen“. Er erklärte: „Natürlich hätte ich schießen können, aber ich war mir nicht sicher wegen des Schuhwechsels. Für wenige war das vielleicht Feigheit, aber viele sagen: Das war Größe.“
Der verpasste Wechsel zu Real Madrid
Mit einem Großteil seiner beeindruckenden Laufbahn zeigt sich Matthäus sehr zufrieden – nur ein geplatzter Transfer fällt aus der Reihe: „Da gibt es etwas. Ich wäre 1991 gern zu Real Madrid gewechselt! Das wäre es gewesen!“, gestand der Fußballlegende.
Der damals geplante Wechsel scheiterte jedoch an Inter Mailands Präsident Pellegrini: „Zwischen mir und Real war schon alles klar. Doch Inter Mailands Präsident Pellegrini hat mich nicht gehen lassen.“ Noch heute spricht Matthäus mit einem Hauch von Wehmut über diese verpasste Chance in seiner Karriere.



