Matthäus attackiert Nagelsmann: 'Unglaubwürdige' Personalpolitik
Die Kritik an der Personalpolitik von Bundestrainer Julian Nagelsmann reißt nicht ab. Nun hat sich auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus mit deutlichen Worten zu Wort gemeldet und spricht eine dringliche Warnung für den anstehenden WM-Sommer aus.
Öffentliche Diskussionen als Problem
In seiner Kolumne bei Sky übt Matthäus scharfe Kritik an Nagelsmanns Kommunikationsstil. 'Wenn Spieler schon im Vorfeld wissen, dass sie kaum Startelfchancen haben, außer wenn sich jemand verletzt – dann ist das schwierig', schreibt der 60-Jährige. Besonders kritisch sieht er Nagelsmanns detaillierte öffentliche Erklärungen zur geplanten WM-Rollenverteilung.
Vor allem bei Deniz Undav wurde Nagelsmann immer wieder deutlich. Nach dem 2:1-Sieg gegen Ghana, bei dem Undav das Siegtor erzielte, hatte der Bundestrainer verlauten lassen, es sei unwahrscheinlich, dass sich an der Reservistenrolle des Stuttgarter Angreifers noch etwas ändern werde.
Gefährliches Spiel mit der Motivation
Matthäus warnt eindringlich vor den Konsequenzen dieser Vorgehensweise: 'Denn was passiert, wenn sich ein Spieler verletzt? Dann braucht man genau die Spieler, die vorher außen vor waren und so funktionieren wie Deniz Undav gegen Ghana. Das ist ein gefährliches Spiel und könnte zum Bumerang werden.'
Der ehemalige Nationalspieler kritisiert zudem eine Prinzipienumkehr bei Nagelsmann. Während der Bundestrainer zunächst betonte, dass Spieler in ihren Vereinen möglichst viele Einsatzminuten benötigen würden, sitzen nun Spieler auf der Bank, die diese Kriterien erfüllen – während andere, die sie nicht erfüllen, auf dem Platz stehen.
Unglaubwürdigkeit in der Causa Sané
Auch in der Causa Leroy Sané sieht Matthäus eine Mitschuld bei Nagelsmann. 'Mit seinen unglücklichen Aussagen hat er dem Spieler keinen Gefallen getan und sich unglaubwürdig gemacht', meint er. Die Nominierung von Sané, der bei Galatasaray Istanbul nur mäßige Leistungen zeigte, war bei vielen Fans auf Unverständnis gestoßen.
Matthäus verweist darauf, dass ein Teil der Pfiffe im Stuttgarter Stadion nicht nur Sané, sondern auch dem Trainer gegolten hätten. Dies zeige die wachsende Unzufriedenheit mit Nagelsmanns Entscheidungen.
Gnädiger Ausblick trotz Kritik
Trotz aller Kritik zeigt sich Matthäus am Ende seiner Ausführungen auch gnädig mit dem Bundestrainer. Er gesteht Nagelsmann zu, dass dieser machen könne, was er wolle: 'Wenn die Nationalmannschaft am Ende eine erfolgreiche Weltmeisterschaft spielt, hat er alles richtig gemacht.'
Die Spannung im DFB-Team bleibt jedoch hoch. Trotz der Erfolge gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) rumort es weiter in der Deutschen Nationalmannschaft. Nagelsmanns Personalentscheidungen werden auch in den kommenden Wochen genau beobachtet werden, besonders mit Blick auf die anstehende Weltmeisterschaft.



